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Aktienmärkte, Anleger

Weitere negative Nachrichten heizen die Verkäufe an

03.10.2019 - 08:36:58

In der vorgestrigen Börse-Intern war zu lesen, dass die US-Regierung Medienberichten zufolge Kapitalströme nach China erschweren will. Doch während es sich hierbei bislang scheinbar nur um Überlegungen handelt, ist der US-Börsenbetreiber Nasdaq bereits aktiv geworden.

Setzt die Nasdaq bereits die Pläne der US-Regierung um?

Laut einer offiziellen Meldung der zweitgrößten US-Börse nach der New York Stock Exchange werden einerseits die Vorschriften für geplante Börsengänge und die Anforderungen an das durchschnittliche Handelsvolumen verschärft. Andererseits will die Nasdaq eine Börsenzulassung hinausschieben, wenn die Unternehmen keine ausreichende Verbindung zu amerikanischen Kapitalmärkten nachweisen können – etwa in Form von amerikanischen Aktionären oder einer geschäftlichen Präsenz in den Vereinigten Staaten.

Angeblich hat die Nasdaq derartige Pläne schon seit einem Jahr verfolgt, weil sie sich schon seit längerem vor allem an den geringen Handelsumsätzen kleiner Firmen nach dem Börsengang stört. Dabei sind laut Reuters insbesondere die Umsätze mit den Aktien der meisten chinesischen Unternehmen niedrig, da sich deren Papiere in den Händen von nur wenigen Investoren befinden. Die dadurch geringe Liquidität mache sie unattraktiv für viele institutionelle Anleger, so Reuters. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 19 chinesische Firmen an die Nasdaq gegangen. Und laut den Angaben der US-Regierung waren zuletzt mehr als 150 chinesische Firmen an den US-Börsen notiert.

Neue Börsenregeln könnten die anstehenden Handelsgespräche vergiften

Die Änderungen der Nasdaq seien nicht mit der US-Regierung abgesprochen, hieß es. Ob die chinesische Regierung dem aber Glauben schenkt, muss abgewartet werden. Die Pläne der Börsenbetreiber könnten die kommenden Gespräche zum Handelskonflikt vergiften, denn auch die New York Stock Exchange soll derzeit die Börsengänge und die Notierungen chinesischer Unternehmen prüfen. Das sind also keine guten Nachrichten für die Märkte.

Weitere schwache Wirtschaftsdaten aus den USA

Gleiches gilt für die Meldung, dass sich neben dem ISM-Index vorgestern auch die US-Bauausgaben schwach zeigten. Sie zogen im August nur noch um 0,1 % an, während von Reuters befragte Ökonomen mit einem deutlich stärkeren Anstieg von 0,4 % gerechnet hatten. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass auch die US-Verbraucher ihren Konsum zuletzt kaum mehr gesteigert hatten. Und das ist die eigentlich schlechte Nachricht.

Denn diese passt zum Rückgang des vom Conference Board ermittelten Verbrauchervertrauens (siehe „Erste Anzeichen für eine Herbstkorrektur“). Denn während die US-Industrie nur rund 12 % der Wirtschaftsleistung ausmacht und der ISM-Index allein somit noch kein Grund zur Panik ist, entfallen auf die Ausgaben der US-Konsumenten rund 70 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Und wenn die Verbraucher nun aufgrund der herrschenden Unsicherheiten ihre Konsumlust verlieren und ihre Schäfchen lieber im Trockenen behalten, könnte die US-Wirtschaft ernsthafte Probleme bekommen.

Riskiert Boris Johnson den Gesetzesverstoß?

Aus den USA gibt es also derzeit genügend schlechte Nachrichten, welche die gestern fortgesetzten Kursverluste an den Aktienmärkten begründen können. Aber auch für die Börsen negative Meldungen aus Europa heizen die Verkäufe an. So hat der britische Premierminister Boris Johnson gestern angekündigt, der Europäischen Union im Brexit-Streit seinen letzten Einigungsvorschlag zu unterbreiten. Sollte die EU darauf nicht eingehen, werde Großbritannien keine weiteren Verhandlungen führen, so Johnsons in seiner Abschlussrede auf dem Parteitag der Konservativen.

