Regierungen, USA

WASHINGTON - Nach dem Krieg der Worte ist im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA die Zeit der Diplomatie angebrochen.

11.08.2017 - 21:56:39

Hinter der Rhetorik-Fassade regiert die Diplomatie. "Die US-Bemühungen sind von der Diplomatie getrieben. Sie zeitigen diplomatische Ergebnisse", sagte Verteidigungsminister James Mattis am späten Donnerstagabend. Die Möglichkeit eines Krieges mit Nordkorea bezeichnete der frühere General als "katastrophal".

Den eher besonnen gewählten Worten von Mattis steht in den USA die Rhetorik von Präsident Donald Trump gegenüber. Am Freitag erklärte Trump auf Twitter: "Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig." Die USA stünden bereit, sollte Nordkorea unklug handeln.

Im Original-Tweet nutzt der US-Präsident die englische Redewendung "locked and loaded". Ursprünglich wurde sie wohl auf das Ladeverfahren bestimmter Schusswaffen bezogen und ist inzwischen sprichwörtlich geworden. Sie wird häufig auch im nichtmilitärischen Kontext gebraucht, etwa um auszudrücken, dass jemand bereit ist, zur Tat zu schreiten. Am ehesten entspricht dem die deutsche Wendung "Gewehr bei Fuß". Wörtlich übersetzt würde es lauten: "gesichert und geladen". Es findet sich allerdings auch die Übersetzung "entsichert und geladen".

Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg", fügte Trump hinzu.

Tags zuvor hatte er erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei in einem guten Zustand. "Es ist in Tip-Top-Verfassung", sagte Trump. "Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen."

Trump kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump. Er räumte jedoch ein, grundsätzlich auch zu Verhandlungen bereit zu sein. Die Börsen in aller Welt reagierten auf die Kriegsgefahr mit einem Abwärtstrend.

Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Nordkorea droht mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, allerdings halten Nordkorea-Experten eine Ausführung für unwahrscheinlich Trump hatte angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit "Feuer und Wut" beantworten zu wollen.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer "schandvollen Niederlage" rechnen, sollten sie weiter auf "extreme militärische Abenteuer" sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Politiker aus aller Welt rufen deshalb zur Mäßigung auf. "Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Zudem rief sie dazu auf, die Bemühungen um eine friedliche Lösung zu verstärken. "Ich sehe auch keine militärische Lösung dieses Konflikts."

Stattdessen müsse man versuchen, im UN-Sicherheitsrat und durch Kooperation auch mit China voranzukommen. "Deutschland wird hier bei den Lösungsmöglichkeiten, die wir sehen, nicht-militärischer Art dabei sein", sagte Merkel.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz brachte eine diplomatische Lösung nach dem Vorbild des Atomdeals mit dem Iran ins Gespräch. "Vielleicht kann man mit einer vergleichbaren Vorgehensweise die nukleare Rüstungsbegrenzung in Nordkorea erreichen", sagte der Parteichef der Sozialdemokraten am Freitag in Berlin.

Auch Russland mahnt Vernunft auf beiden Seiten an. "Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

"Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern", sagte Lawrow. Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. "Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird." Australiens Regierung erklärte, das Land sei im Falle eines Angriffs auf die USA zum Beistand verpflichtet.

US-Verteidigungsminister Mattis erklärte, die USA verfolgten gegenwäritig eine politische Linie beim Versuch, den Konflikt zu lösen. Die Einigkeit im UN-Sicherheitsrat, wo auch Russland und China einer Verschärfung von Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt hatten, zeige aber, wie ernst die Lage sei. "Man sieht die einhellige Meinung, dass dies eine Bedrohung für die Welt ist."

Wie kleinteilig die Bemühungen auf diplomatischer Ebene sind, zeigte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Ihr Haus mache derzeit Druck auf Staaten, die Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen. Dies solle eingestellt werden, damit die Arbeiter das im Ausland verdiente Geld nicht zurückschicken könnten, wo es für militärische Zwecke der Regierung abgezweigt werde.

Wie Trump betont auch Mattis, dass das US-Militär bereit sei, um einem bewaffneten Konflikt zu begegnen. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die USA keinesfalls in einen Krieg gezogen werden wollen. Selbst wenn Nordkorea sich wie angedroht dazu entschließen würde, eine Rakete in die Gewässer vor der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern, wird keine militärische Reaktion der USA erwartet. Auch vor einem Abschuss eines nordkoreanischen Flugkörpers könnten die US-Streitkräfte zurückschrecken, um die technisch heikle Raketenabwehr nicht einem möglichen Versagen auszusetzen.

Der Konflikt spitzt sich seit Monaten zu. Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

@ dpa.de

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