Energiekrise, Israel

Wie soll das Gas, das bislang aus Russland nach Europa kam, ersetzt werden? Israels Regierungschef bringt sein Land ins Spiel - und verweist auch auf erneuerbare Energien.

12.09.2022 - 14:38:59

Lapid: Können zehn Prozent des russischen Gases ersetzen

Israel will nach Worten des Regierungschefs Jair Lapid zur Linderung der Energiekrise in Europa beitragen. «Wir können vielleicht Gasexporte nach Europa erhöhen, hoffentlich wird das nächstes Jahr möglich sein», sagte Lapid am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin.

Israel und Ägypten hatten im Juni in Kairo im Beisein von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Absichtserklärung über die Lieferung von verflüssigtem Gas nach Europa unterzeichnet. Israel soll demnach Gas ins benachbarte Ägypten liefern, das dort verflüssigt und mit Tankern nach Europa exportiert werden soll.

Lapid sprach von einem «Teil der Bemühungen, russische Gaslieferungen nach Europa zu ersetzen». Israel könne aktuell etwa zehn Prozent des russischen Gases ersetzen. Außerdem habe Israel den Vorteil vieler Start-ups im Bereich der erneuerbaren Energien, sagte der Ministerpräsident.

Lob für Bundeskanzler Scholz

Lapid lobte bei seinem Besuch in Deutschland auch Scholz' Verhalten nach Holocaust-Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gelobt. Es sei offensichtlich gewesen, dass Scholz von den Äußerungen überrascht worden sei, sagte Lapid am Montag nach einem Treffen mit Scholz in Berlin. «Ich habe dem Bundeskanzler gedankt, dass er danach reagiert hat auf das, was Abbas gesagt hat.» Lapid fügte an: «Wir schätzen, dass er das so eindeutig gesagt hat.»

Abbas hatte Israel im vergangenen Monat bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Scholz einen vielfachen «Holocaust» an den Palästinensern vorgeworfen und damit Empörung ausgelöst. Er hatte gesagt: «Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen. 50 Massaker, 50 Holocausts.» Der Kanzler erwiderte in der Pressekonferenz nichts darauf und distanzierte sich erst später deutlich. Das wurde von vielen als zu spät kritisiert.

Scholz sagte am Montag: «Das ist ganz klar, dass wir die palästinensische Seite auffordern, dass sie den Weg freimacht für eine demokratische Entwicklung und eine gute Entwicklung, die eine Zwei-Staaten-Lösung überhaupt eröffnet.» Deshalb sei es zentral, dass solche Äußerungen nicht mehr gemacht werden. Darauf werde man weiter bestehen. Jede Relativierung des Holocaust sei inakzeptabel und man werde sie nicht hinnehmen. «Sie ist auch ein Verbrechen gegenüber den Opfern der Schoah, die so viel Leid erfahren haben.»

«Was Präsident Abbas gesagt hat, war abscheulich, war respektlos und schrecklich, einfach nur furchtbar», sagte Lapid. «Der Holocaust kann mit nichts verglichen werden.» Er sei besorgt, dass diese Ausdrucksweise sich nicht nur in Abbas' Äußerungen in Deutschland finde, sondern auch in palästinensischen Schulbüchern. «Dieses schreckliche Schüren von Hass wird den Kindern beigebracht», sagte Lapid. «Das muss die zivilisierte Welt angehen.»

@ dpa.de