Deutschland, Frankfurt/Main

Frankfurt / Main - Der Erfolg des europafreundlichen französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron im ersten Wahlgang hat die Aktienmärkte entfesselt.

24.04.2017 - 15:13:43

Börse in Frankfurt - Macrons Etappensieg treibt Dax auf Rekord

Der deutsche Leitindex Dax übersprang erstmals die 12 400-Punkte-Hürde. Die Anleger griffen vor allem bei Bankaktien zu. Dass sich im April zudem die bereits gute Stimmung in den deutschen Unternehmen laut den ifo-Geschäftsklima-Daten weiter deutlich aufhellte, tat ein Übriges.

Am Nachmittag lag der Dax mit 3,13 Prozent im Plus bei 12 425,77 Zählern nur rund 3 Punkte unter seinem Rekordhoch. Der MDax, der die Aktien mittelgroßer Unternehmen enthält, überwand die Marke von 24 500 Punkten und legte zuletzt um 2,17 Prozent auf 24 505,61 Punkte zu. Der Technologie-Index TecDax rückte um 2,01 Prozent auf 2057,08 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit 2001 vor.

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 3,94 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit August 2015. Der französische CAC-40 gewann 4,24 Prozent und stand zeitweise so hoch wie seit 2008 nicht.

Nach dem Erfolg Macrons könnten Wirtschaft und Finanzmärkte erst einmal aufatmen, kommentierte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher. «Mit Emmanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa», erklärte er. Eine wichtige Hürde zur Beendigung der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa sei genommen.

Einige Experten sahen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Macron in der Stichwahl am 7. Mai gegen Marine Le Pen von der Front National siegt. Investoren bewerteten dies ähnlich und wechselten daher aus eher sicheren Anlageformen wie etwa dem japanischen Yen oder Gold zurück in risikoreichere Anlagen wie Aktien.

Der Euro sprang zeitweilig bis auf 1,0911 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit Anfang November. Er wurde zuletzt mit 1,0859 Dollar gehandelt. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,0698 Dollar festgesetzt.

Favoriten der Anleger in Europa waren die Anteilsscheine von Banken und anderen Finanzdienstleistern, die laut Goldman Sachs besonders vom Sieg des wirtschaftsfreundlichen Macron profitierten. Die Risiken nähmen ab, ein konstruktiver Wahlausgang wirke stabilisierend.

Commerzbank-Aktien schossen um 9,40 Prozent nach oben. Die Aktien der Deutschen Bank, die zudem von einer Kaufempfehlung der australischen Bank Macquarie profitierten, gewannen 7,74 Prozent. Zudem kam den Bankaktien auch die Aussicht auf eine weniger strenge Regulierung in den USA zugute: US-Präsident Donald Trump leitete weitere Schritte zum möglichen Regelabbau im US-Finanzsektor ein.

Die als defensiv geltenden Immobilienwerte wie Vonovia oder Deutsche Wohnen wurden dagegen entsprechend gemieden. Sie zählten zu den ganz wenigen Verlierern am deutschen Aktienmarkt.

Die Papiere des Labor- und Pharmazulieferers Sartorius stiegen nach der Vorlage von Quartalszahlen auf ein Rekordhoch bei 84,00 Euro. Die Aktien von Südzucker gaben dagegen ihre Gewinne fast vollständig ab, nachdem Europas größter Zuckerproduzent beim Umsatz und beim operativen Ergebnis für 2016/17 enttäuscht hatte.

@ dpa.de

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