Papst, Olaf Scholz

Mit einem festlichen Totenamt hat die katholische Kirche den gestorbenen Papst Benedikt XVI.

05.01.2023 - 11:12:30

Abschied von Benedikt XVI. in Rom. geehrt - während der amtierende Papst Franziskus mit dabei war. Der Andrang hielt sich in Grenzen.

  • Papst Franziskus (m.) hinter dem Sarg des verstorbenen emeritierten Papstes Benedikt XVI. während der öffentlichen Trauermesse. - Foto: Sven Hoppe/dpa

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  • Der einfache Holzsarg mit dem Leichnam wird in den Petersdom gebracht, wo Benedikt in der Gruft in seiner letzten Ruhestätte beigesetzt wird. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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Papst Franziskus (m.) hinter dem Sarg des verstorbenen emeritierten Papstes Benedikt XVI. während der öffentlichen Trauermesse. - Foto: Sven Hoppe/dpaDer einfache Holzsarg mit dem Leichnam wird in den Petersdom gebracht, wo Benedikt in der Gruft in seiner letzten Ruhestätte beigesetzt wird. - Foto: Michael Kappeler/dpa

Auf dem Petersplatz in Rom hat die katholische Kirche Abschied von dem verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. genommen. Das Requiem wurde von Benedikts Nachfolger Franziskus geleitet. Im Vergleich zu der Totenmesse für den «Jahrhundertpapst» Johannes Paul II. im Jahr 2005 war der Andrang der Gläubigen eher gering. Benedikt, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, war am vergangenen Samstag im Alter von 95 Jahren im Vatikan gestorben.

Die Totenmesse für Benedikt war für die katholische Kirche zeremonielles Neuland, weil mit ihm erstmals seit Jahrhunderten ein emeritierter Papst gestorben war und deshalb kein Nachfolger gewählt werden musste. Die Liturgie wurde im Vergleich zu einem herkömmlichen Trauergottesdienst für einen Papst leicht verändert. Das Requiem wurde überwiegend auf Latein gehalten, die Fürbitten wurden jedoch in mehreren Sprachen, darunter auch auf Deutsch, gesprochen.

Scholz, Steinmeier und Söder vor Ort

Mehrere Tausend Gläubige hatten sich auf dem zunächst nebelverhangenen Platz versammelt, um Benedikt die letzte Ehre zu erweisen. Auch eine große Abordnung aus seiner bayerischen Heimat feierte die Messe weit vorn auf dem Petersplatz mit. Dazu gehörten Gebirgsschützen, Trachtler, eine Blaskapelle und die freiwillige Feuerwehr aus Pentling bei Regensburg, wo Joseph Ratzinger eigentlich seinen Lebensabend hatte verbringen wollen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und andere deutsche Spitzenpolitiker waren ebenfalls angereist.

Rund 130 Kardinäle aus aller Welt reihten sich in ihren Gewändern auf dem Platz ein. Kurz vor Beginn des Requiems beugte sich Benedikts langjähriger Vertrauter und Privatsekretär Georg Gänswein über den Sarg und küsste ihn. Weitere hohe deutsche Geistliche, die den Gottesdienst mitfeierten, waren der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

«Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams»

Franziskus wurde im Rollstuhl auf den Platz gefahren. In seiner Predigt nahm er nur wenig direkten Bezug auf seinen Vorgänger. Der Argentinier sprach vor allem allgemein über Hingabe für Gott und Vertrauen auf den Herrn. Erst ganz am Schluss sagte er: «Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!» Jesus wird in der katholischen Kirche oft als Bräutigam bezeichnet.

Nach dem Requiem wurde der einfache Holzsarg mit dem Leichnam Benedikts in den Petersdom gebracht, wo Benedikt in der Gruft in seiner letzten Ruhestätte beigesetzt werde sollte. Von diesem Teil der Trauerfeierlichkeiten war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Bevor der Sarg im Petersdom verschwand, segnete Papst Franziskus ihn, berührte ihn mit der Hand und verneigte sich.

Vor der Messe war dem gestorbenen Pontifex ein Schreiben in den Sarg gelegt worden, das sein Leben zusammenfasste. Darin stand unter anderem: «Er kämpfte entschieden gegen die Verbrechen, die von Vertretern des Klerus an Minderjährigen oder schutzbedürftigen Personen begangen wurden, und rief die Kirche immer wieder zur Bekehrung, zum Gebet, zur Buße und zur Reinigung auf.» In das Pontifikat von Benedikt fielen etliche Enthüllungen von Missbrauchsskandalen. Er ergriff dabei Maßnahmen zum Schutz von Kindern und verurteilte als erster Papst die Verbrechen. Allerdings änderte er nichts an den Strukturen, die den Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigten.

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Die Opfervereinigung Eckiger Tisch forderte von der zur Beisetzung angereisten Delegation aus Deutschland, sich auf die Seite der Missbrauchsopfer zu stellen. Sie solle der «Mythenbildung über die Rolle des Verstorbenen» in Bezug auf die Aufdeckung von sexuellem Kindesmissbrauch durch Kleriker der katholischen Kirche entgegentreten, hieß es in einer Mitteilung.

Benedikt leitete die katholische Kirche mit weit über einer Milliarde Gläubigen von 2005 bis 2013. Sein freiwilliger Rücktritt war historisch, da Päpste normalerweise im Amt sterben. Inzwischen gilt es aber als möglich, dass auch Franziskus zurücktreten wird, wenn sich seine Gesundheit zu stark verschlechtern sollte. Nach seinem Rücktritt lebte Benedikt als emeritierter Papst in dem Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten.

@ dpa.de