«Es ist ein bisschen so, als ob man Vater wird», sagt Samuel Wittwer, Direktor der Abteilung Schlösser und Sammlungen, am Donnerstag zu einer der größten Rückgabeaktionen in der Geschichte der Stiftung.
Am 3. März klingelte das Telefon in Wittwers Büro. Ein Mann behauptete, er habe drei Gemälde, die für die Stiftung von Interesse sein könnten. Einige Tage später fuhr der Herr mit seinem Wagen vor Wittwers Büro vor, nahm drei in Decken gehüllte Bilder aus dem Kofferraum und legte sie auf den Schreibtisch. «Als ich sah, dass es Gemälde von Peter Paul Rubens und Jean Raoux waren, konnte ich es kaum glauben», berichtete Wittwer. Daraufhin teilte der Mann mit, dass er noch mehr Bilder habe. «Erst waren es drei, dann sieben und am Ende zehn Werke» sagt Wittwer.
Wittwer fuhr mit dem Mann in dessen Wohnung nördlich von Berlin in der Nähe von Oranienburg. In einem Wäscheschrank lagen drei weitere Gemälde. «Der Mann und seine Frau wussten nicht, um welche Schätze es sich hier handelte», erzählt Wittwer. Eigentlich wollte das Ehepaar seine Wohnung entrümpeln und hatte drei Bilder an ein Berliner Auktionshaus gegeben. Bei einer routinemäßigen Kontrolle wurde klar, dass es sich nicht um gewöhnlichen Ölgemälde handelt. Daraufhin meldete sich der Mann bei der Schlösserstiftung.
Alle zehn Bilder im Besitz des Ehepaares waren ursprünglich Teil der Gemäldesammlung Friedrichs des Großen in der Bildergalerie in Sanssouci, wie SPSG-Gemäldekustodin Alexandra Bauer sagt. Zusammen mit 310 weiteren Exponaten waren die Gemälde 1942 nach Schloss Rheinsberg ausgelagert worden, um sie vor möglichen Kriegsschäden zu bewahren. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde ein Großteil dieser Werke in die Sowjetunion abtransportiert. Einzelne Exponate seien jedoch von Rheinsbergern zuvor in Sicherheit gebracht worden, sagt Bauer.
Dazu gehörten auch die zehn Gemälde, die jetzt wieder aufgetaucht sind. 1945 versteckte Olga Birkemeier, die Frau des damaligen Kastellans auf Schloss Rheinsberg, die zehn Gemälde in ihrer Wohnung, um deren Abtransport in die Sowjetunion zu verhindern. Einige Jahre später übergab sie die Bilder ihrer Schwester, ohne ihr zu sagen, um welche Schätze es sich handelt. «Damit lagerten die Bilder nun in einer Wohnung irgendwo in Ostberlin, ohne dass die Besitzerin ahnte, welchen Schatz sie besaß», sagt Alexandra Bauer.
Als die alte Dame aus Ostberlin zu ihrer Tochter und deren Ehemann in die Nähe von Oranienburg zog, nahm sie die Gemälde mit. Dort lagen die Werke nun in Wäscheschränken - bis die Familie Anfang dieses Jahres beschloss, die Wohnung zu entrümpeln. «Wir sind sehr froh darüber, dass die Werke wieder aufgetaucht sind', sagt Wittwer. Es sei auch ein angemessener Finderlohn gezahlt worden.
Die zehn Gemälde sind nach Angaben der Schlösserstiftung in einem guten Zustand. Bis Mitte Oktober werden sie erst einmal in einer Sonderpräsentation in der Bildergalerie Sanssouci zu sehen sein. Danach sollen sie restauriert werden und ab 2011 im kleinen Kabinett der Bildergalerie gezeigt werden.
ddp





























