Indikatoren, Deutschland

NÜRNBERG/WIESBADEN - Deutschland muss sich nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern in den nächsten vier Jahrzehnten auf einen starken Arbeitskräfte-Rückgang einstellen.

16.02.2017 - 15:38:26

Bis 2060 knapp sieben Millionen weniger Arbeitskräfte. In den kommenden Jahrzehnten schwinden die Arbeitskräfte, geht aus einer am Donnerstag in Nürnberg veröffentlichten Langzeitprognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zum so genannten Erwerbspersonenpotenzial hervor. Die Abwärtsentwicklung lasse sich selbst mit Zuwanderern allenfalls abmildern, schreiben die Fachleute.

Selbst bei 200 000 Zuwandern im Jahr werde die Zahl der Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2060 um rund 6,9 Millionen niedriger liegen als heute. Sie werde voraussichtlich von 45,832 Millionen im Jahr 2015 auf 38,9 Millionen zurückgehen, haben die Nürnberger Wissenschaftler errechnet. In der Rechnung sei bereits einkalkuliert, dass künftig mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen werden und ältere Beschäftigte länger in ihrem Beruf bleiben.

Ohne Zuwanderung würde es nach der IAB-Prognose mit der Zahl der Erwerbspersonen noch deutlich schneller bergab gehen. Bereits im Jahr 2030 würde die Zahl der Arbeitskräfte um 3,8 Millionen sinken, im Jahr 2050 gäbe es bereits knapp 11,4 Millionen weniger Arbeitskräfte; bis zum Jahr 2060 würde die Lücke auf rund 15 Millionen steigen.

Um das Arbeitskräfteangebot auf dem heutigen Niveau zu halten, bräuchte Deutschland nach Berechnungen der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit in den kommenden Jahrzehnte jährlich eine Zuwanderung von 400 000 ausländischen Arbeitskräften.

Hauptgründe für die wachsende Arbeitskräfte-Lücke sind nach Feststellungen der Forscher neben der Überalterung der deutschen Gesellschaft die niedrigen Geburtenraten: Allein zwischen 2015 und 2030 gingen auf das Konto des demografischen Effekts mehr als 6 Millionen Arbeitskräfte, bis 2060 seien es 18,1 Millionen. Dem werden voraussichtlich nur knapp 3 Millionen zusätzliche erwerbsfähige Frauen und Ältere gegenüberstehen und die Entwicklung abmildern.

Der Arbeitskräftemangel müsse dennoch nicht zwangsläufig in einen Fachkräftemangel münden, geben die Forscher zu bedenken. Volkswirtschaften seien in der Lage, sich an solche veränderten Situationen anzupassen. Abgefedert werden könnte die sinkende Zahl der Erwerbspersonen auch von der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft. Trotzdem werde künftig Zuwanderung notwendig sein. Auch müsse mehr dafür getan werden, Müttern die Rückkehr ins Berufsleben und Älteren den längeren Verbleib in ihrem Job zu ermöglichen.

Ende 2016 war die Erwerbstätigenzahl in Deutschland indes dank der guten Konjunktur und mehr Jobs in Dienstleistungsberufen auf einen Höchststand gestiegen. Mit 43,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in der Bundesrepublik zählte das Statistische Bundesamt im vierten Quartal einen Rekord seit der Wiedervereinigung, wie es am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Allerdings legte die Beschäftigung mit einem Plus von 0,6 Prozent gemessen am Vorjahresquartal langsamer zu. Im ersten Quartal 2016 hatte das Plus binnen Jahresfrist noch 1,3 Prozent betragen, im zweiten Quartal 1,2 Prozent und im dritten Quartal 0,8 Prozent. Während mehr Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche entstanden, sank die Zahl der Jobs im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) sowie in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei.

@ dpa.de

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