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BUND-Verkehrsexperte im Interview : Man kann auf der diesjährigen IAA schon das Gefühl bekommen, die deutschen Hersteller wollten zukünftig gar keine Diesel mehr verkaufen

14.09.2017 - 17:01:40

BUND-Verkehrsexperte im Interview : Man kann auf der diesjährigen IAA schon das Gefühl bekommen, die deutschen Hersteller wollten zukünftig gar keine Diesel mehr verkaufen. Berlin/Frankfurt am Main - Interview: BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg zum Thema Diesel auf der IAA in Frankfurt Vorschlag für eine Anmoderation: Die von den Autoherstellern vielbeschworenen Diesel der neuesten Abgasnorm Euro 6d sind auf der diesjährigen Internationalen Automobil- ...

Berlin/Frankfurt am Main - Interview: BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg zum Thema Diesel auf der IAA in Frankfurt

Vorschlag für eine Anmoderation:

Die von den Autoherstellern vielbeschworenen Diesel der neuesten Abgasnorm Euro 6d sind auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main nicht präsent. Darauf macht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) infolge einer eigenen Recherche an den Messeständen der deutschen Hersteller aufmerksam. Demnach sind Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6d, die unter den neuen, realistischeren Bedingungen getestet und typzugelassen wurden, unter den ausgestellten Diesel-Pkw nicht zu finden. Wir sprechen jetzt mit dem BUND-Verkehrsexperten Jens Hilgenberg über seinen Rundgang auf der IAA.

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Frage-Vorschlag: Herr Hilgenberg, Sie haben sich die Messstände der deutschen Hersteller angeschaut, welchen Eindruck haben Sie?

1.O-Ton Jens Hilgenberg: "Man kann auf der diesjährigen IAA schon das Gefühl bekommen, die deutschen Hersteller wollten zukünftig gar keine Diesel mehr verkaufen. Wo noch vor zwei Jahren phantastische Verbrauchs- und CO2-Werte riesig an den Autos standen, sieht man heutzutage gar nichts mehr. Also da steht nicht mehr, wie wenig das Auto verbraucht, wie wenig CO2 aus dem Auto rauskommt. Die ganzen Vorteile, die immer beworben wurden, werden einfach nicht mehr beworben und die Diesel ducken sich mehr oder weniger weg. Man findet sie nur, wenn man sie sucht und sie sind nicht mehr als solche erkennbar. Die Hersteller scheinen zu versuchen alles zu tun, um das Thema Diesel und Abgasskandal dieses Jahr aus der Berichterstattung der IAA herauszuhalten."

Zum 1.O-Ton-Download: http://ots.de/yRbHo

Frage-Vorschlag: Wird den Autoherstellern das nach Ihrer Meinung gelingen - das Thema Diesel aus der IAA-Berichterstattung herauszuhalten?

2. O-Ton Jens Hilgenberg: "Bislang konzentrieren sich die Medien oder ein Großteil der Medien hauptsächlich auf die neuen Modelle und auf die tollen Zukunftsvisionen der Hersteller, ich denke aber, dass man auch verstärkt darauf abzielen sollte, welche Abgasnorm die Modelle, die jetzt gerade zum Verkauf stehen, so haben. Und da habe ich den sauberen Diesel gesucht, der von der Politik und auch vom Diesel-Dreigestirn Zetsche, Krüger, Müller gerne kolportiert und in den Medien immer wieder angesprochen wird, den habe ich gesucht, ich habe ihn nicht gefunden, selbst auf Nachfrage an den Ständen konnte mir keiner gezeigt werden. Es gab nicht ein einziges Fahrzeug mit der Abgasnorm Euro 6d, das ist die neueste Abgasnorm, und nur diese Abgasnorm belegt, dass die Fahrzeuge auch im Realbetrieb ihre Grenzwerte einhalten. Aber habe ich das nicht, habe ich diese Abgasnorm nicht, laufe ich immer noch Gefahr, dass die Kundinnen und Kunden, die ein solches Fahrzeug kaufen, das nicht 6d entspricht, von Fahrverboten betroffen sind. Und deswegen fordere ich die Hersteller auf, wenn sie Fahrzeuge haben, die im Realbetrieb die Grenzwerte einhalten, dann müssen sie sie neu typzulassen und müssen klar machen, dass diese Fahrzeuge auch Euro 6d haben."

