T-Mobile US, US8725901040

FRANKFURT / NEW YORK - Die abermals aufgekeimte Hoffnung auf eine für die Deutsche Telekom lukrative Fusion ihrer Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint hat die Aktien der Bonner am Mittwochmorgen angetrieben.

11.04.2018 - 08:46:23

AKTIEN IM FOKUS: Telekom profitiert von Hoffnung auf Lösung für US-Tochter. Sie stiegen auf der Handelsplattform Tradegate in einem schwächeren Gesamtmarkt im Vergleich zum Xetra-Schluss um 2,36 auf 13,875 Euro. Damit zeichnet sich eine Fortsetzung ihrer jüngsten Erholung ab, nachdem sie im März auf Xetra bei 12,72 Euro auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015 gefallen waren.

T-Mobile US und Sprint sprechen wieder miteinander, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb. Die Telekom, die aktuell rund 63 Prozent an T-Mobile US hält, ist dabei nach Ansicht der Bank JPMorgan klar im Vorteil. Analyst Akhil Dattani begründet dies mit der Kursentwicklung der beiden Aktien seit dem Ende von Fusionsgesprächen im vergangenen Jahr.

Die T-Mobile-US-Aktie hat sich seitdem deutlich besser entwickelt als das Sprint-Papier. Deswegen dürfte die Telekom bei einer Zusammenlegung der Unternehmen mit Abstand den größten Kapitalanteil haben, schrieb Dattani. Damit dürfte die Telekom in der Lage sein, bei einer möglichen Fusion das neue Unternehmen zu kontrollieren und auch weiter voll in der Bilanz zu konsolidieren.

Ob allerdings nur wenige Monate nach dem Platzen der letzten Gespräche die Verhandlungen einfacher würden, sei fraglich, schrieb Analyst Matthew Niknam von der Deutschen Bank in einer Studie. Damals scheiterten die Verhandlungen offenbar an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Auch Niknam sieht nach der jüngsten Kursentwicklung mehr Vorteile bei T-Mobile US.

Allerdings hatte der Kurs der Sprint-Aktie nach der Veröffentlichung des "WSJ"-Berichts auch deutlich zugelegt. Der Börsenwert des Unternehmens stieg am Dienstag um rund 17 Prozent auf 24 Milliarden Dollar zu - derjenige von T-Mobile US legte um knapp sechs Prozent auf 54 Milliarden Dollar zu.

Die Parteien beschnuppern sich schon lange - sollte der Bericht des "Wall Street Journal" stimmen, so wäre es bereits das dritte Mal in vier Jahren, dass eine Fusion ausgelotet wird. Da T-Mobile US zuletzt der Wachstumsmotor des deutschen Konzerns war, ist es nach Einschätzung des JPMorgan-Experten Dattani für die Telekom elementar, auch nach einem Zusammenlegen der beiden Unternehmen die Kontrolle zu behalten, um das US-Geschäft weiter voll in den Büchern zu haben und nicht als Finanzbeteiligung zu verbuchen.

Analyst Niknam von der Deutschen Bank bleibt aber vorsichtig. Eine Zustimmung der Wettbewerbshüter zu erhalten, dürfte nach wie vor schwer sein. So wollten die Kartellwächter auf dem US-Markt offenbar weiterhin vier Mobilfunkanbieter. Zudem wären bei einer Fusion hohe Einsparungen für die Konzerne möglich, verbunden aber auch mit einem massiven Arbeitsplatzabbau. Auch das dürfte bei den Behörden wenig Anklang finden, zumal die beiden Mobilfunker von nicht-amerikanischen Konzernen kontrolliert würden.

Allerdings hatte Telekom-Chef Tim Höttges im Zuge der letzten Verhandlungen im vergangenen Jahr von einem besseren regulatorischen Umfeld gesprochen. Im Jahr 2011 war die geplante Übernahme des damals noch T-Mobile USA heißenden Mobilfunkers durch den US-Branchenriesen AT&T gescheitert. Kartellwächter sahen den Wettbewerb gefährdet.

Seither hat sich aber Einiges geändert. So setzte US-Präsident Donald Trump an entscheidenden Stellen bei der Telekom-Aufsicht FCC sowie in der Kartellabteilung des US-Justizministeriums neue Leute ein.

@ dpa.de