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LANXESS AG, DE0005470405

FRANKFURT - Der Kölner MDax -Konzern Lanxess treibt den Umbau zur Spezialchemie voran.

22.11.2019 - 08:31:24

LANXESS IM FOKUS: Spezialchemie stabilisiert in schwierigen Zeiten. Der Fokus auf profitablere Produkte abseits der Standardware soll auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für vergleichsweise stabile Geschäfte sorgen.

gewechselt, wo er ebenfalls die Finanzen verantwortete. Nach drei Jahren zog es den Manager zurück nach Köln: Er übernahm im April 2014 die Führung von Lanxess von Heitmann, dem damals Industriekreisen zufolge vorgehalten wurde, den Chemiekonzern nicht breit genug aufgestellt und zu einseitig auf das Auto- und Reifengeschäft gesetzt zu haben.

Zachert richtet Lanxess seither konsequent auf die Spezialchemie aus, die als weniger schwankungsanfällig gilt und höhere Gewinnmargen verspricht als das Geschäft mit Standardprodukten. Er brachte das stark von der Autoindustrie abhängige und daher sehr konjunkturanfällige Geschäft mit künstlichem Kautschuk 2016 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem weltgrößten Öl- und Energiekonzern Saudi Aramco ein. 2018 stieg Lanxess komplett aus dem Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo aus und verkaufte die verbliebenen 50 Prozent für rund 1,4 Milliarden Euro an den saudischen Partner.

Andere Bereiche wurden im Zuge der Neuausrichtung gestärkt. 2016 kauften die Kölner vom US-Chemiekonzern Chemours das Geschäft für Desinfektions- und Hygienelösungen. Seither kamen noch der Hersteller von Flammschutz- und Schmierstoffzusätzen Chemtura sowie das Geschäft mit Phosphor-Zusatzstoffen des Konkurrenten Solvay hinzu.

Aktuell baut Lanxess die Sparte Performance Chemicals um, die einmal Consumer Protection Chemicals heißen soll. Hierbei will das Unternehmen von weltweit immer strengeren Vorschriften profitieren und das lukrative Geschäft mit Desinfektionsmitteln ausbauen. Das schwächelnde Geschäft mit Chemikalien zur Lederverarbeitung wird im Gegenzug deutlich schrumpfen. So wurde im August ein Käufer für die Aktivitäten rund um Chromchemikalien gefunden, im November wurde dann auch eine Chromerzmine in Südafrika losgeschlagen.

In der Sparte Advanced Intermediates rund um chemische Zwischenprodukte für die Industrie will Lanxess nun das Geschäft mit sogenannten Organo-Metallen umbauen. Am Standort Bergkamen wird die Produktion von Organo-Metallen auf Aluminium-Basis ausgebaut. Das Geschäft mit den Stoffen, die als Katalysatoren bei der Herstellung von Kunststoffen eingesetzt werden, gilt als sehr profitabel und wachstumsstark. Im gleichen Zug wurden die wenig rentablen Aktivitäten rund um Organo-Metalle auf Zinn-Basis verkauft.

Operativ trägt der Konzernumbau der vergangenen Jahre Früchte. So bestätigte Lanxess trotz des tristen Konjunkturumfeldes bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal auch dank der Nachfrage nach Wasseraufbereitungstechnik, Flammschutzmitteln und Pharmawirkstoffen seine Jahresziele. Manager Zachert stellte für 2019 weiterhin ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,0 bis 1,05 Milliarden Euro in Aussicht nach 1,02 Milliarden im Jahr 2018.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Nachdem die Papiere in der zweiten Hälfte 2018 wegen Konjunktursorgen eingebrochen waren und im Gesamtjahr - ausgehend vom Rekordhoch im Januar bei 74,78 Euro - fast die Hälfte ihres Wertes verloren hatten, lief es 2019 deutlich besser. Im laufenden Jahr summiert sich der Gewinn der Aktien bereits auf mehr als 50 Prozent. Bis zum Rekordhoch fehlen inzwischen noch rund 23 Prozent.

Mit dem guten Lauf 2019 hängt Lanxess die Branche ab. So bringt es der Stoxx Europe 600 Chemicals bisher auf ein Kursplus von etwa 25 Prozent. Im MDax, dem die Aktie hierzulande angehört, zählt sie zu den Top 12 der insgesamt 60 dort gelisteten mittelgroßen Unternehmen. Beim Börsenwert liegen die Kölner mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 5,4 Milliarden Euro im Mittelfeld des Index.

Auf den bisher tiefsten Kurs waren die Papiere während der Weltfinanzkrise gesackt. 2008 ging es bis auf fast 10 Euro nach unten, nachdem die Bayer-Abspaltung Anfang 2005 mit 15,75 Prozent an der Börse gestartet war. Im Vergleich dazu hat sich der Wert der Papiere mittlerweile fast vervierfacht.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die meisten der 13 seit Mitte November von dpa-AFX erfassten Experten blicken mehr oder weniger neutral auf die Aktien. Drei raten indes zum Kauf und zwei zum Verkauf der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 62 Euro.

Größter Optimist ist Oliver Schwarz von Warburg Research. Ihm zufolge sorgt die durch den Konzernumbau verbesserte Aufstellung in wirtschaftlich unruhigen Zeiten für Stabilität. Zudem dürfte Lanxess vom starken Wachstum des Batteriemarktes profitieren, da es als einer der wichtigsten europäischen Anbieter von Ausgangsmaterialien für die Batterieherstellung gut positioniert sei. "Der aktuelle Aktienkurs scheint das Potenzial, profitables Wachstum aus dem bestehenden Portfolio zu generieren, nicht ausreichend widerzuspiegeln," argumentiert der Experte mit Blick auf sein Kursziel von 80 Euro und seine Kaufempfehlung.

Thorsten Strauß von der NordLB betont, dass Lanxess die schwächere Nachfrage der Automobilindustrie dank seiner breiten Aufstellung abfedern könne. Allerdings sei ein schneller Aufschwung nicht in Sicht, weshalb das Jahr 2020 schwierig werden dürfte. Vor diesem Hintergrund hält der Experte Kursrückschläge für wahrscheinlich: Bei einem Kursziel von 55 Euro stufte er die Aktien mit "Neutral" ein.

Für aktuell angemessen bewertet hält auch Georgina Iwamoto von Goldman Sachs die Aktien. Gerade durch den aktiven Konzernumbau hebe sich Lanxess von der breiten Masse ab. Sie traut dem Management zu, die hierfür gesteckten Ziele zu erreichen. Allerdings werde die Transformationsstory von Investoren schon angemessen beurteilt, während aktuell zusätzliche Kurstreiber fehlten.

@ dpa.de