Papst, Franziskus

Papst Franziskus fliegt nach Kasachstan zu einer Konferenz von Religionsführern.

13.09.2022 - 16:41:35

Papst in Kasachstan: «Schrei der Vielen» um Frieden. Das Oberhaupt der katholischen Kirche will für den Frieden werben - das wohl brisanteste Gespräch findet nicht statt.

Papst Franziskus will mit seiner Reise zum Religionstreffen in Kasachstan unterstreichen, dass er an der Seite aller Frieden suchenden Menschen der Welt steht. «Ich komme, um den Schrei der Vielen zu verstärken, die um Frieden flehen, der für unsere globalisierte Welt ein wesentlicher Entwicklungsfaktor ist», sagte das Oberhaupt der Katholiken in Nur-Sultan.

In der kasachischen Hauptstadt erinnerte Franziskus in seiner Rede vor Staatspräsident Kassym-Schomart Tokajew und Diplomaten an die Ukraine. «Ich komme hierher im Verlauf des wahnsinnigen und tragischen Krieges, der durch die Invasion der Ukraine ausgelöst worden ist, und während noch weitere Auseinandersetzungen und drohende Konflikte diese unsere Zeit gefährden», sagte der Papst.

Inzwischen deutlichere Position

Damit unterstrich der 85 Jahre alte Argentinier ein weiteres Mal, dass Russland als Aggressor für den Krieg verantwortlich ist. Das hatte Franziskus lange nicht deutlich gesagt und deshalb Kritik geerntet. Auf dem Hinflug an Morgen von Rom nach Nur-Sultan hatte das Flugzeug des Papstes der italienischen Fluggesellschaft Ita Airways wie fast alle westlichen Airlines den russischen Luftraum gemieden.

Franziskus bezeichnete sich selbst als «Pilger des Friedens», der auf der Suche nach Dialog und Einheit sei. «Unsere Welt hat dies dringend nötig, sie muss wieder zu Harmonie finden», unterstrich der Pontifex.

An diesem Mittwoch wird der zweitägige Kongress der Religionsführer eröffnet. Dabei stehen mehrere bilaterale Treffen an. Zudem will der Papst eine öffentliche Messe in Nur-Sultan feiern. Am Donnerstag soll eine Abschlusserklärung des Kongresses verlesen werden, dann steht der Rückflug nach Rom an.

Kein Treffen mit Kirill

Ein brisanter Termin in Nur-Sultan fällt allerdings aus: Der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, Kirill, wird nicht bei der Konferenz dabei sein. Franziskus hatte in der Vergangenheit gehofft, mit diesem über einen Frieden in der Ukraine sprechen zu können.

Mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsausbruch in der Ukraine hätte die Versammlung in Nur-Sultan die Möglichkeit für ein Treffen zwischen Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kirill geboten. Kirill, der den von Russlands Präsident Wladimir Putin begonnenen Angriffskrieg in der Ukraine verteidigt, wird aber nicht nach Kasachstan reisen. Der Papst hofft seit langem, mit dem russischen Kirchenführer über gemeinsame Wege zum Frieden reden zu können. Dafür wurde er von Ukrainern kritisiert. Sie halten es für einen Affront, sollte Franziskus Kirill treffen, bevor er nach Kiew reist.

Kasachstan-Besuch ist besonders

Der 85-jährige Argentinier ist der erste Papst, der einer Einladung der kasachischen Regierung zu dem normalerweise alle drei Jahre stattfindenden Kongress folgt. Die Veranstaltung in Nur-Sultan, dem ehemaligen Astana, findet seit der Premiere 2003 zum siebten Mal statt. Johannes Paul II. besuchte im Herbst 2001 als bislang einziger Papst Kasachstan nach der Unabhängigkeit von der UdSSR 1990.

In dem zentralasiatischen Land mit knapp 19 Millionen Einwohnern leben nur rund 125.000 Katholiken. Rund 70 Prozent der Kasachen sind Muslime, etwa 26 Prozent sind orthodoxe Christen.

@ dpa.de