USA, Ukraine

Wolodymyr Selenskyj wird bei einer Rede vor dem US-Kongress vom Publikum umjubelt.

22.12.2022 - 05:07:27

Selenskyj dankt Amerikanern im Kongress. Doch der ukrainische Präsident warnt den Verbündeten auch und pocht auf weitere Unterstützung.

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und US-Präsident Joe Biden bei einer Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses in Washington. - Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

    Andrew Harnik/AP/dpa

  • US-Vizepräsidentin Kamala Harris (oben l) und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, applaudieren für Selenskyj. - Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

    Carolyn Kaster/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und US-Präsident Joe Biden bei einer Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses in Washington. - Foto: Andrew Harnik/AP/dpaUS-Vizepräsidentin Kamala Harris (oben l) und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, applaudieren für Selenskyj. - Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Mit einer eindrucksvollen Rede vor dem US-Kongress hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unter dem Jubel der Abgeordneten den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg gedankt.

«Trotz aller Widrigkeiten und Untergangsszenarien ist die Ukraine nicht gefallen. Die Ukraine ist gesund und munter», sagte Selenskyj vor den beiden Kammern des Parlaments in der US-Hauptstadt Washington bei seiner ersten offiziellen Auslandsreise in Kriegszeiten. Immer wieder flammte in den Reihen Applaus auf. Der Ukrainer betonte die historische Bedeutung des Verteidigungskampfes für die Demokratie. Er machte aber deutlich, dass es für einen Sieg seines Landes weitere schwere Waffen brauche.

Selenskyj fordert Panzer und Flugzeuge von den USA

Die USA sind der wichtigste Verbündete der Ukraine bei der Verteidigung gegen Moskau. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden hat die US-Regierung Kiew Militärhilfe in Höhe von knapp 22 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Es verwunderte daher nicht, dass Selenskyj sich für seine erste Auslandsreise seit Beginn des Krieges Washington ausgesucht hat. Biden nutzte das Treffen, um Kiew die Lieferung des Patriot-Flugabwehrsystems zuzusagen. Das Luftverteidigungssystem dürfte Russlands Angriffe mit Raketen und Drohnen auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine erschweren.

Der ukrainische Präsident betonte vor den Demokraten und Republikanern im Kongress, dass die Militärhilfe nicht abreißen dürfe. «Die Ukraine hat die amerikanischen Soldaten nie gebeten, an unserer Stelle auf unserem Land zu kämpfen. Ich versichere Ihnen, dass ukrainische Soldaten amerikanische Panzer und Flugzeuge perfekt selbst bedienen können», sagte er. Aber die bislang gelieferte Artillerie reiche nicht aus. «Ihr Geld ist keine Wohltätigkeit, es ist eine Investition in die globale Sicherheit und Demokratie, mit der wir auf höchst verantwortungsvolle Weise umgehen», versicherte er. Die Republikaner hatten zuletzt angedeutet, bei den Ukraine-Hilfen auf die Bremse treten zu wollen.

Demokratie steht auf dem Spiel

Selenskyj machte klar, dass es bei dem Krieg gegen die Ukraine nicht nur um das Schicksal der Ukrainer gehe. «Der Kampf wird definieren, in welcher Welt, unsere Kinder und Enkelkinder leben werden, und dann ihre Kinder und Enkelkinder», warnte er. Ein russischer Angriff gegen Verbündete sei nur eine Frage der Zeit. Die Welt sei zu sehr vernetzt, als dass sich irgendjemand sicher fühlen könne, wenn der russische Angriff weiterginge. «Ukrainischer Mut und amerikanische Entschlossenheit» müssten die Zukunft der Freiheit garantieren.

Der ukrainische Präsident fand in seiner Rede immer wieder eindringliche Worte und betonte das Durchhaltevermögen seiner Landsleute. Die Ukrainer hätten keine Angst - und niemand auf der Welt sollte sie haben, sagte er. «Sie haben viel mehr Raketen und Flugzeuge als wir je hatten, das stimmt, aber unsere Verteidigungskräfte stehen.» Die Ukraine werde niemals kapitulieren.

