Frauen, Frauenrechte

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 schränken die radikalislamischen Taliban die Rechte von Frauen in Afghanistan massiv ein.

25.12.2022 - 05:05:36

Taliban fordern Suspendierung von NGO-Mitarbeiterinnen. Nun sollen Mitarbeiterinnen von NGOs von ihrer Arbeit suspendiert werden.

  • Sie lassen sich nicht einschüchtern: Erneut sind in Afghanistan Frauen gegen das Hochschulverbot der Taliban auf die Straße gegangen. (Bild eines Protests in Kabul in der vergangenen Woche) - Foto: Uncredited/AP/dpa

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  • Frauen in Kabul. - Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

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Sie lassen sich nicht einschüchtern: Erneut sind in Afghanistan Frauen gegen das Hochschulverbot der Taliban auf die Straße gegangen. (Bild eines Protests in Kabul in der vergangenen Woche) - Foto: Uncredited/AP/dpaFrauen in Kabul. - Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Ein Arbeitsverbot für Frauen bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Afghanistan hat international Besorgnis ausgelöst. UN-Generalsekretär António Guterres sei «zutiefst beunruhigt» über die angebliche Anordnung der radikalislamischen Taliban, teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric gestern in New York mit.

«Diese Entscheidung wird die Arbeit zahlreicher Organisationen untergraben, die im ganzen Land den Schwächsten helfen, vor allem Frauen und Mädchen.» Die Vereinten Nationen und ihre Partner, einschließlich nationaler und internationaler NGOs, unterstützten derzeit mehr als 28 Millionen Afghanen, die für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhingen.

Der UN-Generalsekretär betone erneut das Recht aller Frauen, Teil der berufstätigen Bevölkerung zu sein und so zum Gemeinwohl beizutragen, so der Sprecher weiter.

Auch Außenministerin Annalena Baerbock hat scharf die Aufforderung der Taliban kritisiert. «Wir werden nicht akzeptieren, dass die Taliban die Humanitäre Hilfe zum Spielball ihrer Frauenverachtung machen», schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter. «Sie rauben der Hälfte der Bevölkerung ein weiteres Grundrecht, brechen humanitäre Prinzipien und gefährden die lebenswichtige Versorgung der Menschen.»

NGOs setzen Arbeit aus

Mehrere Nichtregierungsorganisationen bereits ihre Arbeit vorübergehend eingestellt. Das teilten die Hilfsorganisationen Care, Save the Children und die Norwegische Flüchtlingshilfe (NRC) am Sonntag gemeinsam mit. «Wir können Kinder, Frauen und Männer in dringender Not nicht ohne unsere weiblichen Angestellten erreichen», hieß es darin.

Ohne Frauen hätten Millionen Afghanen seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 keine Hilfe erhalten können. Zudem seien von der Forderung Tausende Arbeitsplätze inmitten einer enormen Wirtschaftskrise betroffen, hieß es. «Während wir über diese Ankündigung Klarheit gewinnen, setzen wir unsere Programme aus und fordern, dass Frauen und Männer gleichermaßen weiter lebensrettende Unterstützung in Afghanistan leisten können», hieß es.

Taliban geht es angeblich um Hidschab

Zuvor hatte das afghanische Wirtschaftsministerium gestern in einem Schreiben gefordert, Mitarbeiterinnen aller nationalen und internationalen NGOs bis auf Weiteres von ihrer Arbeit zu suspendieren. Grund dafür sei, dass die Frauen die Vorschriften der Taliban-Führung in Bezug auf das Tragen eines Hidschabs, also eines Kopftuchs, nicht einhielten. Komme eine Organisation dieser Anordnung nicht nach, werde ihre Lizenz entzogen, hieß es in dem Schreiben.

US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich gestern Abend (Ortszeit) auf Twitter «zutiefst besorgt». Dieses Verbot für Frauen werde die Versorgung mit humanitärer Hilfe in Afghanistan durcheinanderbringen. «Frauen spielen bei humanitären Hilfsaktionen weltweit eine zentrale Rolle», so Blinken. Eine solche Entscheidung könnte verheerende Folgen für die Menschen in Afghanistan haben.

EU: «klarer Bruch humanitärer Grundsätze»

Die Europäische Union verurteile das jüngste Verbot der Taliban aufs Schärfste, twitterte EU-Kommissionssprecherin Nabila Massrali in der Nacht zum Sonntag. Es handle sich um einen «klaren Bruch humanitärer Grundsätze». Die EU bewerte derzeit den Einfluss, den das Verbot auf seine Hilfe für Afghanistan haben werde.

Die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) regierte mit Bestürzung auf das Verbot der Taliban. Mehr als 3000 Frauen arbeiteten für die Organisation in dem Land. «Unsere Mitarbeiterinnen sind entscheidend für die Auslieferung von humanitärer Hilfe in Afghanistan», twitterte die Organisation.

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Islamisten Frauenrechte in Afghanistan massiv eingeschränkt. Viele Frauen durften nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen zurückkehren. Mädchen und Frauen sind mittlerweile vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Am Dienstag haben die Taliban Frauen von allen Hochschulen verbannt. Frauen, die für ihre Rechte protestierten, wurden in der Vergangenheit immer wieder, teils auch über mehrere Wochen, festgehalten.

@ dpa.de