Bundesregierung, Verteidigung

Berlin / Hannover - Die umstrittene Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gründlich auf Regelverstöße untersucht.

28.09.2015 - 16:44:06

Hochschule leitet Prüfung von Leyens Doktorarbeit ein

  • Ursula von der Leyen - Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

    Die Plagiatsplattform Vroniplag Wiki wirft Verteidigungsministerin von der Leyen schwere Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vor. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv

  • Merkel und Guttenberg - Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

    Vom Hoffnungsträger zum Ex-Minister: Karl-Theodor zu Guttenberg unterhält sich im Bundestag mit Angela Merkel. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

  • Karl-Theodor zu Guttenberg - Foto: Michael Kappeler/Archiv

    Karl-Theodor zu Guttenberg musste das Amt des Bundesverteidigungsministers abgeben, nachdem Plagiate in seiner Doktorarbeit nachgewiesen worden waren. Foto: Michael Kappeler/Archiv

  • Silvana Koch-Mehrin - Foto: Patrick Seeger/Archiv

    Die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin wurde ebenfalls beim nicht regelkonformen Zitieren erwischt und verlor ihren Doktortitel. Foto: Patrick Seeger/Archiv

  • Annette Schavan - Foto: Michael Kappeler/Archiv

    Auch sie verlor ihren Doktortitel: Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Foto: Michael Kappeler/Archiv

  • Doktorarbeit Schavan - Foto: Daniel Naupold/Archiv

    Über diese Dissertation stolperte die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Foto: Daniel Naupold/Archiv

  • Martin Heidingsfelder - Foto: Daniel Karmann/Archiv

    Martin Heidingsfelder, Gründer der Plattform VroniPlag, hat schon mehrere Politiker in Bedrängnis gebracht. Foto: Daniel Karmann/Archiv

  • Jorgo Chatzimarkakis - Foto: Der EU-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis bekam wie seine FDP-Kollegin Silvana Koch-Merhin Schwierigkeiten wegen seiner Doktorarbeit. Foto: Julien Warnand/Archiv

    Der EU-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis bekam wie seine FDP-Kollegin Silvana Koch-Merhin Schwierigkeiten wegen seiner Doktorarbeit. Foto: Julien Warnand/Archiv

Ursula von der Leyen - Foto: Carmen Jaspersen/ArchivMerkel und Guttenberg - Foto: Wolfgang Kumm/ArchivKarl-Theodor zu Guttenberg - Foto: Michael Kappeler/ArchivSilvana Koch-Mehrin - Foto: Patrick Seeger/ArchivAnnette Schavan - Foto: Michael Kappeler/ArchivDoktorarbeit Schavan - Foto: Daniel Naupold/ArchivMartin Heidingsfelder - Foto: Daniel Karmann/ArchivJorgo Chatzimarkakis - Foto: Der EU-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis bekam wie seine FDP-Kollegin Silvana Koch-Merhin Schwierigkeiten wegen seiner Doktorarbeit. Foto: Julien Warnand/Archiv

Nach einer Vorprüfung durch eine Ombudsperson entschied die Hochschulleitung, nun eine fünfköpfige Kommisssion mit einer «förmlichen Untersuchung», also einer Hauptprüfung, zu betrauen. Dies lasse aber keinen Rückschluss auf das Ergebnis zu, hieß es.

Die Ministerin hatte die Überprüfung selbst angestoßen, weist die Vorwürfe, sie habe «gnadenlos kopiert», aber vehement zurück. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass von der Leyen auf der Internetseite Vroniplag Wiki schwere Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vorgeworfen werden.

Der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, forderte die Aberkennung des Doktortitels von der Leyens. «Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Schwelle zur Einleitung der Hauptprüfung sei im Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) der Medizinischen Hochschule Hannover grundsätzlich niedrig, hieß es. Die fünfköpfige Prüfungskommission besteht aus vier gewählten Mitgliedern aus den großen Bereichen der Hochschule sowie einem Experten für das Rechtswesen. Die Schwelle zur Einleitung der Hauptprüfung sei im Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) der Medizinischen Hochschule grundsätzlich niedrig, hieß es.

Nach Einschätzung von Plagiatsjäger Gerhard Dannemann schludern Mediziner bei ihren Doktorarbeiten häufiger als andere Wissenschaftler. «Der Publikationsdruck ist oft extrem hoch», sagte der Berliner Juraprofessor der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig seien Dissertationen mit Datenanalysen, wie es in der Medizin oft der Fall sei, schwer zu überprüfen. Dannemann und weitere Wissenschaftler dokumentieren ihre Untersuchungen zu Plagiaten in Promotionen auf der Internetseite «VroniPlag Wiki».

Mediziner stellen laut Statistischem Bundesamt die größte Gruppe der Doktortitel-Träger. 2014 bestanden rund 6300 Humanmediziner die Promotionsprüfung. Bei den Prüfungen gibt es kaum Durchfaller.

Die SPD will den Täuschungsvorwurf gegen die Verteidigungsministerin derzeit nicht bewerten. Es seien «schwerwiegende Behauptungen», die nun auf eigenen Wunsch der Ministerin überprüft würden. Dem Ergebnis sollte man nicht vorgreifen: «Ich kenne weder die Doktorarbeit, noch bin ich ein unabhängiger Prüfer», sagte SPD-Vize Ralf Stegner am Montag in Berlin.

Ganz kalt lässt es die Genossen natürlich nicht, ob der Vorgang der prominenten Christdemokratin noch gefährlich werden könnte: «Ich bin genauso gespannt auf das Ergebnis wie sie vermutlich auch», schob Stegner auf einer Pressekonferenz nach.

Aus der eigenen Partei erhielt von der Leyen Unterstützung. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sagte der «Rheinischen Post» (Montag): «Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme lösen und Herausforderungen angehen. Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe.»

Auch der Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten (CDU), sprang der Ministerin zur Seite: «Für sie gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist», sagte er und fügte hinzu: «Das ist kein Bereich, in dem man jemand politisch ein Bein stellt.»

@ dpa.de