Maschinenbau, Elektro

Neues Prüfverfahren.

24.10.2016 - 12:33:24

Wirtschaftsministerium prüft Aixtron-Übernahme erneut. Chinesische Investoren waren bei der Übernahme des Spezialmaschinenbauers Aixtron schon fast am Ziel. Doch nun meldet das Bundeswirtschaftsministerium Bedenken an.

Herzogenrath/Berlin - Die Übernahme des Spezialmaschinenbauers Aixtron durch chinesische Investoren steht auf der Kippe. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt den Deal erneut auf den Prüfstand.

Die Anfang September an Fujian Grand Chip Investment (FGC) erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung sei widerrufen worden, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. «Das bedeutet, dass das BMWI jetzt wieder in das Prüfverfahren eintritt.»

Zu den Gründen und weiteren Einzelheiten äußerte sich die Ministeriumssprecherin zunächst nicht. Zuvor hatte Aixtron mitgeteilt, das Unternehmen sei am späten Freitagabend informiert worden. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Gründe für die erneute Prüfung seien dem Unternehmen nicht bekannt.

Grand Chip Investment hatte Ende Juli ein 670 Millionen Euro schweres Kaufangebot für Aixtron abgegeben. Zuletzt hatte es noch so ausgesehen, als ob die Chinesen fast am Ziel sind. Bis Ende vergangener Woche waren ihnen eigenen Angaben zufolge rund 65 Prozent der Anteile angeboten worden. Die Annahmefrist war am Freitag ausgelaufen, die Annahmeschwelle lag bei 50 Prozent plus einer Aktie.

Aixtron stellt Maschinen für die Chipindustrie her. Zuletzt hatten dem Unternehmen verzögerte Aufträge, Preisdruck und hohe Entwicklungskosten zu schaffen gemacht. Die Rheinländer schrieben Verluste und rechnen auch im laufenden Jahr noch mit roten Zahlen. Das Management hatte die Annahme der Offerte empfohlen.

Hinter den chinesischen Bietern stehen nach Informationen aus Branchenkreisen staatlich kontrollierte Fonds. Chinesische Investoren greifen vermehrt nach deutschen Mittelständlern - für Aufsehen hatte insbesondere die Übernahme des Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea gesorgt. Letztlich hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Weg für die Übernahme freigemacht und auf eine vertiefte Prüfung verzichtet.

Allerdings pocht Gabriel seit Monaten auf stärkere politische Einflussnahme gegen unerwünschte ausländische Investoren als derzeit im Außenwirtschaftsgesetz (AWG) vorgesehen. Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnen dagegen vor Abschottung.

«Kein anderes Land ist so sehr von freien Märkten abhängig wie Deutschland. Wir können nicht erwarten, dass andere Märkte für uns offen sind, wenn wir parallel unseren eigenen Markt zumachen», sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer dem «Handelsblatt» (Montag). Das ginge «an die Substanz unserer Wirtschaftsstruktur.»

@ dpa.de