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Flatexdegiro, DE000FTG1111

FRANKFURT - Die Corona-Pandemie hat sich für den Frankfurter Online-Broker Flatex als Glücksfall für das eigene Geschäft erwiesen.

14.12.2020 - 08:33:26

FLATEXDEGIRO IM FOKUS: Mit Corona-Turbo in den SDax. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten handelten die Kunden so viel mit Aktien, Derivaten, Fonds und ETFs, dass Vorstandschef Frank Niehage seine Erwartungen für 2020 im Laufe des Jahres gleich zweimal nach oben schraubte. Nach der Übernahme des niederländischen Konkurrenten Degiro tritt das Unternehmen nun unter dem Namen Flatexdegiro auf - und dürfte an der Börse künftig auch selbst eine größere Rolle spielen. Was beim Unternehmen los ist, was Analysten sagen und wie sich der Aktienkurs entwickelt.

Comdirect, die bereits nach dem ersten Halbjahr von einer "Höchstmenge an Trades" und dem größten Kundenwachstum seit mehr als zehn Jahren schwärmte. Auch Flatex und Degiro konnten sich vor dem Ansturm neuer Kunden und Rekordzahlen kaum retten.

"Wir haben im ersten Halbjahr unsere Mittelfristplanung für 2022/23 übertroffen", jubelte Unternehmenschef Niehage im September. Nachdem er seine Erwartungen für das laufende Jahr schon im Juli angehoben hatte, schraubte er sie da ein weiteres Mal nach oben.

Sein Optimismus riss auch im Herbst nicht ab. "Die hervorragenden Wachstumszahlen der letzten Monate geben uns zusätzliche Zuversicht, unsere Ambition, in diesem Jahr mehr als 70 Millionen Transaktionen für 1,2 Millionen Kunden und spätestens 2025 mindestens 100 Millionen Transaktionen für 3 Millionen Kunden durchzuführen, zu erreichen", sagte er im November. Ursprünglich hatte Niehage für 2020 eine Million Kunden und 35 Millionen Transaktionen angepeilt. Doch dann verschaffte Corona den Geschäften unverhofften Schub.

Bis Ende September stieg die Zahl der Kunden von Flatex und Degiro auf vergleichbarer Basis bereits auf 1,16 Millionen und lag damit fast anderthalb Mal so hoch wie ein Jahr zuvor. Der Handel selbst legte noch stärker zu. In den ersten neun Monaten wickelten die Unternehmen auf ihren einzelnen Handelsplattformen fast 54 Millionen Transaktionen ab - knapp 134 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dazu trugen nicht nur die zusätzlichen Kunden bei. Aufs Gesamtjahr hochgerechnet, handelten die einzelnen Kunden im Schnitt fast doppelt so viel wie 2019.

Durch die Übernahme des vormaligen Konkurrenten Degiro hat sich Flatex nach eigenen Angaben zum größten Retail-Online-Broker gemausert. Im Oktober zog die Gesellschaft in das regulierte Marktsegment der Frankfurter Wertpapierbörse sowie in den Prime Standard ein. Der nächste Schritt ist bereits beschlossen: Kurz vor Weihnachten steigt der Broker in den SDax auf.

Flatex wurde 1999 von dem Unternehmer und Verleger Bernd Förtsch ("Der Aktionär") gegründet war 2009 an die Börse gegangen. Förtsch ist immer noch an dem Unternehmen beteiligt, das zwischenzeitlich mal Fintech Group hieß. Der Online-Broker machte neulich auch in der Sportwelt Schlagzeilen, da er Hauptsponsor beim Championsleague-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach wurde. Dort löst Flatexdegiro die Deutsche-Bank-Tochter Postbank ab - und will unter den Fußball-Fans weitere Kunden werben.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Wer vor vielen Jahren als Aktionär bei Flatex eingestiegen ist, konnte sich seither eine goldene Nase verdienen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Aktienkurs von gut vier Euro auf zuletzt rund 53 Euro. Wer seit fünf Jahren dabei ist, konnte seinen Einsatz mehr als verdreifachen, und seit Anfang 2020 steht noch ein Kurszuwachs von rund 117 Prozent zu Buche.

Allerdings hatten Anleger auch bei Flatex zwischendurch mehrere Durststrecken durchzustehen. Wer im Mai 2018 zum Zwischenhoch von 36 Euro zugeschlagen hat, musste mehr als zwei Jahre warten, bis er seine Papiere wieder mit Gewinn abstoßen konnte. Seitdem ging der Kurs allerdings erst richtig durch die Decke.

Inzwischen wird Flatexdegiro an der Börse mit fast 1,5 Milliarden Euro bewertet. Größter Anteilseigner ist mit knapp 13 Prozent weiterhin die GfBk Gesellschaft für Börsenkommunikation von Unternehmensgründer Förtsch - gefolgt von der Beteiligungsgesellschaft Heliad Equity Partners und dem Management. Fast 78 Prozent der Papiere befinden sich im Streubesitz.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Branchenexperten sind der Flatexdegiro-Aktie auch nach dem kräftigen Kursanstieg in der Corona-Krise weiterhin zugetan. Alle sieben von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Analysten empfehlen das Papier zum Kauf. Im Schnitt schreiben sie ihm ein Kursziel von knapp 62 Euro zu. Expertin Roberta De Luca von der US-Investmentbank Goldman Sachs erwartet, dass die Aktie nach der Aufnahme in den SDax zudem ein noch größeres Interesse der Anleger auf sich zieht.

Analyst Christoph Greulich von der Privatbank Berenberg bezeichnete 2020 als ein außergewöhnliches Jahr für Online-Broker. Sein Kursziel setzte er Anfang Dezember von 51 auf 67 Euro nach oben und hat damit die höchsten Erwartungen an die Aktie. Ähnlich optimistisch äußerte sich sein Kollege Marius Fuhrberg vom Analysehaus Warburg, der sein Kursziel am Freitag auf 66 Euro anhob. Mit der neuen Trading-App Next steige das Unternehmen auf die nächste Wachstumsstufe, schrieb er zur Begründung.

Auch Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies hatte dem Online-Broker im November ein außergewöhnlich starkes Wachstum bei allen wichtigen Kennzahlen attestiert. Sein Kursziel von 54 Euro - das niedrigste im dpa-AFX Analyser - hat die Aktie inzwischen allerdings an der Börse bereits erreicht.

Das höchste Kursziel kommt von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Deren Experte Frederik Jarchow hob sein Kursziel Anfang Dezember auf 70 Euro an. Er sieht nach der Integration von Degiro eine bessere Verhandlungsposition mit den Anbietern von Finanzprodukten. Das dürfte die Margen und Umsatz nach oben treiben.

Aus diesem Grund erhöhte er seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für die kommenden beiden Jahre. Vor allem für 2022 ist er deutlich optimistischer und rechnet jetzt mit einem Umsatz von knapp 363 Millionen Euro und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 156 Millionen Euro. Damit erhöhte er seine Schätzungen um 16 Prozent beziehungsweise 29 Prozent.

@ dpa.de