Papst, Vatikan

Drei Tage lang liegt Benedikt aufgebahrt im Petersdom.

05.01.2023 - 05:11:04

Steinmeier und Scholz reisen zu Beisetzung von Benedikt XVI.. Viel mehr Menschen als erwartet strömen in die Basilika in Rom, um Abschied zu nehmen. Nun folgt mit dem Requiem einer der letzten Akte.

Nach einer drei Tage langen öffentlichen Aufbahrung wird heute der verstorbene Papst Benedikt XVI. im Petersdom beigesetzt. Am Vormittag (9.30 Uhr) wird der amtierende Pontifex Franziskus auf dem Petersplatz einem Requiem für den gebürtigen Bayern vorstehen. Es werden Zehntausende Gläubige für den Trauergottesdienst erwartet. Kardinal Giovanni Battista Re wird die Messe am Altar zelebrieren, Franziskus liest die Predigt.

Schätzungsweise 3700 Priester werden laut Vatikan-Sprecher Matteo Bruni zu dem Gottesdienst erwartet. Mehr als 1000 Medienvertreter aus über 30 Ländern haben sich für die Veranstaltung angemeldet. Genauso viele Sicherheitskräfte sollen sie absichern. Die Sprache der Messe wird Latein sein. Einige Teile, wie etwa Gebete, werden in anderen Sprachen vorgetragen. Die Liturgie wurde im Vergleich zu einem herkömmlichen Trauergottesdienst für einen toten Papst leicht verändert - denn dieses Mal begräbt ein Papst seinen Vorgänger.

Nach dem Requiem, das bis etwa 11.00 Uhr dauern dürfte, soll der Holzsarg mit dem Leichnam Benedikts in den Petersdom gebracht und in der Gruft in seiner letzten Ruhestätte beigesetzt werden. Die Öffentlichkeit ist davon ausgeschlossen.

Deutsche Delegation vor Ort

Aus Deutschland reisen die höchsten Vertreter der Verfassungsorgane an. Unter anderem werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor Ort sein. Aus Bayern reist Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit einer Delegation an. Die katholische Kirche Deutschlands wird unter anderem mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und dem Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, vertreten sein. Aus den bayerischen Bistümern reisen Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Stefan Oster (Passau) und der frühere Bamberger Erzbischof, Ludwig Schick, an.




Letzte Worte: «Herr, ich liebe dich»

Zur genauen Todesursache machte der Vatikan bislang keine Angaben. Sein langjähriger Vertrauter und Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, sagte am Mittwoch dem vatikaneigenen Medienportal Vatican News, dass sein Todeskampf nicht länger als 45 Minuten gedauert haben dürfte. Benedikts letzte Worte waren ihm zufolge auf Italienisch «Herr, ich liebe dich». In den Tagen vor seinem Ableben habe er Atemprobleme gehabt. «Jetzt hat er es geschafft», fügte Gänswein an.

Papst Franziskus hatte in der Generalaudienz vom 28. Dezember des zurückliegenden Jahres zum Gebet für Benedikt aufgefordert, weil der «sehr krank» sei. Damit machte er überhaupt erst publik, dass es seinem 2013 zurückgetretenen Vorgänger, Ex-Chef der mächtigen Glaubenskongregation und früheren Erzbischof von München und Freising, schlecht ging.

Benedikt lebte seit seinem Rücktritt zurückgezogen in Mater Ecclesiae. 2022 holte ihn mit der Veröffentlichung des Münchener Missbrauchsgutachtens die Vergangenheit wieder ein. Die Gutachter warfen ihm darin Fehlverhalten in seiner Zeit als Erzbischof vor.

Die Opfervereinigung Eckiger Tisch forderte von der nun zur Beisetzung anreisenden Delegation aus Deutschland, sich in Rom auf die Seite der Missbrauchsopfer zu stellen. Sie solle der «Mythenbildung über die Rolle des Verstorbenen» in Bezug auf die Aufdeckung von sexuellem Kindesmissbrauch durch Kleriker der katholischen Kirche entgegen treten, hieß es in einer Mitteilung.

@ dpa.de

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