München sei zu einem Zentrum der Proteste geworden, sagte ein Studentenvertreter auf der Kundgebung. Nun dürfe man sich nicht auf diesem Erfolg ausruhen, sondern müsse erneut auf die Straße gehen, um die Forderungen durchzusetzen. Ein weiterer Redner stellte klar, warum sich die Studenten engagieren: Sie wollten nicht weiter als «Generation Praktikum und Generation Komasaufen» abgestempelt werden. «Niemand traut uns zu, eine eigene Meinung zu haben, aber durch Demos wie heute zeigen wir, dass nicht mehr über unsere Köpfe hinweg entschieden werden kann», betonte er unter dem Jubel und Applaus der Demonstranten.
Staatskanzleichef Schneider erklärte: «Studium muss mehr sein als das Sammeln von Credit-Points. Deswegen wollen wir die Umsetzung der Bologna-Beschlüsse, die Folgen und Auswirkungen für Studierende und Dozenten genau überprüfen und da, wo es notwendig ist, auch entsprechende Korrekturen durchführen.» Der CSU-Politiker verwies darauf, dass die Staatsregierung trotz der schwierigen Haushaltssituation bereits mehr als 3000 neue Stellen für die Hochschulen bewilligt habe.
Die FDP-Fraktion im Landtag stimmt mit den Kritikpunkten der Demonstranten bezüglich der Bachelor- und Masterprogramme überein. «Die Umsetzung der Beschlüsse an den Hochschulen ist enttäuschend», sagten die bildungspolitische Sprecherin Renate Will und die jugendpolitische Sprecherin Julika Sandt.
SPD und Grüne stellten im Bezug auf den Bildungsstreik Dringlichkeitsanträge im Landtag. Die SPD-Landtagsfraktion forderte Korrekturen der Bachelor- und Masterprogramme. »Der Bologna-Prozess muss jetzt nachjustiert werden. Ein weiteres Hinhalten darf es nicht geben«, sagte die hochschulpolitische Sprecherin Isabell Zacharias. Die forschungspolitische Sprecherin Natascha Kohnen bedauerte, dass durch den überregulierten Studienaufbau und die verschulten Studiengänge das freie wissenschaftliche Arbeiten erschwert werde.
Der Fokus des Dringlichkeitsantrages der Grünen liegt auf der Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Studenten. »Hörsaalbesetzungen der Studierenden sind vollkommen gerechtfertigt angesichts der völlig unzureichenden Studienfinanzierung, der ungerechten Studiengebühren sowie der anhaltenden Unterfinanzierung der Hochschulen', sagte die hochschulpolitische Sprecherin Ulrike Gote. Die Grünen fordern die Abschaffung der Studiengebühren und ein breites Stipendiensystem.
Seit etwa zwei Wochen halten Studenten in Bayern unter anderem in München, Coburg, Würzburg, Regensburg und Augsburg Hörsäle besetzt. Bundesweit wird an Universitäten für eine Verbesserung der Bildungssituation demonstriert.
(Weitere Quellen: Schneider, Sandt, Will, Gote, Kohnen, Zacharias in Mitteilungen)
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