Auch im Weißen Haus war der 44-Jährige vor seinem Auftritt im Kongress feierlich empfangen worden. Biden und seine Ehefrau Jill begrüßten Selenskyj mit rotem Teppich vor dem Weißen Haus. Biden und sein Kollege sprachen anschließend rund zwei Stunden im Oval Office miteinander. Der US-Präsident machte weitere finanzielle, militärische und humanitäre Hilfszusagen und sicherte Selenskyj den größtmöglichen Beistand der USA zu, «solange es nötig ist».

Symbolische Geschenke von beiden Seiten

Auch wenn die Zusage für die Patriot-Batterie wohl das größte Geschenk für den Ukrainer bei seiner US-Reise gewesen sein dürfte, wurden noch weitere Präsente verteilt. Selenskyj gab Biden als Dank für die Unterstützung der USA die Medaille eines ukrainischen Soldaten. «Unverdient, aber sehr geschätzt», sagte Biden. Er revanchierte sich laut dem Weißen Haus ebenfalls mit zwei Medaillen - eine für den ukrainischen Soldaten und eine für Selenskyj.

Im US-Kongress übergab die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, Selenskyj eine US-Flagge, die auf dem Kapitol in Washington geweht hatte. Auch Selenskyj kam nicht mit leeren Händen: Er überreichte Pelosi eine Flagge aus der ostukrainischen Frontstadt Bachmut. Die Geschenke symbolisierten die tiefe Verbundenheit der beiden Länder im Widerstand gegen Russland.

Ein internationaler Friedensgipfel?

Selenskyj schlug in Washington einen globalen Friedensgipfel vor, bei dem es um die Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit der Ukraine und die internationale Ordnung gehen müsse. Bis zu einer Friedenslösung diene jeder Dollar an US-Hilfe für die Ukraine auch der globalen Sicherheit. Biden machte deutlich, dass die Ukraine mit Hilfe der USA in Friedensverhandlungen erfolgreich sein könne, weil sie auf dem Schlachtfeld gewonnen werde. Bei der Entscheidung über den Zeitpunkt solcher Gespräche werde er Selenskyj freie Hand lassen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

ISW: Russische Großoffensive in Luhansk wahrscheinlich. Das US-Institut für Kriegstudien zieht daraus konkrete Schlüsse. Russland zieht Streitkräfte in der Region Luhansk zusammen, in anderen Gebieten werden wiederum kaum Angriffe registriert. (Ausland, 26.01.2023 - 15:17) weiterlesen...

Scholz und Biden schmieden Panzer-Allianz für die Ukraine. Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Und die USA sind mit im Boot. Es hat eine Weile gedauert, aber nun werden sie im großen Stil in die Ukraine geliefert: Kampfpanzer westlicher Bauart. (Ausland, 25.01.2023 - 19:16) weiterlesen...

Biden kündigt Lieferung von Abrams-Kampfpanzern an Ukraine an US-Präsident Joe Biden hat am Mittwoch die Lieferung von 31 Abrams-Kampfpanzern an die Ukraine angekündigt. (Ausland, 25.01.2023 - 18:53) weiterlesen...

USA liefern der Ukraine Abrams-Kampfpanzer. Nun hat auch die US-Regierung ihre Haltung beim Thema Kampfpanzer überdacht - dabei hatte sie eigentlich große Vorbehalte. Die Bundesregierung schickt Leopard-Panzer in die Ukraine. (Politik, 25.01.2023 - 18:01) weiterlesen...

Faktencheck: Clips im Netz zeigen keine Lieferung an Ukraine. Videos im Netz sollen sie bereits auf dem Weg zeigen. Doch stimmt das? Ein Faktencheck. Gerade erst ist die Entscheidung der Bundesregierung für die Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine gefallen. (Politik, 25.01.2023 - 16:20) weiterlesen...

USA wollen offenbar Abrams-Panzer an die Ukraine liefern. US-Medien zufolge könnten nun aber 30 bis 50 Panzer zugesagt werden. Die USA hatten bisher betont, eine Lieferung von Abrams-Panzern an die Ukraine aus praktischen Gründen nicht für sinnvoll zu halten. (Ausland, 25.01.2023 - 01:14) weiterlesen...