Migranten, Catania

Auf zwei Rettungsschiffen im Hafen von Catania wird am Dienstagabend gejubelt - knapp 250 Migranten dürfen endlich von Bord gehen.

08.11.2022 - 23:05:51

Erst Hungerstreik, dann Erlösung: Migranten dürfen an Land. Für ein Schiff ist der lange Einsatz jedoch noch nicht vorbei.

  • Migranten verlassen das unter norwegischer Flagge fahrende Rettungsschiff «Geo Barents», nachdem sie von den italienischen Behörden im Hafen von Catania auf Sizilien an Land gelassen wurden. - Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpa

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  • Joachim Ebeling, Kapitän des unter deutscher Flagge fahrenden Rettungsschiffes «Humanity 1», während einer Pressekonferenz im Hafen von Catania. - Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpa

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  • Migranten an Deck der «Ocean Viking». Das Schiff ist inzwischen auf dem Weg nach Frankreich. - Foto: Vincenzo Circosta/AP/dpa

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Migranten verlassen das unter norwegischer Flagge fahrende Rettungsschiff «Geo Barents», nachdem sie von den italienischen Behörden im Hafen von Catania auf Sizilien an Land gelassen wurden. - Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpaJoachim Ebeling, Kapitän des unter deutscher Flagge fahrenden Rettungsschiffes «Humanity 1», während einer Pressekonferenz im Hafen von Catania. - Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpaMigranten an Deck der «Ocean Viking». Das Schiff ist inzwischen auf dem Weg nach Frankreich. - Foto: Vincenzo Circosta/AP/dpa

Nach zwei Tagen des Bangens haben die Crews der zivilen Seenotrettungsschiffe «Humanity 1» und «Geo Barents» knapp 250 im Mittelmeer aufgenommene Migranten in Sizilien an Land schicken dürfen.

Die Erleichterung bei den Hilfsorganisationen war groß. «Endlich hat das absolut unbegründete Warten ein Ende», sagte Till Rummenhohl vom deutschen Verein SOS Humanity, nachdem 35 Menschen im Hafen der Stadt Catania von Bord gegangen waren. Als die Helfer von Ärzte ohne Grenzen die 213 Leute von ihrem Schiff verabschiedeten und «Rettung abgeschlossen» meldeten, applaudierte sich die Crew selbst zu.

Damit endete am späten Dienstagabend eine Kraftprobe zwischen den privaten Helfern und der neuen, rechten Regierung in Rom, die deutlich härter als ihre politischen Vorgänger gegen Migranten vorgehen will. Nach einem Dekret des Innenministers Matteo Piantedosi waren die knapp 250 erwachsenen Männer am Wochenende auf den zwei Schiffen aussortiert worden und durften nicht an Land gehen.

«Unsere Arbeit ist nicht vorbei»

Sie sollten, anders als Hunderte anderer Flüchtlinge, wieder in internationale Gewässer gebracht werden. «Weil italienische Behörden der Meinung waren, dass sie nicht krank genug waren, um in die Europäische Union einzureisen», kritisierte Rummenhohl, Einsatzleiter der «Humanity 1», im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Nach neuen Untersuchungen durch Ärzte und Psychologen entschied das Gesundheitsamt von Catania am Dienstagabend aber, dass die Migranten von Bord dürfen. «Zum Glück haben wir uns für diese Menschen eingesetzt und für ihre Rechte gekämpft», sagte Rummenhohl.

Die Helfer wollen sich von den Strapazen und juristischen Schwierigkeiten nicht einschüchtern lassen und wieder in See stechen. «Unsere Arbeit ist nicht vorbei, auch nicht, wenn die italienischen Behörden der Meinung sind, dass unsere Arbeit nicht rechtmäßig ist. Sie ist Pflicht, sie ist menschliche Pflicht, sie ist gesetzliche Pflicht. Wir werden weiter dafür einstehen, dass dies auch so bleibt.» Rummenhohl bedankte sich zudem für viel Solidarität «von Kanada bis Australien und vor allem hier in Italien von der italienischen Bevölkerung».

«Ocean Viking» war in Italien nicht willkommen

Anders als die «Humanity 1», die «Geo Barents» und ein weiteres deutsches Schiff namens «Rise Above», das 89 Migranten nach Reggio Calabria bringen durfte, war die «Ocean Viking» in Süditalien nicht willkommen. Das Schiff von SOS Méditerranée nahm deshalb Kurs auf Frankreich in der Hoffnung, einen Hafen auf Korsika anlaufen zu können. Die Organisation sprach von einem «kritischen und dramatischen Versagen aller europäischen Staaten», weil manche Migranten schon mehr als zwei Wochen auf dem Schiff ausharren müssten.

Italiens Regierung war zuletzt unter anderem von der Europäischen Union, UN-Organisationen und auch der Bundesregierung zum Einlenken aufgefordert worden. Die neue, ultrarechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verteidigte ihren migrantenfeindlichen Kurs und bedankte sich bei Frankreich dafür, dass dort Häfen für die «Ocean Viking» und die Menschen an Bord des Schiffs geöffnet werden. Sie will andere europäische Länder auch künftig stärker in die Pflicht nehmen bei der Aufnahme von Migranten.

@ dpa.de