Hamburg/Wolfenbüttel (ddp-nrd). Der Bund hat sich die Öffentlichkeitsarbeit für das marode Atommülllager Asse offenbar über Jahre von den Energiekonzernen finanzieren lassen. Zwischen 1997 und 2002 seien fast 700 000 Euro über die Lobbyorganisation Deutsches Atomforum an den damaligen Asse-Betreiber GSF, das heutige Helmholtz Zentrum München, geflossen, berichtete der «Spiegel» vorab am Wochenende. Die Grünen kündigten an, die Rolle des Atomforums im Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags genauer unter die Lupe zu nehmen.

Laut «Spiegel» wurden mit den Zuwendungen nach Absprache mit dem Bund unter anderem Personal- und Verwaltungskosten für Besucherführungen finanziert. Die Kosten für die Besucherbetreuung hatte dem Bericht zufolge zuvor die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) übernommen, die als Tochterunternehmen der Atomkraftwerksbetreiber die geplanten Wiederaufbereitungsanlagen in Gorleben und Wackersdorf betreiben sollte. Nach dem Scheitern dieser Vorhaben und der Auflösung der DWK Anfang der 90er Jahre habe das Geld gefehlt, das offiziell als Forschungsbergwerk firmierende Lager Asse weiterhin positiv in der Öffentlichkeit darzustellen.

Deshalb hätten die Verantwortlichen eine Lösung mit dem Deutschen Atomforum gesucht, um eines der «positivsten Vorzeigeobjekte der deutschen Kerntechnik» weiterhin präsentieren zu können. Nach Bekanntwerden der gravierenden Missstände in der Asse distanzierten sich die Energiekonzerne den Angaben zufolge allerdings von dem Atommülllager. Dieses sei eine Einrichtung der öffentlichen Hand, heißt es dem Bericht zufolge inzwischen in einer «Sprachregelung» des Deutschen Atomforums.

Nach Ansicht des niedersächsischen Grünen-Fraktionschefs Stefan Wenzel steckt der Lobbyverband jedoch «tiefer im Asse-Sumpf» als er öffentlich behaupte. Noch in der vergangenen Woche habe der Präsident des Atomforums, Walter Hohlefelder, behauptet, dass die Kraftwerksbetreiber an den Vorgängen in der Asse nicht beteiligt gewesen seien. Jetzt zeige sich, dass sie «nicht nur die Lieferanten des Mülls waren, sondern über ihre Lobbytruppe Atomforum auch noch die Öffentlichkeitsarbeit für die Schachtanlage Asse bezahlt hätten.»

Das Deutsche Atomforum war für eine Stellungnahme am Wochenende nicht zu erreichen. Das Atomforum wurde bereits im Jahr 1959 gegründet, um die friedliche Nutzung der Kernenergie in der Bundesreplik Deutschland zu fördern. Mitglieder sind neben Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft auch Forschungseinrichtungen und Einzelpersonen. Der langjährige E.ON-Vorstand Hohlefelder ist seit 2004 Präsident des Deutschen Atomforums.

(Weitere Quellen: Wenzel auf Anfrage)

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