Regierungen, Frankreich

PARIS - Wenn die Franzosen in einer guten Woche an die Wahlurnen gehen, steht viel auf dem Spiel.

14.04.2017 - 16:16:24

Arbeitslosigkeit bis Terror: 7 Knackpunkte vor der Frankreich-Wahl. Die hohen Umfragewerte für die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen machen die Präsidentschaftswahl zu einer Abstimmung über Frankreichs Platz in Europa. Viele Menschen sind enttäuscht von den als gescheitert wahrgenommenen Amtszeiten des Konservativen Nicolas Sarkozy und des Sozialisten François Hollande.

ARBEITSLOSIGKEIT Die dramatische Situation am Arbeitsmarkt ist seit Jahren eins der größten Probleme Frankreichs. Die Arbeitslosenquote liegt nach Vergleichszahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat bei 10 Prozent und damit rund zweieinhalb Mal so hoch wie in Deutschland. Vor allem junge Leute haben es schwer, einen Job zu finden - hier liegt die Quote der Arbeitssuchenden bei fast 24 Prozent. Dass der scheidende Präsident François Hollande es trotz wiederholter Versprechen nicht schaffte, den Trend umzudrehen, wird ihm schwer angekreidet. Nach immer neuen Höchstständen ging die Zahl der Arbeitslosen 2016 erstmals seit neun Jahren leicht zurück. Aber das ist bislang nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

WACHSTUM Frankreichs Wirtschaft kommt nicht richtig in die Gänge, die Konjunktur hinkte in den vergangenen drei Jahren in der Eurozone hinterher. 2016 lag das Wachstum bei 1,1 Prozent, die Euro-Zone kam dagegen nach OECD-Schätzungen auf 1,7 Prozent. Allerdings zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab: Für dieses und das kommenden Jahr sagen etwa Experten der EU-Kommission voraus, dass der französische Motor etwas an Fahrt aufnimmt und sich dem robusten Tempo der deutschen Wirtschaft annähert. Eine Reihe von Konjunkturindikatoren sind positiv. Und in manchen Wirtschaftsbereichen ist Frankreich richtig stark, etwa in der Luxusindustrie, der Luftfahrtbranche oder dem Tourismus.

SCHULDENBERG Um die Jahrtausendwende lagen Frankreich und Deutschland beim Schuldenstand noch gleichauf - doch seitdem ist Frankreichs Staatsverschuldung durch die Decke gegangen. Inzwischen türmt sich der Schuldenberg auf mehr als 96 Prozent der Wirtschaftskraft, Tendenz weiter steigend. In Deutschland sind es gut 68 Prozent, Tendenz sinkend. Mit großen Mühen hat Frankreich in den vergangenen Jahren sein jährliches Haushaltsdefizit zurückgefahren und will 2017 erstmals seit 2007 unter der europäischen Grenze von maximal drei Prozent der Wirtschaftskraft bleiben. Der Pariser Rechnungshof hat kürzlich aber Zweifel geäußert, ob das zu schaffen ist. Die Staatsausgaben liegen bei 56 Prozent der Wirtschaftskraft, so hoch wie kaum irgendwo in der EU.

REFORMSTAU Versuche, das Land zu reformieren, stoßen in Frankreich oft auf heftigen Widerstand. Das zeigten etwa die monatelangen Proteste gegen eine gar nicht mal sonderlich weitreichende Arbeitsmarktreform im vergangenen Frühjahr. Unternehmer klagen immer wieder über viel Bürokratie und hohe Abgaben. Allerdings hat sich durchaus etwas getan, unter Präsident Hollande wurden Firmen entlastet und das Arbeitsrecht gelockert.

Auch bei der Wettbewerbsfähigkeit bewegt sich etwas, die OECD sieht Fortschritte bei Arbeitskosten und Investitionsklima. Falsch ist das Klischee, dass Beschäftigte in Frankreich weniger arbeiten als in Deutschland - obwohl die Regelarbeitszeit bei 35 Wochenstunden liegt, arbeitet jeder französische Beschäftigte pro Jahr durchschnittlich mehr als 100 Stunden mehr als seine deutschen Kollegen. Und auch die Produktivität (die Wirtschaftsleistung pro Arbeitsstunde) ist ähnlich hoch wie in Deutschland.

TERROR Die beispiellose Serie islamistischer Anschläge seit Anfang 2015 hat Frankreich tief erschüttert, 238 Menschen wurden ermordet. Im Land gilt der Ausnahmezustand; an Bahnhöfen, Flughäfen, Touristenattraktionen und anderen gefährdeten Orten patrouillieren Soldaten. Befugnisse und Mittel der Sicherheitskräfte wurden gestärkt. Die Sicherheitspolitik bleibt eine große Herausforderung, rund 2300 Menschen aus Frankreich sollen in dschihadistischen Netzwerken aktiv oder aktiv gewesen sein oder es versucht haben - so viele wie in keinem anderen EU-Land.

