Joe Biden, Ukraine-Krieg

In Polen schlägt nahe der Grenze zur Ukraine eine Rakete ein.

16.11.2022 - 09:19:23

Hinweise auf ukrainische Flugabwehrrakete in Polen. Das Geschoss russischer Bauart tötet zwei Menschen, Moskau weist jede Verantwortung von sich. Es gibt Hinweise auf tragische Umstände.

  • Die Google-Earth-Luftaufnahme zeigt die Region um den Ort Przewodow in Polen nahe der Grenze zur Ukraine (rechts). - Foto: ---/google earth/dpa

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  • Polnische Polizisten im südpolnischen Przewodow. - Foto: Str/AP/dpa

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  • US-Präsident Joe Biden gibt nach seinem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der G7 und der Nato eine Erklärung ab. - Foto: Doug Mills/The New York Times/AP/dpa

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  • Nach dem Einschlag einer Rakete in Polen beraten sich westliche Staats- und Regierungschefs am Rande des G20-Gipfels auf Bali. - Foto: Steffen Hebestre/Bundesregierung/dpa

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  • Polnische Polizisten am Tag nach dem Einschlag im Dorf Przewodow. - Foto: Wojtek Jargilo/PAP/dpa

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Die Google-Earth-Luftaufnahme zeigt die Region um den Ort Przewodow in Polen nahe der Grenze zur Ukraine (rechts). - Foto: ---/google earth/dpaPolnische Polizisten im südpolnischen Przewodow. - Foto: Str/AP/dpaUS-Präsident Joe Biden gibt nach seinem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der G7 und der Nato eine Erklärung ab. - Foto: Doug Mills/The New York Times/AP/dpaNach dem Einschlag einer Rakete in Polen beraten sich westliche Staats- und Regierungschefs am Rande des G20-Gipfels auf Bali. - Foto: Steffen Hebestre/Bundesregierung/dpaPolnische Polizisten am Tag nach dem Einschlag im Dorf Przewodow. - Foto: Wojtek Jargilo/PAP/dpa

Beim Raketeneinschlag mit zwei Toten im Osten Polens gibt es Hinweise darauf, dass es sich um ein Flugabwehrgeschoss aus der Ukraine handelt.

Nach Angaben von Polens Präsident Andrzej Duda war es kein gezielter Angriff auf das Nato-Land. Es gebe auch keine Beweise dafür, dass die Rakete von Russland abgefeuert worden sei, sondern es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische Flugabwehrrakete, sagte Duda in Warschau.

Zuvor hatte sich US-Präsident Joe Biden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei einem Krisentreffen mit anderen Staats- und Regierungschefs von Nato- und G7-Staaten auf Bali entsprechend geäußert. Es sei eine Rakete des Systems S-300 eingeschlagen. Das Raketensystem S-300 ist sowjetischer Bauart und wesentlicher Bestandteil der ukrainischen Flugabwehr.

Moskau bestritt, Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen zu haben und sprach von einer gezielten Provokation. Russland hatte die Ukraine am Dienstag nach Kiewer Zählung mit mehr als 90 Raketen und Marschflugkörpern beschossen.

Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew warnte auf Twitter: «Die Geschichte mit den ukrainischen «Raketenschlägen» auf eine polnische Farm beweist nur eins: Der Westen erhöht durch seinen hybriden Krieg gegen Russland die Wahrscheinlichkeit für den Beginn des Dritten Weltkriegs.»

Biden erklärte nach dem Krisentreffen öffentlich, es gebe Informationen über die Flugbahn, die einem Abschuss aus Russland entgegenstünden. «Ich werde sicherstellen, dass wir ganz genau herausfinden, was passiert ist», ergänzte er.

Macron spricht von zwei Einschlägen in Polen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte zum Abschluss des G20-Gipfels: «Es sind zwei Geschosse auf polnischem Boden niedergegangen.» Bislang war in den meisten Berichten nur von einer einzigen Rakete die Rede. Auf die Frage, von wem die Raketen abgefeuert worden seien, antwortete Macron: «Heute können wir das nicht zuordnen. Wir müssen sehr vorsichtig bleiben.»

Scholz sagte nach dem G20-Gipfel: «Jede voreilige Festlegung über den Tatsachenverlauf vor seiner sorgfältigen Untersuchung verbietet sich bei einer so ernsten Angelegenheit.» Die Nachrichtendienste hätten sich ausgetauscht, die USA unterstützten die polnischen Ermittler.

Wie andere Staats- und Regierungschefs betonte Scholz, die Ursache des Einschlags dürfe nicht aus dem Blick geraten. Dieser wäre nicht passiert «ohne den russischen Krieg gegen die Ukraine, ohne die Raketen, die jetzt intensiv und in großem Ausmaß auf die ukrainische Infrastruktur verschossen werden».

Der britische Premierminister Rishi Sunak sagte, die Ukraine setze Raketen ein, um sich «gegen eine illegale und barbarische Angriffsserie Russlands verteidigen». Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte Aufklärung. Laut türkischer Kommunikationsdirektion betonte er jedoch auch, er müsse die Aussagen Russlands respektieren, nichts mit dem Einschlag zu tun zu haben. Erdogan hatte sich mehrfach als Vermittler im russischen Krieg in der Ukraine angeboten.

Polens Armee: Luftabwehr kann nicht ganzes Land schützen

Nach Darstellung des polnischen Generalstabs konnte der Einschlag von der Raketenabwehr nicht verhindern werden. Die Aufgabe der Systeme bestehe darin, kritische Infrastrukturen zu schützen. «Keine Armee verfügt über ein Luftabwehrsystem, das das gesamte Territorium eines Landes schützt», teilte die Armeeführung mit. Schweden kündigte an, es wolle der Ukraine mit einem neuen Unterstützungspaket einschließlich eines Luftverteidigungssystems unter die Arme greifen.

Nato berät in Brüssel

Ein Sprecher der polnischen Regierung erklärte, man habe mit den Nato-Verbündeten beschlossen, zu überprüfen, ob es Gründe gebe, die Verfahren nach Artikel 4 des Nato-Vertrags einzuleiten. Artikel 4 sieht Beratungen der Nato-Staaten vor, wenn ein Land die Unversehrtheit seines Gebiets, seine politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht.

Ukraine dringt auf Flugverbotszone

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte über den Einschlag in Polen: «Dies ist ein russischer Raketenangriff auf die kollektive Sicherheit!» Verteidigungsminister Olexij Resnikow pochte auf die Einrichtung einer Flugverbotszone.

@ dpa.de