China, Taiwan

Von Deeskalation keine Spur: Eigentlich sollten Chinas Manöver um Taiwan am Sonntag enden, doch die Volksbefreiungsarmee lässt die Übungen weiterlaufen - und erhöht den Druck auf die USA und Taiwan.

08.08.2022 - 07:15:04

China setzt Manöver um Taiwan überraschend fort

Überraschend hat China seine Manöver um Taiwan am Montag fortgesetzt. Ungeachtet seiner anfänglichen Ankündigung, dass die Militärübungen nur bis Sonntag laufen sollten, dauerten die «Kampfübungen» in der Luft und See der Meerenge der Taiwanstraße an, wie das Staatsfernsehen berichtete. Die Volksbefreiungsarmee habe sich dabei auf «gemeinsame Einsätze gegen Unterseeboote und zum Angriff auf See konzentriert».

Bei der Ankündigung der Manöver am vergangenen Dienstag hatte die chinesische Führung ursprünglich einen Abschluss am Sonntag in Aussicht gestellt. Bisher wurde allerdings kein formelles Ende mitgeteilt worden. Einige chinesische Kommentatoren hatten vielmehr geäußert, dass die Militärübungen regelmäßig stattfinden und eine neue Normalität werden könnten.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qian, bezeichnete die Manöver am Montag als «notwendige Warnung» an die USA und Taiwan. Es sei eine «angemessene» Reaktion auf deren «Provokationen». Die Spannungen seien «bewusst» von den USA geschaffen worden, indem die Vorsitzende des amerikanischen Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gegen den Widerstand aus Peking nach Taipeh gereist sei.

China übt Eroberung

Die chinesische Führung lehnt solche offiziellen Kontakte anderer Länder zu Taipeh ab, weil es die Insel nur als Teil der Volksrepublik ansieht. Hingegen versteht sich Taiwan längst als unabhängig. Mit den Manövern übte die Volksbefreiungsarmee nicht nur eine See- und Luftblockade, sondern auch eine mögliche Eroberung der Insel.

Taiwans Militär berichtete, dass chinesische Flugzeuge allein am Sonntag 66 Einsätze geflogen hätten. Dabei hätten 22 Flugzeuge die inoffizielle, aber bisher meist respektierte Mittellinie der Taiwanstraße überquert. Auch hätten 14 Kriegsschiffe in der Meerenge an den Manövern teilgenommen. Taiwans Streitkräfte hätten die Bewegungen eng verfolgt und über Funk auch Warnungen ausgesprochen.

Über der vorgelagerten taiwanischen Insel Kinmen (Quemoy), die nur zwei Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegt, sei am Sonntagabend auch wieder eine chinesische Drohne entdeckt worden, berichtete das Verteidigungsministerium in Taipeh. Seit den 50er Jahren hatte es keinen chinesischen Überflug der Insel mehr gegeben.

In anderen Seegebieten im Norden im Golf von Bohai und im Gelben Meer sowie im Süden im Südchinesischen Meer vor der Küste der Provinz Guangdong sind diese Woche auch weitere Manöver geplant.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Konflikt mit China - EU-Abgeordnete wollen Beziehungen zu Taiwan vertiefen. Für die EU sei Taiwan geo-ökonomisch wichtig, argumentieren sie. Schlagwort: Halbleiter. Die Parlamentarier dringen auf ein Investitionsabkommen mit dem Land, das von China massiv unter Druck gesetzt wird. (Wirtschaft, 21.09.2022 - 16:26) weiterlesen...

EU-Abgeordnete wollen Beziehungen zu Taiwan vertiefen. Für die EU sei Taiwan geo-ökonomisch wichtig, argumentieren sie. Schlagwort: Halbleiter. Die Parlamentarier dringen auf ein Investitionsabkommen mit dem Land, das von China massiv unter Druck gesetzt wird. (Wirtschaft, 21.09.2022 - 16:23) weiterlesen...

Biden will Taiwan bei Angriff mit US-Truppen verteidigen. Peking ist verärgert. US-Präsident Biden geht weiter als seine Vorgänger: Er sichert zu, dem demokratischen Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs auch mit US-Truppen zur Hilfe kommen zu wollen. (Ausland, 19.09.2022 - 11:11) weiterlesen...

Biden will Taiwan bei Angriff durch China mit US-Truppen verteidigen. "Ja, wenn es tatsächlich zu einem noch nie da gewesenen Angriff käme", sagte Biden in einem am Sonntagabend ausgestrahlten CBS-Interview auf die Frage: "Würden die US-Streitkräfte die Insel verteidigen?" Auf seine Beistandserklärung reagierte Peking am Montag empört, während ihm Taiwan dankte. WASHINGTON/PEKING/TAIPEH - US-Präsident Joe Biden hat Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs militärische Unterstützung auch durch US-Truppen zugesichert und damit große Verärgerung in Peking ausgelöst. (Wirtschaft, 19.09.2022 - 11:10) weiterlesen...

China verärgert über Bidens Beistandserklärung für Taiwan. Die Äußerungen seien ein "schwerer Verstoß" gegen den "Ein-China-Grundsatz" und die Verpflichtungen, die die USA gegenüber Peking eingegangen seien, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning am Montag vor der Presse in Peking. Die US-Seite schicke "das völlig falsche Signal" an die Unabhängigkeitskräfte in Taiwan. PEKING - Chinas Regierung hat schwer verärgert auf die Beistandszusicherung von US-Präsident Joe Biden für Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs reagiert. (Wirtschaft, 19.09.2022 - 10:32) weiterlesen...

China verärgert über Bidens Beistandserklärung für Taiwan. Doch auch anderswo schwelen Konflikte: China droht mit einer Eroberung Taiwans. Wie würden die USA im Angriffsfall reagieren? Biden antwortet klar. China ist verärgert. Die USA helfen der Ukraine mit Geld und Waffen. (Ausland, 19.09.2022 - 10:20) weiterlesen...