'Würdige Arbeit und gerechter Lohn': Zum Tag der Arbeit hat der Deutsche Gewerkschaftsbund von der Regierung einen deutlich stärkeren Einsatz für menschenwürdige Arbeitsbedingungen gefordert. Auf der Hauptkundgebung zum 1. Mai sagte DGB-Chef Michael Sommer am Sonntag in Kassel, die Gewerkschaften würden nicht zulassen, dass Arbeit weiter entwertet, entrechtet und jeder Perspektive beraubt werde.
Vergrößern 'Würdige Arbeit und gerechter Lohn' | Bild: © dapd

Kassel (dapd). Sommer forderte insbesondere die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro. Bundesweit nahmen 423.000 Menschen teil, 41.000 weniger als 2010.

Sommer sagte, wer den Sozialstaat angreife, die sozialen Sicherungssysteme aushöhle oder Kopfpauschalen und Armutsrenten durchsetze, der bekämpfe letztlich auch den Wert von Arbeit. Deutschland müsse 'den Menschen die Würde von Arbeit und gerechtem Lohn garantieren'.

Die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns und die Verhinderung von Lohndumping blieben zentrale Forderungen, gerade im Hinblick auf die am 1. Mai in Kraft getretene Arbeitnehmerfreizügigkeit, sagte Sommer vor rund 4.000 Teilnehmern. 'Es gibt leider genug Arbeitgeber in Deutschland, die auf billige Arbeit aus dem Osten hoffen, die meinen, so ihrer Pflicht zur Ausbildung oder zu einer gerechten Entlohnung entkommen zu können', kritisierte er.

Zusammen mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel verfasste Sommer ein gemeinsames Papier zur Arbeitspolitik, das erste dieser Art seit vielen Jahren. In dem am Samstag veröffentlichen Beitrag heißt es unter anderem, nirgendwo sonst sei die Entwertung von Arbeit so greifbar wie in Deutschland. 'Nirgendwo sonst ist der Arbeiterstolz, der dieses Land aufgebaut und zu Wohlstand geführt hat, so beschädigt wie bei jenen, die hart arbeiten und trotzdem nicht davon leben können.'

Huber fordert Kurswechsel

Im vergangenen Jahr hatte der DGB 464.000 Teilnehmer gemeldet. Schon damals waren 20.000 weniger als im Jahr davor gekommen. Sommer erklärte, die Teilnehmerzahl liege deutlich über den Erwartungen und sei ein 'deutliches Signal an die Bundesregierung, ihre unsoziale, ungerechte Politik zu ändern und ihre Blockadehaltung in Sachen gesetzlichem Mindestlohn aufzugeben'. Faire Löhne, gute Arbeit und soziale Sicherheit seien das Mindeste, was Arbeitnehmer 'in diesem Land erwarten, brauchen, ja immer wieder erkämpfen müssen'.

IG-Metall-Chef Berthold Huber nahm auf einer Kundgebung zum 1. Mai in Nürnberg die Finanzmarktkrise ins Visier und forderte einen grundlegenden Kurswechsel in Politik und Wirtschaft. Ein globaler Finanz-GAU könne sich jederzeit wiederholen, weil daraus keine Lehren gezogen und keine Veränderungen eingeleitet worden seien. Auch Huber forderte zum Kampf gegen eine 'Verrohung des Arbeitsmarktes' auf.

Derweil wurde bekannt, dass dem DGB Entlassungen in den eigenen Reihen bevorstehen. Das DGB-Bildungswerk schließe in den Standorten Hamburg und Bayern zwei seiner vier Häuser, berichteten die Nachrichtenmagazine 'Focus' und 'Spiegel'. Bis zu 60 Mitarbeiter könnten ihre Arbeit verlieren.

dapd