Ukraine, Russland

Neue Hiobsbotschaft aus der Ukraine: Der Generaldirektor des größten europäischen Kernkraftwerks wurde laut russischer Behörden «festgenommen».

01.10.2022 - 15:24:07

AKW-Chef in Saporischschja von russischer Seite festgenommen. Nach ukrainischen Angaben wurde er entführt.

Der Chef des von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja, Ihor Muraschow, ist festgenommen worden. Russische Behörden informierten die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Samstag, dass der Generaldirektor des größten europäischen Kernkraftwerks «vorübergehend festgenommen wurde, um Fragen zu beantworten», wie ein IAEA-Sprecher in Wien am sagte.

Nach ukrainischen Angaben wurde Muraschow von Moskauer Truppen entführt. Der Präsident der ukrainischen Betreibergesellschaft Enerhoatom, Petro Kotin, teilte mit, dass der Kraftwerks-Chef am Vortag von einer russischen Patrouille am AKW-Standort Enerhodar auf der Straße gestoppt, aus dem Auto gezerrt und mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort gebracht worden sei. Russland hält das AKW seit Anfang März besetzt.

«Es gibt keine Erkenntnisse zu seinem Schicksal», teilte Kotin im Nachrichtenkanal Telegram mit. Er warf Russland atomaren Terrorismus gegen das Management und gegen die Mitarbeiter des Kraftwerks vor. Muraschow, der die Hauptverantwortung für das sichere Funktionieren und die nukleare Sicherheit der Anlage trage, müsse sofort freigelassen werden. Kotin forderte auch den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, auf, sich für Muraschows Freilassung einzusetzen. Die IAEA kontaktierte die russischen Behörden und fordere Aufklärung.

Das AKW war immer wieder beschossen worden. Sowohl die russischen Besatzer als auch die ukrainischen Behörden warnten mehrfach vor einem möglichen atomaren Zwischenfall mit massiven Auswirkungen für ganz Europa. Die IAEA setzt sich für rasche weitere Gespräche über eine Waffenstillstandszone um das AKW ein. Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom, der das Kraftwerk gemeinsam mit russischen Einheiten kontrolliert, ist nach Angaben seines Managements bereit, über technische Aspekte einer Schutzzone zu reden.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

London: Russische Luftwaffe reduziert Einsätze stark. Doch die Luftverteidigung Kiews setzt dem Gegner zu. Bis zu 300 Einsätze täglich flog die russische Luftwaffe laut Großbritannien noch zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine. (Ausland, 05.12.2022 - 09:43) weiterlesen...

Ukrainische Justiz: Zunahme sexueller Gewalt durch Russen. Oft fänden die Taten vor den Augen von Verwandten statt. Russische Soldaten setzten sexuelle Gewalt als Kriegsmethode ein, «um Ukrainerinnen und Ukrainer zu demütigen», so der Generalstaatsanwalt. (Ausland, 05.12.2022 - 01:22) weiterlesen...

Ukraine fordert internationales Sondertribunal für Kriegsverbrechen Der ukrainische Generalstaatsanwalt Andrij Kostin fordert ein internationales Sondertribunal für Kriegsverbrechen nach dem Modell der Nürnberger Prozesse. (Polizeimeldungen, 05.12.2022 - 01:03) weiterlesen...

UNHCR rechnet mit mehr Vertriebenen innerhalb der Ukraine. Der UNHCR-Chef hält das für eher unwahrscheinlich. Angesichts des Winters und russischer Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur gibt es Befürchtungen, dass viele weitere Ukrainer in die EU fliehen könnten. (Ausland, 05.12.2022 - 00:59) weiterlesen...

Selenskyjs Reden als Buch: «Botschaft aus der Ukraine» In seinem Kampf gegen Russland setzt der ukrainische Präsident Selenskyj neben den Waffen des Westens auf die Kraft des Wortes. (Ausland, 04.12.2022 - 12:38) weiterlesen...

Historiker hält Gleichsetzung von Putin mit Hitler für falsch Der australische Historiker Christopher Clark hält nichts davon, Wladimir Putin mit Adolf Hitler zu vergleichen. (Polizeimeldungen, 04.12.2022 - 11:13) weiterlesen...