Sartorius Vorzuege, DE0007165631

GÖTTINGEN - Die Geschäfte für den Laborausrüster und Pharmazulieferer Sartorius auf.

18.10.2021 - 16:03:29

SARTORIUS IM FOKUS: Dax-Neuling mit starkem Wachstum

den Aufstieg in die erste Börsenliga Dax geschafft. Kein Wunder: Das Papier hatte eine rasante Jagd hinter sich - bis Ende August hatte sich der Kurs allein in den fünf Jahren zuvor mehr als versiebenfacht.

Anfang Juli sorgten höhere Jahresziele für eine neue Welle der Euphorie. Die seit Jahren anhaltende und durch Corona angeheizte Rally war in den Monaten zuvor etwas ins Stocken geraten. Die nun im Dax notierte Vorzugsaktie hatte ein Rekordhoch nach dem anderen erklommen. Vor gut einem Monat hatten sie mit 599,60 Euro so viel gekostet wie noch nie, bevor ein Rückschlag auf zuletzt rund 520 Euro folgte.

Dennoch legte die Vorzugsaktie alleine in diesem Jahr um gut 50 Prozent zu, und das, nachdem sie 2020 rund 80 Prozent gewann und 2019 circa 75 Prozent. Damit reiht sich das Papier in die Liste der größten Gewinner unter den deutschen Standardwerten ein. Den letzten Jahresverlust gab es 2008 während der großen Weltfinanzkrise.

Über fünf Jahre gesehen summiert sich das Plus nun auf inzwischen rund 560 Prozent. Wer noch früher eingestiegen ist, hat ein größeres Plus im Depot. 2012 stieg der Kurs erstmals über die Marke von 10 Euro. Das Göttinger Unternehmen wurde bereits 1990 an die Börse gebracht. Damals hatte der Ausgabepreis für die Vorzugsaktie 610 D-Mark betragen. Bereinigt um die Währungsumstellung und zwei Aktiensplits beläuft sich der Ausgabepreis rechnerisch auf rund drei Euro.

Das Aktienkapital ist zu gleichen Teilen in Stamm- und Vorzugsaktien aufgeteilt. Von den etwas mehr als 37 Millionen Stammaktien gehören gut die Hälfte einer Erbengemeinschaft und rund 34 Prozent dem US-Unternehmen Bio-Rad Laboratories. Knapp neun Prozent hält das Unternehmen selbst. Rund sechs Prozent sind im Streubesitz.

Ganz anders sieht es bei den Vorzugsaktien aus: Hier werden rund 72 Prozent der Anteile, die nicht im Besitz des Unternehmens selbst sind, im Streubesitz gehandelt; 28 Prozent liegen nach Sartorius-Angaben bei Bio-Rad Laboratories. Sartorius selbst hält wie bei den Stammaktien rund neun Prozent. Der Konzern wird an der Börse inzwischen mit rund 41 Milliarden Euro bewertet - allein das Aktienpaket der Erbengemeinschaft kommt dabei auf fast elf Milliarden Euro.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Von den 13 seit Ende Juni von dpa-AFX erfassten Experten, die Sartorius auf dem Schirm haben, empfehlen acht die Aktie zum Kauf. Vier raten zum Halten. Einer empfiehlt den Verkauf. Im Schnitt liegt das Kursziel bei rund 542 Euro. Allerdings weisen die Schätzungen mit 324 Euro (UBS) bis 632 Euro (Warburg) eine große Spanne auf. Aktuell kosten die Papiere etwas mehr als 520 Euro.

Der Laborausrüster hat laut Analyst Oliver Reinberg vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux im laufenden Jahr ein imposantes Gewinnwachstum erzielt. Er rechnet mit einer Fortsetzung des Trends und einem dynamischen Jahr 2022. Der Covid-Umsatz dürfte auch im kommenden Jahr stark bleiben und das Wachstum im Basisgeschäft sich sogar noch beschleunigen. Auch eine Änderung der Auftragslage würde sich angesichts der Knappheit in der Branche positiv auswirken.

Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan rechnet mit einem starken dritten Quartal des Laborausrüsters und Pharmazulieferers. Zudem geht er davon aus, dass Sartorius die Jahresziele erneut anheben wird. Analystin Delphine Le Louët von der französischen Großbank Societe Generale (SocGen) wies daraufhin, dass so hohe Wachstumsraten für ein Industrieunternehmen selten seien, wie sie für den Laborausrüster bis 2025 erwartet würden.

Das durchschnittliche Umsatzwachstum des Konzerns zwischen 2007 und 2020 hat nach Berechnung von Analyst Alexander Neuberger von der Privatbank Metzler 11,2 Prozent betragen. Dies spiegele das langfristige organische Wachstum des Konzerns besser wider. Abgesehen von dem durch die Pandemie induzierten Zusatzgeschäft werde das Wachstum von Sartorius derzeit durch die vorhandenen Kapazitäten getrieben. Diese reichten noch nicht aus, um die Nachfrage vollständig zu decken.

Im abgelaufenen dritten Quartal dürfte sich das Verhältnis Auftragseingang zum Umsatz nicht wesentlich geändert haben. Die Vollauslastung der Kapazitäten sollte bis weit in das erste Halbjahr 2022 reichen. Diese Situation erlaube es dem Konzern auch, weitere Skaleneffekte zu realisieren und Kostensteigerungen an seine Kunden weiterzugeben. Ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres sollte Sartorius von dem Kapazitätsausbau zur Bewältigung der guten Auftragslage profitieren. Den aktuellen Rückgang des Aktienkurses sieht Neuberger als Kaufgelegenheit.

Skeptisch blieb hingegen UBS-Experte Michael Leuchten, der das Papier für deutlich zu hoch bewertet hält. Er geht zwar davon aus, dass Sartorius bis 2025 kräftig wachsen wird, glaubt aber nicht an das vom Konzernchef Kreuzberg ausgerufene Ziel von fünf Milliarden Euro. Die für das Wachstum notwendigen Investitionen dürfte zudem auf die Marge drücken. Zudem seien die durch Corona ausgelösten Umsätze hoch profitabel - dieser Effekte dürfte sich auch nicht ewig fortsetzen lassen.

@ dpa.de