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Indikatoren, Analyse

FRANKFURT - Die SPD hat die Bundestagswahl knapp gewonnen.

27.09.2021 - 12:21:26

WAHL: Ökonomen-Stimmen zur Bundestagswahl. Nach dem vorläufigen Ergebnis wurden die Sozialdemokraten mit Olaf Scholz am Sonntag stärkste Partei. Die CDU/CSU stürzte nach 16 Jahren Regierung von Kanzlerin Angela Merkel mit Armin Laschet auf ein Rekordtief. Trotzdem reklamiert nicht nur Scholz, sondern auch Laschet den Auftrag zur Regierungsbildung für sich.

Beide streben eine Koalition mit Grünen und FDP an. Angesichts des schwachen Wahlergebnisses ist eine Regierung unter Beteiligung der Linken vom Tisch. Ein rot-grün-rotes Bündnis war an den Finanzmärkten gefürchtet worden. Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank

"Ein Wahlergebnis von Maß und Mitte. Es sind nun weder zu starke wirtschaftspolitische Ausschläge nach links, noch deutliche Steuersenkungen zu erwarten. Die großen Aufgaben der Investition in Nachhaltigkeit und Infrastruktur ist allen denkbaren Koalitionen gemein, wenngleich noch ehrgeizigeren Klimazielen im Ergebnis eher eine Absage erteilt wurde. Mit dieser politischen Neuausrichtung können die Finanzmärkte gut leben. Das größte Risiko besteht jetzt darin, dass die Koalitionsverhandlungen sich doch im Sumpf der Details festfahren."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

"Nach der Bundestagswahl dürften viele Anleger und Unternehmer erleichtert sein, dass ein rot-grün-rotes Bündnis auf keine Mehrheit gekommen ist. Damit zeichnet sich in der Wirtschaftspolitik kein Linksrutsch ab. Aber auch ein marktwirtschaftliches Reformprogramm ist unwahrscheinlich, obwohl sich Deutschland bei der Standortqualität in der EU nach vielen Jahren der Erosion nur noch im Mittelfeld befindet. Eurokurs und italienische Staatsanleihen dürften auf den Ausgang der Bundestagswahl erst dann reagieren, wenn sich abzeichnet, wie sich eine neue Bundesregierung in der Frage der gemeinsamen Schuldenaufnahme innerhalb der EU positionieren wird."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

"An den Finanzmärkten wird der Wahlausgang gelassen aufgenommen werden. Ein Linksbündnis scheidet aus. Das größte Risiko ist aus Finanzmarktsicht somit ausgeräumt. Damit steht aber auch fest: Mit einem deutlichen Bruch der bisherigen Regierungsarbeit ist nicht zu rechnen. Auch der Einzug der SPD ins Bundeskanzleramt würde Kontinuität bedeuten. Scholz sind solide Staatsfinanzen wichtig, alleine das wirkt für die Finanzmärkten beruhigend. Eine Kanzlerschaft von Laschet wäre ohnehin keine Paradigmenwechsel, da die CDU im Kanzleramt bliebe. Und zunächst gilt: Solange die Regierungskoalition noch offen ist, gibt es ohnehin keinen Grund, Finanzwetten abzuschliessen. Der Euro wird auf die Bundestagswahl auch keine größeren Reaktionen zeigen."

Jens-Oliver Niklasch, Analyst Landesbank Baden-Württemberg

"Aus Marktsicht dürfte es eine gute Nachricht sein, dass eine Linkskoalition rechnerisch unmöglich ist und folglich als Drohkulisse der Verhandlungen zwischen SPD, CDU, Grünen und FDP abgeräumt wurde. Die verbleibenden möglichen Regierungsparteien unterscheiden sich in wirtschafts- und finanzpolitischen Themen nicht so gravierend, als dass Kompromisse unmöglich werden. Möglicherweise werden auch Personen und Posten am Ende wichtiger als Programme. Wer z.B. erhält das Finanzministerium? Wird es eine Art Superministerium für Wirtschaft, Klima und Umwelt geben?"

David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank

"Eine gestaltende Politik ist umso wichtiger, weil diese Herausforderungen auch große Chancen bieten. Die Tatsache, dass Deutschland Herausforderungen wie den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg oder die deutsche Wiedervereinigung in großartige Erfolgsgeschichten verwandelt hat, stimmt mich zuversichtlich, dass dies wieder gelingen kann. Beide historischen Leistungen waren nur möglich, weil die Politik klug genug war, die Soziale Marktwirtschaft ihre Wirkung entfalten zu lassen. Die neue Regierung steht also vor der doppelten Herausforderung, die neue internationale Rolle Deutschlands zu definieren und die richtige Balance zwischen Marktwirtschaft und einem starken, lenkenden Staat zu finden. Wenn uns das gelingt, könnten sich die erneuten Abgesänge einiger internationaler Beobachter einmal mehr als verfrüht erweisen."

@ dpa.de

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