Tourismus, Messen

Im Streit mit Deutschland bleibt der türkische Außenminister hart - und wirbt zugleich um deutsche Touristen.

08.03.2017 - 15:08:25

Türkischer Minister erwartet - Türkei umgarnt zum ITB-Auftakt deutsche Urlauber. Das Land braucht dringend gute Nachrichten. Auch der Deutschland-Tourismus hat zu kämpfen.

Berlin - Der Konflikt mit der Türkei hat den ersten Tag der Reisemesse ITB überschattet. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warb am Mittwoch in Berlin um deutsche Urlauber.

Sein Land sei so sicher wie Deutschland. Im Streit mit Deutschland rief er zu gegenseitigem Respekt auf. Zugleich sagte er: «Wir bitten Deutschland sich zu entscheiden, ob es die Türkei als Freund oder Feind sieht.»

Der Türkei-Tourismus steckt nach mehreren Terroranschlägen und dem Putschversuch im vergangenen Jahr in der Krise. Für Aufregung hatten zuletzt Nazi-Vergleiche des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und auch Cavusoglus gesorgt.

Nach einem schwierigen Reisejahr 2016 hofft die Branche auf wieder steigende Buchungszahlen. Vor allem die boomende Nachfrage nach Griechenland und die Erholung Ägyptens sorgten zuletzt für Zuversicht. Nach einem schwachen Start des Türkei-Geschäfts in die wichtige Sommersaison hofft die Branche vor allem auf Kurzentschlossene.

Das Reiseunternehmen Alltours rechnet mit steigendem Umsatz und mehr Gästen. Die Sommer-Buchungen lägen derzeit im Plus, sagte Markus Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung von Alltours Flugreisen. Nach einem bisher erfolgreichen Wintergeschäft sollten Umsatz und Zahl der Gäste bei anhaltend guten Buchungen insgesamt um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Die Nachfrage nach Türkei-Reisen sei allerdings stark rückläufig. Alltours geht davon aus, dass sich das Geschäft mit kurzfristigen Buchungen belebt.

Unterdessen richtet sich der erfolgsverwöhnte Deutschland-Tourismus auf weniger Wachstum ein. «Ich glaube nicht zwingend daran, dass nach sieben fetten Jahren sieben magere folgen müssen, aber wir müssen uns darauf einstellen, dass es schwächer werden könnte», sagte Klaus Laepple, der Verwaltungsratschef der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT).

2016 war die Zahl der Übernachtungen zwar noch einmal um drei Prozent auf den Rekordwert von 448 Millionen gestiegen. Unterdurchschnittlich wuchsen mit 1,4 Prozent auf rund 81 Millionen allerdings die Übernachtungen ausländischer Gäste, die während des siebenjährigen Booms seit 2010 die Wachstumstreiber waren.

DZT-Vorstandschefin Petra Hedorfer führte das neben wirtschaftlichen Gründen auf Terroranschläge in Europa zurück. Besonders Asiaten seien weniger nach Europa gekommen. «Viele sagen: Wir verschieben unsere Reise.» Wenn die Lage politisch stabil bleibe und keine weiteren Anschläge kommen, sei ein Wachstum des Deutschlandtourismus um zwei Prozent zu erwarten.

Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) mit mehr als 10 000 Ausstellern aus 184 Urlaubsregionen öffnete am Mittwoch für Fachbesucher. Am Wochenende können Privatbesucher sich informieren.

@ dpa.de

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