Auto, Messen

Die Diesel-Krise ist zum Wahlkampfthema geworden, die Autoindustrie steht unter Druck.

14.09.2017 - 12:28:44

Autobranche - Inmitten der Diesel-Krise: Merkel eröffnet Automesse IAA. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte die Autobosse kritisiert. Heute trifft sie wichtige Manager in Frankfurt.

Frankfurt/Main - Zehn Tage vor der Bundestagswahl und mitten in der Diesel-Krise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel heute die Internationale Automobil-Ausstellung IAA eröffnet.

Sie forderte die deutsche Autoindustrie auf, das durch den Abgas-Skandal zerstörte Vertrauen wieder aufzubauen. Unternehmen der Branche hätten «Regelungslücken exzessiv ausgenutzt», sagte sie zur Eröffnung in Frankfurt. «Sie haben sich damit nicht nur selbst Schaden zugefügt, sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht.» Auch wenn dies nur eine Minderheit der Branche betreffe, müsse diese «alles daran setzen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen».

Die Kanzlerin hob zugleich die große Bedeutung der Schlüsselindustrie für Beschäftigung und Wachstum hervor. «Wir wissen, was unser Land an Ihrer Branche hat.» Um drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Städten wegen zu hoher Schadstoffwerte zu vermeiden, müssten Verbrennungsmotoren sauberer werden. Zugleich seien Investitionen in neue Antriebe notwendig.

Anschließend wollte die Kanzlerin im Zuge eines zweistündigen Rundgangs die Stände aller großen deutschen Autohersteller besuchen.

Im Wahlkampf hatte Merkel die Autoindustrie angesichts des Abgas-Skandals kritisiert. Es habe «unverzeihliche Fehler» gegeben. «Weite Teile der Automobilindustrie haben unglaubliches Vertrauen verspielt», hatte sie etwa bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dortmund gesagt. Dieses müssten die Unternehmensführungen nun wieder herstellen. Bei der Bewältigung der Diesel-Affäre gehe es um mehr als die 800.000 Arbeitsplätze in der Branche.

Zugleich hatte Merkel vor radikalen Brüchen auf dem Weg zu abgasärmeren Auto-Antrieben gewarnt. «Wir arbeiten nicht mit Verboten, sondern wir wollen solche Übergänge vernünftig ermöglichen im Blick auf die Beschäftigten und im Blick auf den technologischen Wandel», hatte sie im Bundestag gesagt. Verbrennungsmotoren würden noch «auf Jahre und Jahrzehnte» gebraucht.

Die Opposition dagegen hatte der Kanzlerin zu große Nachgiebigkeit gegenüber der Autoindustrie vorgeworfen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte die Automanager im Wahlkampf teils scharf attackiert. Das Problem sei, dass «millionenschwere Manager bei VW, bei Daimler, die Zukunft verpennt haben», kritisierte er.

Das Image des Diesels ist angesichts des Abgas-Skandals beschädigt. Der Diesel-Marktanteil bei Neuzulassungen sinkt seit Monaten. Wegen schmutziger Diesel drohen Fahrverbote in Städten - die Bundesregierung und die Autoindustrie wollen dies unbedingt verhindern. Bei einem Dieselgipfel Anfang August hatte die Autoindustrie zugesagt, Fahrzeuge mit Software-Updates umweltfreundlicher zu machen. Zudem gibt es Umtauschprämien, um alte Diesel zu ersetzen.

Ob dies ausreicht, um Fahrverbote zu verhindern, ist indes umstritten. Merkel hatte gesagt, die Nachrüstung der Autosoftware sei «das Mindeste». Im Herbst soll es einen weiteren Diesel-Gipfel mit der Wirtschaft geben.

Zu Beginn der IAA hatten die deutschen Autohersteller eine Offensive bei Elektrofahrzeugen angekündigt. Die Nachfrage nach E-Autos bleibt aber schwach. Weitere Schwerpunkte der Branchenmesse sind die Digitalisierung mit immer mehr Internet im Auto, der Ausbau von Mobilitätsdienstleistungen sowie autonome Fahrzeuge.

@ dpa.de

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