Rishi Sunak, Großbritannien

Großbritannien hat einen neuen Regierungschef - zum dritten Mal in zwei Monaten.

25.10.2022 - 12:45:50

König Charles ernennt Rishi Sunak zum neuen Premierminister. Unter den ersten Gratulanten von Sunak ist Ex-Premier Johnson. Das Verhältnis der Männer gilt eigentlich als zerrüttet.

  • Rishi Sunak ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. - Foto: Aaron Chown/PA Wire/dpa

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  • Großbritanniens neuer Premierminister Rishi Sunak bei seiner Ansprache vor der 10 Downing Street. - Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

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Rishi Sunak ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. - Foto: Aaron Chown/PA Wire/dpaGroßbritanniens neuer Premierminister Rishi Sunak bei seiner Ansprache vor der 10 Downing Street. - Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Rishi Sunak ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. Genau sieben Wochen nach dem Amtsantritt seiner Vorgängerin Liz Truss wurde der 42-Jährige von König Charles III. im Buckingham-Palast mit der Regierungsbildung beauftragt, wie die Nachrichtenagentur PA nach der Audienz meldete.

Zuvor hatte Charles in einer Audienz Truss formell aus dem Amt entlassen. Nur der Monarch hat das Recht, den Premier zu ernennen. Sunak ist der dritte Premierminister innerhalb von zwei Monaten, der jüngste Regierungschef seit mehr als 200 Jahren sowie der erste Hindu und der erste indischstämmige Politiker im Amt.

Unter den ersten Gratulanten war Sunaks Vor-Vorgänger: Trotz einer schwierigen Beziehung der beiden Politiker beglückwünschte Ex-Premier Boris Johnson den neuen Regierungschef. «Dies ist der Moment für alle Konservativen, unseren neuen Premierminister von ganzem Herzen zu unterstützen», schrieb Johnson auf Twitter. Er bezeichnete den Amtsantritt Sunaks als «historischen Tag».

Sunak hatte mit seinem Rücktritt als Finanzminister aus dem Johnson-Kabinett im Sommer maßgeblich dazu beigetragen, den damaligen Premier zu Fall zu bringen. Das Verhältnis der Männer galt schon zuvor als angespannt - seitdem gilt es als zerrüttet.

Sunaks erste Rede an die Nation dauert sechs Minuten

Nach der Audienz bei Charles wandte sich Sunak von der Downing Street aus an die Nation. Der neue Premier versprach, das tief gespaltene Großbritannien wieder zusammenführen. «Ich werde unser Land vereinen, nicht mit Worten, aber mit Taten», sagte er in seiner ersten Rede. Dafür werde er rund um die Uhr arbeiten.

Großbritanniens neuer Premierminister Rishi Sunak bei seiner Ansprache vor der 10 Downing Street.

Sunak verwies darauf, dass er in der Corona-Pandemie als Finanzminister mit dem «Furlough»-Programm, das dem deutschen Kurzarbeitergeld ähnelt, zahlreiche Jobs und Unternehmen gesichert habe. «Ich werde den Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen, dieselbe Leidenschaft entgegenbringen.»

Seine Regierung werde Integrität, Professionalität und Verantwortung zeigen, kündigte Sunak nach Monaten des Regierungschaos an. «Vertrauen muss verdient werden, und ich werde mir Ihr Vertrauen verdienen.» Er sei bereit, das Land in die Zukunft zu führen und die Sorgen der Menschen über die Politik zu stellen. «Gemeinsam können wir unglaubliche Dinge erreichen», sagte Sunak in seiner fast sechs Minuten dauernden Ansprache.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ermahnte den neuen britischen Premier angesichts des jahrelangen Brexit-Streits zwischen Brüssel und London, getroffene Vereinbarungen einzuhalten.

Sunak gilt als «ruhige Hand»

Sunaks Vorgängerin Truss hatte am Donnerstag nach nur 44 Tagen im Amt ihren Rücktritt angekündigt. Sie hatte mit einer radikalen Steuerreform erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Nach scharfer Kritik auch aus den eigenen Reihen musste sie zurückrudern und verlor damit schnell ihre Autorität.

Sunak gilt hingegen als «ruhige Hand». Er hatte sich bereits im Sommer um die Nachfolge von Premier Boris Johnson beworben, aber gegen Truss verloren. Ihre Wirtschaftspläne hatte er damals scharf kritisiert - und behielt Recht.

Auf den verheirateten Vater zweier Töchter warten erhebliche Probleme. Er muss das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen. Das trauen ihm Analysten zu. Schwieriger dürfte es werden, seine zuletzt tief zerstrittene Konservative Partei wieder zu einen. Mit Spannung wird daher erwartet, wen Sunak in sein Kabinett beruft. Tauscht er zu viele Minister aus, könnte er sich neue Feinde machen.

Die Opposition kritisiert, dass Sunak bereits der zweite konservative Premier in Folge sei, der nicht mit einer Parlamentswahl ins Amt kam und fordert Neuwahlen. Das lehnt Sunak ab. Die Tories machen geltend, dass die Partei und nicht ein Politiker von den Wählern das Mandat erhalten habe. Umfragen sehen die Konservativen weit abgeschlagen hinter der größten Oppositionspartei Labour.

@ dpa.de