Russland, Ukraine

Die Raketenbeschüsse des AKWs Saporischschja haben weltweit Sorgen hervorgerufen.

09.08.2022 - 16:49:49

Russland: Flugabwehrinstallation um ukrainisches AKW. Russland rüstet die Anlage nun mit einer eigenen Flugabwehr aus. Auf der annektierten Halbinsel Krim wird eine heftige Explosion vermeldet. Die aktuellen Entwicklungen.

Nach dem mehrfachen Beschuss von Europas größtem Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine rüstet Russland die von ihm besetzte Anlage mit einer eigener Flugabwehr aus. «Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt», sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, im russischen Staatsfernsehen.

Das unter russischer Kontrolle stehende Akw im Süden der Ukraine wurde in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen, was international Sorgen um die Sicherheit der Anlagen auslöste. Moskau und Kiew weisen sich gegenseitig die Schuld für die Angriffe zu. Auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim explodierte lokalen und Moskauer Angaben nach ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt.

Zur Vorbereitung auf einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen trat ein europäischer Notfallplan in Kraft. Mit ihm soll der Gasverbrauch bis zum kommenden Frühjahr europaweit deutlich gesenkt werden. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie mehrere Forschungsinstitute kommt unterdessen zu dem Ergebnis, dass der Ukraine-Krieg die deutsche Wirtschaft bis 2030 mehr als 260 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten und bereits im kommenden Jahr zum Verlust von Arbeitsplätzen führen könnte.

Russische Militärverwaltung: Akw arbeitet normal

Nach Angaben der russischen Militärverwaltung arbeitet das Atomkraftwerk Saporischschja derzeit normal. Stromleitungen und beschädigte Blöcke des Meilers seien repariert worden, sagte Behördenchef Balizki. Saporischschja ist das leistungsstärkste Atomkraftwerk in Europa. Bis zum Beschuss am Wochenende waren laut ukrainischen Angaben noch drei von sechs Blöcken in Betrieb.

Bisher lehnte es Russland ab, Experten einen Zugang zu der Anlage zu gewähren. Moskau will eigenen Angaben zufolge nun einen Besuch der Internationalen Atombehörde ermöglichen. «Von unserer Seite aus sind wir bereit, maximal mögliche Unterstützung zur Lösung organisatorischer Fragen zu leisten», teilte das russische Außenministerium mit. Zugleich beschuldigte Moskau die Vereinten Nationen, eine bereits geplante Inspektionsreise angeblich abgesagt und damit eine neue Eskalation herbeigeführt zu haben.

Explosion auf Halbinsel Krim auf Luftwaffenstützpunkt

Auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist lokalen und Moskauer Angaben zufolge ein Munitionsdepot auf einem Luftwaffenstützpunkt explodiert. In sozialen Netzwerken kursierende Videos zeigten zudem Explosionen und große Rauchwolken, die bei dem Ort Nowofjodorowka unweit des Badeortes Jewpatorija aufgenommen worden sein sollen. Ein Mensch sei getötet worden, teilte Krim-Chef Sergej Aksjonow nach Angaben russischer Agenturen mit. Erst hatte es geheißen, dass es keine Opfer gebe.

Touristen verließen das Gebiet fluchtartig. Aksjonow sagte, dass ein Bereich im Radius von fünf Kilometern rund um den Stützpunkt abgesperrt werde. Zur Ursache der Explosion äußerte er sich nicht. Beobachter gingen von einem Sabotageakt aus, da die ukrainischen Truppen über 200 Kilometer entfernt sind. Bisherigen Berichten zufolge verfügt die ukrainische Armee derzeit nicht über Raketen mit dieser Reichweite. Eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium nannte einen Verstoß gegen Brandschutzregeln auf dem Stützpunkt als wahrscheinlichste Ursache. Es gebe keinen Hinweis auf eine Einwirkung von außen.

Geheimdienste: Russland auf Verteidigung in Süd-Ukraine fokussiert

Laut britischer Militärexperten haben die russischen Truppen ihre Bemühungen in den vergangenen Tagen darauf konzentriert, eine ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes abzuwehren. Trotzdem seien die russischen Angriffe in der östlichen Region Donezk weitergeführt worden, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London.

Lettland: Ausnahmezustand an Grenze zu Belarus verlängert

Lettland hat den Ausnahmezustand an der Grenze zu Belarus bis zum 10. November verlängert. Das beschloss die Regierung in Riga. Der Ausnahmezustand gilt bereits seit fast genau einem Jahr. Er wurde im August 2021 beschlossen, weil Tausende Migranten über die EU-Außengrenzen nach Polen oder in die baltischen Staaten gelangen wollten. Die Europäische Union wirft den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen.

Kreml kritisiert Forderung nach Reisebann für Russen

Die ukrainische Forderung nach einem internationalen Reisebann für alle Russen hat in Moskau heftige Kritik ausgelöst. Die Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seien «äußerst negativ» aufgenommen worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Selenskyj hatte der «Washington Post» zuvor gesagt: «Die wichtigsten Sanktionen sind es, die Grenzen zu schließen, denn die Russen nehmen anderen ihr Land weg.»

Für Innenministerin Faeser ist Putin ein Kriegsverbrecher

Wegen seines Angriffskriegs auf die Ukraine betrachtet Bundesinnenministerin Nancy Faeser den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Kriegsverbrecher. Mit einem klaren «Ja» antwortete Faeser in Potsdam bei der Veranstaltungsreihe «RND vor Ort» des Redaktionsnetzwerks Deutschland auf die Frage «Ist Wladimir Putin für Sie ein Kriegsverbrecher?».

«Das unterliegt natürlich erst mal der Beweissicherung und dem rechtsstaatlichen Verfahren», führte die SPD-Politikerin aus. Aber angesichts des Leides, das Putin in der Ukraine angerichtet habe, werde man ihn wohl als Kriegsverbrecher bezeichnen können. Faeser hatte Ende Juli zusammen mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die ukrainische Hauptstadt Kiew und die vom Krieg zerstörte Stadt Irpin besucht.

Studien: Krieg kostet Arbeitsplätze in Deutschland

Nach einer Studie mehrerer Institute führt der Ukraine-Konflikt zum Verlust von Jobs in Deutschland. Im kommenden Jahr könnten deswegen rund 240.000 Menschen weniger erwerbstätig sein als ohne Krieg, im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2028 wären es 150.000 Menschen. An der Untersuchung waren neben dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auch das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung beteiligt. Die stärksten Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt prognostiziert die Studie im Gastgewerbe, im Sozialwesen und in der Nahrungsmittelherstellung.

@ dpa.de

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