Da die aktuell vorgeschlagene Brexit-Übergangsregelung für Nordirland in der Europäischen Union laut Medienberichten auf Ablehnung stößt und die EU daher wohl nicht auf die aktuellen Forderungen eingehen wird, will Johnson den Brexit am 31. Oktober ohne Abkommen vollziehen, obwohl das britische Unterhaus ein Gesetz gegen einen ungeregelten Ausstieg beschlossen hat.

Die Aktienmärkte hätten eigentlich schon längst viel tiefer stehen müssen

All diese Themen sind aber eigentlich nicht neu. Dass den warmen Worten, die eine Einigung im Handelsstreit erhoffen ließen, bislang stets eine weitere Eskalation des Konflikts folgte, hatten Torsten Ewert und ich hier bereits geschrieben. Auch über die sich zunehmend eintrübenden Konjunkturdaten war in der Börse-Intern kontinuierlich zu lesen. Und dass Boris Johnson plötzlich einknickt, war wohl kaum zu erwarten. Daher stellt sich mir eigentlich nur die Frage, warum die Aktienmärkte nicht schon längst wieder deutlich tiefer stehen.

Inflation in der Eurozone fällt erneut schwächer aus

Begründet wurde dies vielfach mit der wieder zunehmend billigen Notenbankliquidität. Doch warum haben die Märkte dann vorgestern nicht bullish auf die aktuellen Inflationsdaten aus der Eurozone reagiert? Schließlich ist die jährliche Inflation im September auf 0,9 % (August: 1,0 %) und damit auf den tiefsten Stand seit 2016 gesunken. Das EZB-Ziel wird immer weiter verfehlt und daher sollten Zinssenkungserwartungen den Markt eigentlich weiter antreiben.

Entwicklung der Inflation in der Eurozone

Doch vielleicht haben die Anleger stärker auf die für die Notenbanken wichtigere Kernrate geschaut, die von 0,9 % im August auf nun 1,0 % zugelegt hat. Zudem hat die EZB ja jüngst auch erst neue Maßnahmen beschlossen, die zum Teil noch in Kraft getreten sind und daher erst in der Zukunft ihre Wirkung entfalten.

Börsen sind stark stimmungsgetrieben

Aber vielleicht waren die Anleger auch einfach nur von der zuletzt sehr geringen Volatilität eingelullt. Wie ich am vergangenen Freitag schrieb, bewegte sich der DAX „schon seit drei Wochen in einer Range von gerade einmal rund 350 Punkten bzw. 3 %“. Und der S&P 500 brachte es „in derselben Zeit sogar nur auf 2,3 %“. Möglicherweise hat es lediglich einen ersten Abwärtsimpuls benötigt, um die Verkäufer aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Die Börse ist eben stark stimmungsgetrieben. Und die meisten Anleger verhalten sich prozyklisch.

DAX radiert die Gewinne eines Monats aus

Der DAX hat nun jedenfalls binnen zwei Tagen die Gewinne eines ganzen Monats ausradiert (siehe rote Ellipse im Chart). Die Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten kann zwar noch Schlimmeres verhindern, ich gehe aber nicht davon aus, dass ein Rückfall in den Bereich der SKS-ähnlichen Formation lange verhindert werden kann.

DAX - kurzfristige Target-Trend-Analyse

Und so scheint sich die Saisonalität doch noch wie von mir erwartet durchsetzen zu können. Der DAX könnte nun durchaus noch bis an das Tief vom August fallen. Und an dieser Unterstützung könnte sich dann das untere Ende einer Seitwärtsrange etablieren, so wie sie nach dem saisonalen Muster in US-Vorwahljahren zu erwarten ist. Mal sehen, wo der DAX nach dem heutigen Feiertag in den Handel geht. Darüber werde ich dann am Freitag berichten. Dann lassen sich vielleicht auch schon die weiteren Aussichten konkretisieren.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feiertag
Ihr
Sven Weisenhaus

 (Quelle: www.stockstreet.de)

@ ad-hoc-news.de