Evonik, DE000EVNK013

AKTIE IM FOKUS 2: Evonik schwach nach Sorgen um den freien Barmittelfluss

07.11.2018 - 12:45:38

MÜNCHEN - Hohe Katastrophenschäden im Sommer haben den weltgrößten Rückversicherer Munich Re nicht aus der Bahn geworfen. Nach dem schweren Katastrophenjahr 2017 soll der Überschuss 2018 weiterhin auf 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro steigen. Und der scheidende Finanzvorstand Jörg Schneider bleibt zuversichtlich, die obere Hälfte der Spanne zu erreichen. Das liegt auch an der Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo. Angesichts möglicher weiterer Katastrophen warnte Schneider jedoch: "Es ist noch zu früh zum Feiern."

So sahen es offenbar auch die Anleger. Die Munich-Re-Aktie verlor bis zur Mittagszeit rund 0,47 Prozent auf 189,45 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Dax. Das dritte Quartal sei nur dank eines Einmaleffekts bei Ergo besser ausgefallen als erwartet, merkte Analyst Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet an.

Im dritten Quartal erzielte die Munich Re einen Gewinn von 483 Millionen Euro und damit mehr als von Experten erwartet. Taifun "Jebi" in Japan und Hurrikan "Florence" in den USA schlugen mit jeweils rund 300 Millionen Euro zu Buche. Der Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua kam den Konzern mit einem Anteil von 20 Millionen Euro vergleichsweise günstig zu stehen. Ein Jahr zuvor hatten eine Hurrikan-Serie in den USA und zwei Erdbeben in Mexiko den Münchnern einen Quartalsverlust von 1,4 Milliarden Euro eingebrockt.

Auch diesmal reichten die Prämien in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote blieb mit 100,7 Prozent über der kritischen 100-Prozent-Marke. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hatte sich in diesem Sommer auch insgesamt nur knapp in der Gewinnzone gehalten.

Dabei ist die Welle von Naturkatastrophen für 2018 noch nicht vorüber. Die Munich Re rechnet für das vierte Quartal wegen Hurrikan "Michael" in den USA und Taifun "Trami" in Japan mit weiteren Belastungen von insgesamt 350 Millionen Euro.

Dass der Vorstand an seinem Gewinnziel festhält, liegt auch an dem langjährigen Sorgenkind des Konzerns, dem Düsseldorfer Erstversicherer Ergo. Dieser soll 2018 statt 250 bis 300 Millionen Euro jetzt mindestens 350 Millionen Euro verdienen. Grund dafür ist ein Einmaleffekt bei den Rückstellungen in der klassischen Lebensversicherung. Die Versicherten sollen jetzt weniger vom Gewinn abbekommen als in den vergangenen Jahren, als der Konzern laut Schneider zurückgesteckt hatte.

Durch die Umstellung sprang der Ergo-Gewinn im dritten Quartal von 29 Millionen auf 173 Millionen Euro nach oben. Allerdings rechnet Schneider damit, dass das Düsseldorfer Unternehmen im Zuge seiner Sanierung in den kommenden Jahren immer mehr zum Konzerngewinn beiträgt.

Derweil können die Kunden in der Lebens- und Rentenversicherung hoffen, dass sich der jahrelange Sinkflug der Überschussbeteiligungen in Kürze abschwächt. Erleichterung verspricht eine Änderung bei der Zinszusatzreserve (ZZR), mit der die Lebensversicherer seit 2011 die hohen Zinsgarantien von bis zu vier Prozent für alte Verträge absichern müssen.

Nach der neuen Berechnungsweise, die die Bundesregierung kürzlich beschlossen hat, müsse Ergo im laufenden Jahr statt einer Milliarde Euro schätzungsweise nur ein Viertel der Summe in die ZZR zuführen, sagte Schneider. Für die Versicherten sei dies gut, weil das Unternehmen für die ZZR-Aufstockung notgedrungen hochverzinste Anleihen verkaufen musste, deren Zinsen bei den laufenden Einnahmen danach fehlten.

Zu der Überschussbeteiligung, die Ergo den Kunden demnächst für 2019 zusagt, wollte sich Schneider jedoch nicht genauer äußern. Der Chefaktuar des Lebensversicherungs-Aufkäufers Policen Direkt, Henning Kühl, geht allerdings davon aus, dass sich der Sinkflug der Überschüsse bei deutschen Lebens- und Rentenversicherungen auch dank der Erleichterungen bei der ZZR deutlich abschwächt.

Schneider selbst wird dies bald von außen beobachten: Nach 18 Jahren im Vorstand geht der Manager zum Jahreswechsel auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzchef der Ergo, Christoph Jurecka.

@ dpa.de