EINWANDERUNG UND IDENTITÄT Einwanderung und Integration, der Platz der Religion (und vor allem des Islam) in der Gesellschaft und die Werte der Republik sind in Frankreich seit Jahren ein Reizthema. Das zeigte etwa die bizarre, aufgeheizte Debatte um lokale Verbote von "Burkinis" (Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen) im vergangenen Sommer an der Côte d'Azur: Die eine Seite sah in ihnen ein Symbol radikaler Gesinnung, die andere in den Verboten eine Stigmatisierung.

Dahinter stecken echte Probleme: Die soziale Abkopplung mancher Vorstädte, die überwiegend von Einwanderern aus Nordafrika bewohnt werden, Probleme mit Radikalisierung und eine tiefe Verunsicherung des französischen Selbstverständnisses angesichts der Globalisierung. Eine Konsequenz war, dass weite Teile der französischen Politik die deutsche Flüchtlingspolitik sehr kritisch sahen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wird immer wieder betont, dass Frankreich nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen könne. Dabei liegt die Zahl der Asylanträge mit 85 000 im vergangenen Jahr deutlich niedriger als in Deutschland.

RECHTSRUCK Seit Marine Le Pen 2011 die Führung der Rechtsaußen-Partei Front National von ihrem Vater Jean-Marie übernommen hat, eilt sie von einem Wahlerfolg zum nächsten. Bei den Regionalwahlen Ende 2015 stimmten 27 Prozent der Wähler für FN-Kandidaten: 6,8 Millionen Franzosen, Rekord. Dabei setzt Marine Le Pen auf eine Strategie der "Entteufelung", um der Partei ein bürgerlicheres Image zu verschaffen

- ohne jedoch ihre Kernpositionen gegen EU und Einwanderung

aufzugeben. Das französische Mehrheitswahlrecht hat die Partei bislang aber gehindert, auf nationaler Ebene Machtpositionen zu erobern.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Chinas Bonitätswächter stufen Kreditwürdigkeit der USA ab. Die Bonitätsnote werde von "A-" auf "BBB+" gesenkt, teilte das Unternehmen Dagong am Dienstag in Peking mit. Zudem ist der Ausblick 'negativ' - es droht also eine weitere Abstufung. Die Fähigkeit der USA zur Refinanzierung der bestehenden Schulden schwinde seit Jahren immer weiter, heißt es in der Mitteilung. PEKING - Wegen der umstrittenen Steuerreform von US-Präsident Donald Trump hat eine der führenden chinesischen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft. (Wirtschaft, 16.01.2018 - 14:48) weiterlesen...

WDH/Groschek: Noch viele Unentschlossene vor SPD-Parteitag (Im 7. (Wirtschaft, 16.01.2018 - 14:42) weiterlesen...

Jordanien, Zypern und Griechenland wollen enger kooperieren. Ausgebaut werden soll die Kooperation vor allem bei der Terrorismusbekämpfung, aber auch in den Bereichen erneuerbare Energie, Kultur, Bildung, Gesundheit, Tourismus und Handelsschifffahrt, teilte der zyprische Präsident Nikos Anastasiades am Dienstag mit. Zu dem Mini-Gipfel hatte Anastasiades den jordanischen König Abdullah II. und den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras in der zyprischen Hauptstadt Nikosia empfangen. NIKOSIA - Jordanien, Griechenland und Zypern wollen sich gemeinsam für mehr Stabilität im östlichen Mittelmeer und speziell im Nahen Osten einsetzen. (Wirtschaft, 16.01.2018 - 14:18) weiterlesen...

GKV-Chefin Pfeiffer: Flüchtlinge entlasten Krankenversicherung. Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, 2016 seien vor allem junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren neu in die gesetzliche Krankenversicherung gekommen. Davon seien mehr als 60 Prozent Männer und an die 40 Prozent Frauen gewesen. BERLIN - Die Zuwanderung von EU-Bürgern und Flüchtlingen wirkt sich nach Angaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) positiv auf ihre finanzielle Stabilität aus. (Wirtschaft, 16.01.2018 - 13:28) weiterlesen...

WDH/ROUNDUP: Bundesverfassungsgericht stellt Einheitswerte infrage. (Angabe im letzten Absatz korrigiert: Kirchhof ist Vorsitzender des Ersten Senats) WDH/ROUNDUP: Bundesverfassungsgericht stellt Einheitswerte infrage (Wirtschaft, 16.01.2018 - 13:26) weiterlesen...

Boris Johnson: Brexit-Wahlversprechen war zu niedrig kalkuliert. Johnson hatte im Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 damit geworben, das Land könne nach dem Brexit wöchentlich 350 Millionen Pfund (damals umgerechnet 440 Millionen Euro) an EU-Beiträgen einsparen und dem staatlichen Gesundheitsdienst NHS zuführen. Demonstrativ tourte er mit einem entsprechend bedruckten Bus durchs Land - und wurde dafür heftig kritisiert. LONDON - Der britische Außenminister Boris Johnson hat in der Debatte um ein umstrittenes Brexit-Wahlversprechen nachgelegt und damit Gegner des EU-Austritts in seinem Land provoziert. (Wirtschaft, 16.01.2018 - 13:05) weiterlesen...