Wahlen, Präsident

Erleichterung über Macrons Sieg in Frankreich: Begeisterungsstürme löst das Ergebnis der Präsidentenwahl aber nicht aus - weder an den Börsen noch bei Volkswirten.

08.05.2017 - 18:12:36

Börse Frankfurt - Dax nach Macron-Sieg nur kurz auf Rekordhoch. Europas Probleme sind noch lange nicht gelöst.

Frankfurt/Main - Aufatmen, aber keine Euphorie: Investoren und Ökonomen haben erleichtert auf die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten reagiert. Ein Kursfeuerwerk an den Börsen in Deutschland und Frankreich blieb allerdings aus.

Volkswirte sehen die Gefahr einer schweren Krise für Europa zwar zunächst abgewendet, sie warnten aber vor übertriebenen Hoffnungen. Ob der pro-europäische Politiker bei den Parlamentswahlen Anfang Juni eine ausreichende Mehrheit erhalte, sei fraglich. «Der Euroraum kommt nicht zur Ruhe», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer voraus.

Der Wahlausgang schickte den Dax zunächst in neue Rekordhöhen. Nach einem Sprung auf 12.762 Punkte gab der deutsche Leitindex seine Gewinne jedoch rasch ab. Da das Wahlergebnis letztlich bereits eingepreist worden sei, habe es keine nennenswerten Marktreaktionen mehr gegeben, sagte ein Börsianer. Der Dax schloss am Montag bei 12.694 Punkten, ein Minus von 0,18 Prozent.

Auch der Euro profitierte nur kurzzeitig von dem deutlichen Wahlsieg Macrons. In der Nacht zu Montag kletterte der Kurs zeitweise bis auf 1,1023 US-Dollar - fiel aber rasch wieder zurück und verlor zuletzt gut 0,3 Prozent bei 1,092 Dollar.

Die französische Börse reagierte zunächst leicht positiv. In den vergangenen beiden Wochen war der Leitindex CAC 40 bereits um mehr als 7 Prozent in die Höhe geschnellt, nachdem Macron die erste Runde der Präsidentenwahl für sich entschieden hatte. Die Börse in Paris notierte am Abend aber letztlich rund 0,9 Prozent niedriger.

In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte dagegen mit einem deutlichen Plus von 2,31 Prozent bei 19 895,70 Punkten. Das war der höchste Stand seit dem 3. Dezember 2015. Auch an anderen Börsen Asiens waren die Anleger in Kauflaune.

«Die Politik verschafft den Finanzmärkten eine Atempause, bleibt jedoch mittelfristig ein Störfaktor», erläuterte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Die Herausforderungen für die französische und die europäische Politik blieben immens.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sprach von einem guten Tag für Frankreich, Deutschland und Europa. «Frankreich hat nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren».

Nach Einschätzung von Ifo-Chef Clemens Fuest wird Macron für Deutschland «ein herausfordernder, aber konstruktiver Partner sein.» Der 39-jährige Ex-Wirtschaftsminister hatte vorgeschlagen, die Eurozone solle einen eigenen Haushalt, ein Parlament und einen Finanzminister bekommen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht eine existenzgefährdende Krise für die Währungsunion zwar abgewendet. Bei den Parlamentswahlen im Juni dürfte der sozialliberale Macron aber schwerlich eine absolute Mehrheit erringen. Macrons Bewegung «En Marche!» ist erst ein gutes Jahr alt. Zudem stünden spätestens im Mai 2018 Parlamentswahlen in Italien an, wo das Lager der Links- und Rechtspopulisten ähnlich stark sei wie in Frankreich. «Der Euroraum kommt nicht zur Ruhe, die EZB dürfte nicht bereits in diesem oder im nächsten Jahr ihre Leitzinsen erhöhen.»

DZ-Bank-Chefökonom Stefan Bielmeier warnte: «Gelingt Europa nicht eine wirtschaftliche Erholung, von der ein Großteil der Gesellschaft profitiert, könnten die kommenden Wahlen schon einen anderen Ausgang nehmen.» Das Vertrauen und die Geduld der Bürger seien offensichtlich nicht grenzenlos.

Die deutsche Wirtschaft setzt darauf, dass Deutschland und Frankreich wieder stärker an einem Strang ziehen. «Wir hoffen, dass die deutsch-französische Achse in Zukunft wieder besser funktioniert», sagte der Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA, Carl Martin Welcker. BDI-Präsident Dieter Kempf forderte, Europa müsse jetzt den Rückenwind nutzen, um Vorhaben wie die Stärkung des europäischen Binnenmarktes für Energie und Digitalisierung voranzubringen.

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