(Zusammenfassung - Neu: Weitere Details) Weiterer Zeuge für Argentinien-Geschäft - Neue Aussage belastet angeblich frühere Siemens-Vorstände --Von Michael Beumer--
17.05.2008 | 13:05 UhrHamburg (ddp). In der Korruptionsaffäre bei Siemens wird der ehemalige Vorstand angeblich durch eine neue Aussage schwer belastet. Demnach soll laut einem Medienbericht der Vorstand in ein Schmiergeldgeschäft in Argentinien eingeweiht gewesen sein. Auch lasse Siemens-Chef Peter Löscher derzeit den Beratervertrag mit dem früheren Vorstand Uriel Sharef überprüfen.
Bereits vor Wochen hatten Medien berichtet, dass Siemens in Argentinien mit Schmiergeldern um einen Auftrag gekämpft habe. Der damalige Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer sei eingeweiht gewesen. Pierer weist diese Vorwürfe zurück. Laut «Focus» bestätigte am vergangenen Freitag ein weiterer Manager, das fragliche Argentinien-Geschäft habe stattgefunden. Dabei seien zehn Millionen Dollar Schmiergeld geflossen - und der Siemens-Zentralvorstand sei in die Zahlungen eingebunden gewesen.
Wie die «Wirtschaftswoche» unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, lässt Siemens-Vorstandschef Löscher derzeit den Beratervertrag mit dem früheren Vorstand Uriel Sharef überprüfen. Hintergrund sei die Ankündigung der Münchner Staatsanwaltschaft von Mitte April, die Ermittlungen wegen der Siemens-Korruptionsaffäre seien auf die Energieübertragungssparte PTD und den einst zuständigen Manager Sharef ausgeweitet worden. Ob der Vertrag von Sharef gekündigt werde, wollte ein Siemens-Sprecher laut Magazin nicht mitteilen.
Beim ersten Prozess in der Siemens-Schmiergeldaffäre könnten frühere und jetzige Siemens-Vorstände aufeinandertreffen. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» vorab berichtete, sollen neben dem amtierenden Finanzvorstand Joe Kaeser auch die ehemaligen Siemens-Top-Manager Heinz-Joachim Neubürger, Volker Jung und Thomas Ganswindt im Prozess gegen den langjährigen Siemens-Direktor Reinhard S. vor der 5. Strafkammer des Münchner Landgerichts aussagen. Der Prozess beginnt Ende Mai. Der frühere Siemens-Chef Pierer stehe am 20. Juni ebenfalls vor Gericht - allerdings nur als Zeuge.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bericht zufolge Reinhard S. Untreue in 58 Fällen vor. Er soll zwischen 2001 und 2004 die schwarzen Kassen in der Siemens-Kommunikationssparte organisiert haben, über die Schmiergelder in dreistelliger Millionenhöhe von mindestens 200 Millionen Euro an Entscheidungsträger in aller Welt geflossen sein sollen.
Besonders spannend dürfte laut «Spiegel» die Aussage des ehemaligen Leiters der Anti-Korruptions-Abteilung, Albrecht Schäfer, werden. Der hatte zuletzt in der unternehmensinternen Untersuchung mehrere Dokumente vorgelegt, wonach weite Teile des Zentralvorstands von Schmiergeldzahlungen im Konzern informiert worden waren.
Auch der heutige Finanzvorstand Joe Kaeser solle vor Gericht Rede und Antwort stehen. Kaeser ist nicht beschuldigt, war aber zeitweise in der Mobilfunk-Sparte des Konzerns, in der ebenfalls dreistellige Millionenbeträge für die Beschaffung von Aufträgen gezahlt worden sein sollen, für die Finanzen zuständig.
Insgesamt seien in dem ersten Verfahren zur Siemens-Korruptionsaffäre bislang 29 Zeugen geladen, 15 Verhandlungstage seien geplant. Das Urteil solle Ende Juli verkündet werden.
ddp.djn/mbr/iha
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In der Korruptionsaffäre bei Siemens wird der ehemalige Vorstand angeblich durch eine neue Aussage schwer belastet. Demnach soll laut einem Medienbericht der Vorstand in ein Schmiergeldgeschäft in Argentinien eingeweiht gewesen sein. Auch lasse Siemens-Chef Peter Löscher derzeit den Beratervertrag mit dem früheren Vorstand Uriel Sharef überprüfen.
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