#COP27, Ägypten

Bei der Weltklimakonferenz haben die Beratungen über nächste Schritte im Kampf gegen die Klimakatastrophe begonnen.

07.11.2022 - 12:51:12

UN-Generalsekretär: «Sind auf dem Highway zur Klimahölle». Zu Beginn wendet sich UN-Generalsekretär Guterres mit einem eindringlichen Appell an die Teilnehmer.

Auf der Weltklimakonferenz in Ägypten hat UN-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den Folgen der Erderhitzung gewarnt. «Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle - mit dem Fuß auf dem Gaspedal», sagte Guterres in einer Rede vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Scharm el Scheich.

«Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens - und sind dabei zu verlieren», warnte er mit Blick auf von der Klimakrise ausgelöste Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und steigende Meeresspiegel», sagte er weiter.

Das 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris vereinbarte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, sei akut gefährdet. Der Portugiese rief zu einem «Klima-Solidarpakt» auf, den wohlhabende Staaten jetzt mit Schwellen- und Entwicklungsländern schließen müssten. Dabei stünden die USA und China besonders in der Verantwortung. Wörtlich sagte er: «Die Menschheit hat eine Wahl: zusammenzuarbeiten oder unterzugehen!».

Guterres unterstützte Forderungen armer Staaten nach Schadenersatzzahlungen der Industriestaaten für ihre bereits erlittenen Klimaschäden - im UN-Jargon «loss and damage» («Verluste und Schäden») genannt. Dieses Thema könne nicht weiter unter den Teppich gekehrt werden.

Auch Rede von Kanzler Olaf Scholz erwartet

Bei der Weltklimakonferenz COP27 wird auf höchster politischer Ebene über nächste Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung beraten. Erwartet werden Reden von Bundeskanzler Olaf Scholz sowie Dutzenden weiteren Staats- und Regierungschefs - darunter aus vielen Ländern wie Kenia oder Niger, die besonders verletzlich sind durch klimabedingte Veränderungen und Extremwetterereignisse. Erwartet werden bei der Konferenz auch der neue britische Premierminister Rishi Sunak und US-Präsident Joe Biden. Zur Konferenz sind etwa 45.000 Teilnehmer vor Ort registriert, die meisten davon als Delegierte von Staaten.

Erderwärmung muss bei 1,5 Grad gestoppt werden

Die Zeit drängt, wie ein am Sonntag vorgestellter Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) zeigt. Demnach deuten sich die vergangenen acht Jahre als wärmste der Aufzeichnungen an. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag zuletzt schätzungsweise rund 1,15 Grad über dem Durchschnitt der vorindustriellen Zeit. Die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase - Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) - hat laut WMO 2021 einen neuen Höchststand erreicht, bei Methan war die Zunahme sogar so groß wie nie.

Klimaforschern zufolge muss die Erderhitzung bei 1,5 Grad gestoppt werden, um die Überschreitung gefährlicher Kipppunkte zu vermeiden und die katastrophalsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Zwar gilt dies theoretisch noch als möglich, allerdings nur durch ein radikales Umsteuern in der Klimapolitik. Die internationale Gemeinschaft hat sich auf dieses Ziel verständigt, tut aber längst nicht genug, um dieses politisch umzusetzen.

In einem Zwischenerfolg nahmen die COP-Teilnehmerstaaten das Thema der Finanzierung von klimabedingten Schäden und Verlusten erstmals auf die offizielle Tagesordnung. Gemeint sind damit Schäden von Extremwetterereignissen sowie von langsamen Veränderungen. Die Entwicklungsländer, die besonders anfällig sind für Klimaschäden, kämpfen schon lange für förmliche Verhandlungen bei dem Thema. Bis dabei ein Beschluss gefasst ist oder in diesem Rahmen gar neues Geld fließt, könnten aber noch Jahre vergehen.

@ dpa.de