Nahost, Gaza

Israel will den Islamischen Dschihad im Gazastreifen zügeln.

07.08.2022 - 22:04:53

Islamischer Dschihad verkündet Waffenruhe mit Israel. Nach einem Raketenhagel auf Israel aus dem Gazastreifen soll nun eine Waffenruhe in Kraft treten.

Die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad hat am Sonntagabend eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Diese solle um 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MESZ) in Kraft treten, teilte die Organisation im Gazastreifen mit.

Man begrüße die ägyptischen Vermittlungsbemühungen. Der Dschihad poche aber auf sein Recht, «auf jede israelische Aggression zu reagieren». Von israelischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung für die Waffenruhe.

Am Abend war eine hochrangige ägyptische Delegation in Gaza eingetroffen, um über Details der Waffenruhe zu verhandeln. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Es soll in der Einigung auch um die Freilassung zweier palästinensischer Häftlinge in Israel gehen, darunter Bassam al-Saadi, ranghoher Anführer des Islamischen Dschihad. Dessen Festnahme im Westjordanland am vergangenen Montag war der jüngsten Eskalation vorausgegangen. Ägypten hatte vergangenes Jahr auch eine Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas vermittelt nach einem Waffengang über elf Tage.

Mehr als 500 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert

Zuvor hatte sich der Konflikt zwischen der israelischen Armee und Islamisten im Gazastreifen im Verlauf des Wochenendes zugespitzt. Bei Luftangriffen im Rahmen der Militäraktion «Morgengrauen» tötete die israelische Armee auch den südlichen Kommandeur der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad (PIJ), wie das Militär am Sonntag mitteilte.

Erstmals in dieser Runde der Gewalt schossen militante Palästinenser Raketen auch auf Jerusalem. Seit Beginn der Operation am Freitag wurden nach Armeeangaben mehr als 500 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. Bis Sonntagabend heulten in zahlreichen Städten die Warnsirenen, darunter auch Tel Aviv. Einwohner der Stadt am Mittelmeer eilten in Schutzräume. Es waren dumpfe Explosionen zu hören.

Fast alle der Geschosse, die israelische Wohngebiete bedrohten, konnten demnach von der Raketenabwehr Iron Dome abgefangen werden.

Zahlreiche Tote im Gazastreifen

Die israelische Armee griff in der Nacht zum Sonntag mehrere Ziele im Gazastreifen an. Seit Beginn der Angriffe am Freitag starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bis Sonntagabend 41 Palästinenser. Mindestens 311 seien verletzt worden. Unter den Toten sind demnach neben weiteren PIJ-Mitgliedern 15 Kinder und vier Frauen.

Israel macht den Islamischen Dschihad jedoch für den Tod von fünf Kindern und einem Erwachsenen im Flüchtlingslager Dschabalia verantwortlich. Nach Angaben des Militärs wurden sie durch eine fehlgeleitete Dschihad-Rakete getötet. Dazu veröffentlichte die Armee am Sonntag Videoaufnahmen.

Etwa 120 der seit Freitag abgefeuerten Raketen seien im Gazastreifen selbst eingeschlagen.

Zu Beginn der Militäroperation hatte Israel den Dschihad-Militärchef Taisir al-Dschabari und weitere PIJ-Mitglieder getötet. Nach israelischen Angaben plante der Dschihad eine Attacke mit Panzerabwehrraketen im Grenzgebiet zum Gazastreifen. Israel sperrte über mehrere Tage hinweg Gebiete am Rande des Küstenstreifens ab und erhöhte die Alarmbereitschaft. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

2019 tötete Israel bereits Al-Dschabaris Vorgänger Baha Abu al-Ata. Darauf folgten massive Raketenangriffe. Nach einigen Tagen konnte mit Hilfe von Unterhändlern Ägyptens und der Vereinten Nationen eine Waffenruhe vereinbart werden. Im vergangenen Jahr lieferten sich Israels Streitkräfte einen elftägigen Konflikt mit militanten Palästinensern im Gazastreifen. Ägypten vermittelte damals eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die 2007 in dem Küstenstreifen gewaltsam die Macht an sich gerissen hatte.

@ dpa.de