Zum 2.O-Ton-Download: http://ots.de/Q2FVt

Frage-Vorschlag: Keine Diesel der neuesten Abgasnorm auf den Messeständen - wie sieht es denn dann mit den von Ihnen schon angesprochenen neuen Technologien und dem autonomen Fahren aus?

3.O-Ton Jens Hilgenberg: "Auch bei Elektrofahrzeugen hat sich in den letzten Jahren seit der letzten IAA nur wenig getan. Gerade einmal zwei neue rein elektrisch betriebene Fahrzeuge deutscher Hersteller sind auf den Markt gekommen, das sind die zwei Smarts, und dazu noch ein paar Modelle, die sowohl über Verbrennungs- als auch Elektromotoren verfügen. Diese Hybridfahrzeuge haben für die Hersteller einen enormen Vorteil, denn sie senken durch absurd unrealistische Messverfahren die offiziellen Angaben für Verbrauch und CO2-Emissionen und helfen so den Herstellern ihre CO2-Grenzwerte einzuhalten, allerdings nur auf dem Papier. Die Umwelt, das Klima, der Verbraucher, die haben alle nichts von solchen Hybridmodellen. Von denen haben die Hersteller, die deutschen Hersteller, allerdings sehr viele und kündigen auch immer weitere an. Viel zu groß, viel zu schwer, Hybrid kann sinnvoll eingesetzt werden, wird es von den deutschen Herstellern leider nicht."

Zum 3.O-Ton-Download: http://ots.de/hxuyh

Frage-Vorschlag: Aber zumindest beim autonomen Fahren als Zukunftsvision sind die deutschen Hersteller doch gut aufgestellt, oder?

4.O-Ton Jens Hilgenberg: "Ja, ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld dachte, dass die Karte des autonomen Fahrens auf der diesjährigen IAA deutlich intensiver gespielt wird. Meiner Meinung nach dient die Diskussion um das autonome oder vielmehr teilautomatisierte Fahren vor allem dazu, um von den aktuellen Versäumnissen abzulenken. Denn wer auf dem Messestand ein tolles, futuristisches, sauberes Auto autonom auf die Bühne fahren lässt, der wird vielleicht nicht darauf angesprochen, warum die Fahrzeuge, die aktuell beim Händler stehen, immer noch dreckig sind, warum sie immer noch größer, schwerer und leistungsstarker werden nach wie vor. Natürlich haben autonome Autos ihre Berechtigung und die werden sicher in den Städten auch das ein oder andere Problem lösen, allerdings wird's auch weitere Probleme geben, je mehr Fahrzeuge fahren, desto mehr Straßenraum benötigt der Autoverkehr auch weiterhin, also eine Verteilung des Straßenraums, die jetzt noch total ungerecht ist, die muss man erstmal sehen, da wird das autonome Auto nicht zwingend dazu beitragen. Wenn es im Carsharing-System eingesetzt wird, sicherlich kann es die Probleme abschwächen, aber lösen wird es sie nicht. Für die deutschen Autohersteller ist natürlich so eine Vision vom autonomen Fahren die tolle Chance, sich in einer Führungsrolle zu sehen, in einer zukünftigen Führungsrolle. Aber man sollte sich nicht nur auf die Führungsrolle von übermorgen konzentrieren, sondern auch die Probleme des Heute und des Morgen in Angriff nehmen und da helfen Vorstöße wie vom ACEA-Chef Zetsche nicht, der gerade erst kürzlich angekündigt hat, man solle die CO2-Grenzwerte für Pkw erneut abschwächen. Das passt zwar ins Bild der Konzernchefs, hilft aber der Umwelt natürlich nichts. Ja, man muss halt klar sehen, dass die Konzernchefs nicht immer unbedingt im Interesse des Konzerns und der Beschäftigen agieren, sondern ganz oft an kurzfristige Gewinninteressen denken und an den Aktienkurs."

Zum 4.O-Ton-Download: http://ots.de/DMlHB

Weitere Informationen

Zu einer aktuellen Pressemitteilung des BUND anlässlich der IAA: http://ots.de/EMnno

OTS: BUND newsroom: http://www.presseportal.de/nr/7666 newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_7666.rss2

Pressekontakt: Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte, Tel: 030-27586-467, Mobil: 0151-56313302 bzw. Annika Natus, BUND-Pressesprecherin, Tel. 030-27586-464, E-Mail: presse@bund.net; www.bund.net

@ presseportal.de

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