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Sartorius Vorzuege, DE0007165631

GÖTTINGEN - Die Corona-Pandemie bescherte dem Laborausrüster und Pharmazulieferer Sartorius im vergangenen Jahr reichlich Tempo.

03.06.2021 - 08:33:26

SARTORIUS IM FOKUS: Wie lang hält der Rückenwind durch Covid-19?. Das setzte sich nunmehr auch 2021 fort. Die Göttinger liefern der Pharmabranche wichtiges Zubehör für Impf- und Wirkstoffe gegen das Virus und die Auftragsflut versorgt den Konzern noch über Monate mit Arbeit. An der Börse standen die Aktien nach einem lange anhaltendem Höhenflug von Rekord zu Rekord zuletzt jedoch unter Druck. Denn: Die aktuellen Impffortschritte streuen Zweifel unter Investoren, dass die hohe Nachfrage nachhaltig ist. Zur Lage des Unternehmens, was die Aktie macht und was Analysten sagen.

sprachen gar eine Kaufempfehlung aus. Wegen der hohen Bewertung der Aktie gibt es aber auch unverändert kritische Stimmen.

Die im dpa-AFX-Analyser seit April aufgeführten Experten rufen im Schnitt ein Kursziel von rund 460 Euro auf und liegen damit deutlich über dem aktuellen Kurs, dennoch stimmt hier die Mehrheit für ein Halten der Papiere. Ausreißer nach unten mit einem Kursziel von lediglich 324 Euro sind die Experten der UBS , sie votieren inzwischen seit gut einem Jahr für den Verkauf der Aktie und setzen seitdem konsequent einen der niedrigsten fairen Werte an.

Analyst Michael Leuchten machte sich zuletzt genau um jenen Punkt Sorgen, um den sich auch die aktuellen Bedenken des Marktes drehen: Zwar treibe die globale Impfstoffproduktion in der Coronakrise das Wachstum bei Sartorius kräftig an, schrieb er. Irgendwann werde sich dies jedoch verlangsamen, und dann sei die hohe Bewertung der Aktien nur noch schwer zu rechtfertigen.

Ähnlich ist der Tenor bei der DZ Bank. Analyst Sven Kürten geht davon aus, dass das "extrem positive Momentum" des Geschäfts nach Pandemie-Ende etwas nachlassen dürfte. Allerdings sollten turnusmäßige Covid-19-Auffrisch-Impfungen trotzdem weitere Erträge bringen, glaubt er. Zudem laufe auch ohne die Pandemie das Basisgeschäft bei Sartorius glänzend, der einer der weltweit führenden Biopharma-Produktionszulieferer sei.

Commerzbank -Experte Daniel Wendorff rechnet spätestens mit dem Bericht zum zweiten Quartal im Juli mit einer weiteren Aufstockung der Jahresziele. Zu diesem Zeitpunkt erwartet sich JPMorgan -Experte Richard Vosser dann auch eine erste konkrete Umsatzprognose für die im Zusammenhang mit Covid-19 entstehenden Erlöse im Jahr 2022.

Unterdessen sieht Delphine Le Louët von der französischen Großbank Societe Generale angesichts der jüngsten Kurskorrektur im Sektor wieder gute Chancen durch einen Einstieg in die Aktie, weshalb sie ihr bisher neutrales Votum aufgab. Zudem habe das Sartorius-Management sie auf dem Kapitalmarkttag von den langfristigen Wachstumschancen im Bereich der Gen- und Zelltherapien und vom regionalen Produktionsansatz des Unternehmens überzeugt, schrieb sie.

Das höchste Kursziel kommt mit 548 Euro von der Investmentbank Warburg Research. Das operative Wachstum des Laborzulieferers sei unverändert stark, schrieb Analyst Michael Heider in einer Studie Ende Mai. Das Geschäftsumfeld sei extrem günstig und werde von der Pandemie des Coronavirus noch zusätzlich angetrieben.

DAS MACHT DIE AKTIE

Auch aus Sorge um den nachlassenden Covid-19-Wind hatten Investoren ab der zweiten Aprilhälfte vielfach einen Bogen um Pharmaaktien gemacht, doch seit Mitte Mai geht es für den gesamten Sektor wieder aufwärts. Dagegen hat sich die im MDax notierte Sartorius-Vorzugsaktie noch nicht wieder gefangen. Mit dem Mittwoch-Schlusskurs von knapp 390 summieren sich die Verluste seit dem Rekordhoch von 502 Euro von Anfang Februar auf etwas mehr als 20 Prozent.

Trotz des jüngsten Kursrückschlags schafft es das Papier seit Jahresbeginn aber immer noch auf ein Plus von rund 13 Prozent. Noch günstiger fällt die längerfristige Bilanz aus: Seit Anfang 2020, also bevor die Corona-Pandemie die Welt erfasst hatte, verdoppelte sich der Kurs - über fünf Jahre gesehen summiert sich das Plus auf rund 500 Prozent. Wer noch früher eingestiegen ist, hat ein noch größeres Plus im Depot. 2012 stiegen der Kurs erstmals über die Marke von 10 Euro.

Das Göttinger Unternehmen wurde bereits 1990 an die Börse gebracht. Damals hatte der Ausgabepreis für die Vorzugsaktie 610 D-Mark betragen. Bereinigt um die Währungsumstellung und zwei Aktiensplits beläuft sich der Ausgabepreis rechnerisch auf rund drei Euro. Das Aktienkapital ist zu gleichen Teilen in Stamm- und Vorzugsaktien aufgeteilt. Von den etwas mehr als 37 Millionen Stammaktien gehören gut die Hälfte einer Erbengemeinschaft und rund 34 Prozent dem US-Unternehmen Bio-Rad Laboratories. Knapp neun Prozent hält das Unternehmen selbst. Nur sieben Prozent sind im Streubesitz.

Ganz anders sieht es bei den Vorzugsaktien aus: Hier werden rund 72 Prozent der Anteile, die nicht im Besitz des Unternehmens selbst sind, im Streubesitz gehandelt; 28 Prozent liegen nach Sartorius-Angaben bei Bio-Rad Laboratories. Sartorius selbst hält wie bei den Stammaktien rund neun Prozent. Insgesamt wird das Unternehmen an der Börse derzeit inzwischen mit knapp 29 Milliarden Euro bewertet. Allein das Aktienpaket der Erbengemeinschaft kommt dabei auf rund sieben Milliarden Euro.

Sartorius ist nach Airbus , der Siemens -Tochter Siemens Healthineers und der VW -Beteiligungsholding Porsche SE derzeit der viertschwerste Titel im MDax und bringt derzeit mehr auf die Börsenwaage als zahlreiche Dax -Konzerne. Das Göttinger Unternehmen zählt damit zu den Kandidaten für den Dax-Aufstieg, wenn der deutsche Leitindex im Herbst von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.

Für einen möglichen Dax-Aufstieg ist allerdings nur der Börsenwert des Streubesitzes bei der Vorzugsaktie entscheidend. Die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Vorzugspapiere liegt derzeit bei knapp zehn Milliarden Euro. Gemessen daran hat das Unternehmen zahlreiche Konkurrenten beim Kampf um einen Platz im deutschen Leitindex. Entscheidend für eine Aufnahme in den Dax wird der Börsenwert im Spätsommer sein.

@ dpa.de

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