Kiew, Explosion

Viele Menschen in der ukrainischen Hauptstadt sind gerade auf dem Weg zur Arbeit, als die russischen Raketen einschlagen.

10.10.2022 - 12:39:02

Russland feuert Raketen auf die Ukraine - Tote und Verletzte. Luftalarm wird ausgelöst. Der Krieg ist zurück in Kiew.

  • Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko warnt vor weiteren Raketenangriffen. - Foto: Beata Zawrzel/ZUMA Press Wire/dpa

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  • Rettungskräfte im Einsatz. - Foto: Adam Schreck/AP/dpa

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  • Nach Explosionen im Zentrum von Kiew sind die Rettungskräfte vor Ort. - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

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  • Nach Raketenangriffen steigt schwarzer Rauch über Kiew auf. - Foto: ---/ukrin/dpa

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Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko warnt vor weiteren Raketenangriffen. - Foto: Beata Zawrzel/ZUMA Press Wire/dpaRettungskräfte im Einsatz. - Foto: Adam Schreck/AP/dpaNach Explosionen im Zentrum von Kiew sind die Rettungskräfte vor Ort. - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpaNach Raketenangriffen steigt schwarzer Rauch über Kiew auf. - Foto: ---/ukrin/dpa

Russland hat mehr als sechs Dutzend Raketen auf Kiew und andere Städte in der Ukraine gefeuert. Die Angriffe am Montagmorgen töteten allein in der Hauptstadt mindestens neun Menschen, mindestens 36 wurden verletzt, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die Rettungsdienste mitteilten. Viele Menschen waren gerade auf dem Weg zu Arbeit.

Kremlchef Wladimir Putin nannte den Angriff eine Reaktion auf die «Terroranschläge» gegen russisches Gebiet. Es seien Objekte der Energieinfrastruktur, der militärischen Steuerung und des Fernmeldewesens mit Hochpräzisionswaffen beschossen worden, sagte Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Die Schläge seien vom Meer, aus der Luft und vom Boden aus erfolgt. 

Zugleich drohte der russische Präsident Kiew mit noch härterem Vorgehen. «Für den Fall einer Fortsetzung der Versuche, auf unserem Gebiet Terroranschläge auszuführen, werden die Antworten von russischer Seite hart ausfallen - und in ihrem Ausmaß dem Niveau der Bedrohung für die Russische Föderation entsprechen», sagte Putin. «Daran sollte niemand irgendwelche Zweifel haben.»

Russland feuert 83 Raketen ab

In Kiew schlugen die Geschosse laut Bürgermeister Witali Klitschko im Zentrum ein. In fast allen Landesteilen gab es Luftalarm. Die Strom- und Wasserversorgung brach mancherorts zusammen. Insgesamt habe Russland 83 Raketen abgefeuert, davon seien 43 abgefangen worden, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit.

Auch die Visa-Stelle der deutschen Botschaft wurde getroffen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte Beschädigungen an dem Gebäude. Es gebe aber dort seit Monaten «keinen Dienstbetrieb». Nach mehr als fünfeinhalb Stunden wurde der Luftalarm in Kiew aufgehoben.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat Kiew schnelle Hilfe bei der Luftverteidigung versprochen. «Wir tun alles, um die ukrainische Luftverteidigung schnell zu verstärken», schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter. Sie sprach mit Blick auf das russische Raketenfeuer von Menschen in Todesangst im Kiewer Morgenverkehr und einem Einschlagskrater neben einem Spielplatz und sagte: «Es ist niederträchtig und durch nichts zu rechtfertigen, dass Putin Großstädte und Zivilisten mit Raketen beschießt.»

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte zuvor ihre vor eineinhalb Wochen in Odessa gemachte Ankündigung bekräftigt: «In den nächsten Tagen steht das erste von vier hochmodernen Iris-T SLM Luftverteidigungssystemen zum wirksamen Schutz für die Menschen in der Ukraine bereit.»

Putin ordnete die Raketenangriffe an, nachdem am Samstag eine Explosion die 19 Kilometer lange Brücke erschüttert hatte, die Russland und die 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verbindet. Russland macht den ukrainischen Geheimdienst SBU für die Explosion verantwortlich.

Bestätigt hat der ukrainische Geheimdienst SBU eine Beteiligung nicht. Die SBU-Zentrale liegt im Zentrum Kiews. Moskau hatte wiederholt gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt zu beschießen, wenn der Beschuss russischen Gebiets nicht aufhöre.

Dmytro Kuleba: «Putin ist verzweifelt»

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba wies dies scharf zurück. «Nein, Putin wurde nicht von der Krim-Brücke zum Raketenterror 'provoziert'», teilte er per Twitter mit. «Russland hatte die Ukraine auch vor der Brücke ständig mit Raketen getroffen. Putin ist verzweifelt wegen der Niederlagen auf dem Schlachtfeld und versucht mit Raketenterror, das Kriegstempo zu seinen Gunsten zu ändern.»

Die Brücke zur Krim ist als Nachschubroute für den russischen Angriff wichtig. Das Bauwerk hat zudem einen hohen symbolischen Wert für die Führung in Moskau. Putin hatte den Angriff auf die Ukraine am 24. Februar befohlen. Der Krieg dauert nun bald acht Monate.

Die Raketenschläge sind nach russischen Angaben Teil der Kriegsführung. «Das alles geschieht im Rahmen der militärischen Spezialoperation», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Scholz telefoniert mit Selenskyj

Kanzler Olaf Scholz (SPD) telefonierte nach dem Angriff mit Selenskyj und sicherte die Solidarität Deutschlands und der anderen G7-Staaten zu. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, die G7-Staaten wollen am Dienstag in einer Videoschalte mit Selenskyj beraten.

«Die beste Antwort auf den russischen Raketenterror ist die Lieferung von Flugabwehr- und Raketenabwehrsystemen an die Ukraine», betonte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow. Russland halte Raketenangriffe für ein wirksames Mittel zur Einschüchterung. Das seien sie nicht. «Sie sind Kriegsverbrechen.»

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sich entsetzt über die jüngsten russischen Angriffe auf zahlreiche Städte in der Ukraine gezeigt. «Putins Russland hat der Welt erneut gezeigt, wofür es steht: Brutalität und Terror», schrieb die deutsche Politikerin auf Twitter. Sie wisse, dass die Ukrainer stark bleiben würden, ergänzte sie.

Von der Leyen bekräftigte, dass man der Ukraine so lange zur Seite stehen werde, wie dies nötig sei. «Mit allen Mitteln, die wir haben.» Zudem drückte sie in einer Videobotschaft, die in Narwa in Estland nahe der russischen Grenze aufgezeichnet wurde, ihr Mitgefühl für die Opfer der Angriffe aus.

@ dpa.de