Internet, Software

BERLIN - Nach der Cyber-Attacke auf Router der Deutschen Telekom hat Firmenchef Timotheus Höttges zur "Aufrüstung" für mehr Sicherheit aufgerufen.

30.11.2016 - 15:46:25

ROUNDUP/Nach Cyber-Angriff: Telekom-Chef fordert 'Nato fürs Internet'. Jeder einzelne müsse aufrüsten. "Wir brauchen zudem so etwas wie die Nato für das Internet", sagte Höttges auf einem Fachkongress des Unternehmens zum Thema Cybersicherheit am Mittwoch in Frankfurt. Besonders wichtig sei bei solchen Angriffen, dass die betroffenen Unternehmen über ihre Sicherheitsstandards und die erfolgten Angriffe "transparent informieren". Nur der Austausch mache den Schutz möglich.

Am Wochenende hatten sich Angreifer Zugang zu rund 900 000 Internet-Routern der Deutschen Telekom verschafft und diese weitgehend lahmgelegt.

Außerdem müssten solche Angriffe geächtet werden wie zum Beispiel Landminen, sagte Höttges. "Wir haben noch Glück im Unglück", räumte der Telekom-Chef ein. Den Angreifern war es nicht gelungen, die Router zu kapern, einen einfachen Neustart hatte die Schadsoftware nicht überlebt. Die Telekom werde alles daran setzen, die Lücken so schnell wie möglich zu schließen. Ausdrücklich lobte Höttges die Reaktionsschnelligkeit des Unternehmens. "Wir haben in den letzten drei Tagen einen großartigen Job gemacht."

Für die Telekom stehe die Internet-Sicherheit ganz oben auf der Agenda, doch hundertprozentige Sicherheit werde es im Netz auch künftig nicht geben. Gemeinsames Handeln sei jedoch gefragt. "Das war ein Versuch, eine Armee von Routern zusammenzustellen und dann einen gemeinsamen Angriff zu starten. Warum machen wir das nicht genauso?"

Von der Cyber-Attacke waren von der Telekom vertriebene Router der Marke "Speedport" betroffen. Nutzer konnten nicht mehr ins Netz, bei vielen funktionierten auch das Telefon und der TV-Empfang nicht mehr.

Aus der Politik wurden Forderungen nach mehr Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen lauter. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) plädierte etwa für eine engere Kooperation von Bund und Ländern. "Wir müssen uns schlichtweg an einen Tisch setzen, Erkenntnisse und Informationen austauschen, dann werden wir auch besser werden", sagte Jäger am Mittwoch dem RBB-Inforadio. Es müsse verhindert werden, dass Hacker an kritische Infrastrukturen wie etwa die Stromversorgung gelangten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Dienstag bereits für eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen ausgesprochen. Die Politik sei auf die Sachkompetenz der Industrie angewiesen. "Deshalb müssen wir in den Cyber-Fragen eng zusammenarbeiten."

Die Telekom etwa fordere schon länger klare gesetzliche Regelungen dafür, dass Hersteller für Sicherheitslücken zur Verantwortung gezogen werden können, sagte Telekom-Sprecher André Hofmann. Ganz ausschließen ließen sich IT-Attacken nach Auffassung des Digitalverbands Bitkom allerdings nicht. "Der Fensterbauer haftet auch nicht, wenn in eine Wohnung eingebrochen wird oder der Hersteller von Fahrradschlössern für den Diebstahl von Fahrrädern", sagte die Bitkom-Geschäftsleiterin Sicherheit und Datenschutz Susanne Dehmel.

Die Attacke auf die Telekom-Router ist nach Einschätzung von Experten nur die "Spitze des Eisbergs". "Angriffe auf Schwachstellen von Routern sind für Angreifer äußerst lukrativ", sagte Tim Berghoff vom IT-Sicherheitsdienstleister G Data. Theoretisch wäre es möglich gewesen, die Geräte unbemerkt zu kapern und später zu einem Botnetz zu verbinden, über das dann etwa Spam-Mails versendet oder auch sensible Daten ausspioniert werden könnten.

Vermutlich war der aktuelle Angriff wegen Stümperei der Angreifer noch glimpflich ausgegangen. Der Schadcode wurde nur im Arbeitsspeicher abgelegt, so dass ein Neustart des Geräts ihn wieder entfernte. Nach Recherchen der Sicherheits-Firma IT Cube Systems waren neben den "Speedport"-Routern der Telekom möglicherweise auch weitere Provider wie Türk Telekom, die britische Talktalk Group und die spanische Movistar betroffen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Experten: Eigene Ladesäulen werden Tesla auf Dauer nicht genügen. Wenn die E-Autos "in Massen am Markt" seien, werden dem Hersteller auf Dauer die eigenen Ladesäulen nicht mehr reichen, wie Joachim Damasky, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Montag auf der Hannover Messe sagte. Kostenlose Ladeinfrastruktur könne nicht für Millionen Autos angeboten werden, irgendwann müsse auch Tesla daher auf vorhandene Säulen zurückgreifen. HANNOVER - Deutsche Experten für Elektromobilität gehen davon aus, dass der Elektroauto-Pionier Tesla künftig auch auf die deutsche Lade-Infrastruktur angewiesen sein wird. (Boerse, 24.04.2017 - 16:40) weiterlesen...

Presse: Auch Amazon bereitet sich auf autonomes Fahren vor. Der weltgrößte Online-Händler habe bereits vor über einem Jahr ein auf autonomes Fahren fokussiertes Team gebildet, schrieb das "Wall Street Journal" am Montag. Derzeit gehe es nicht darum, eine Fahrzeugflotte zu bauen, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Personen. Stattdessen gehe es darum, welche Rolle selbstfahrende Fahrzeuge bei der Zustellung von Waren spielen könnten. NEW YORK - Amazon will sich laut einem Zeitungsbericht die Verkehrs-Revolution durch Roboter-Fahrzeuge zu Nutzen machen. (Boerse, 24.04.2017 - 16:30) weiterlesen...

HANNOVER: VW-'Bulli' als Hingucker. Jahr ihres Bestehens auf den legendären "Bulli", den VW T1, als Aushängeschild. Insgesamt 10 der Oldtimer seien auf der diesjährigen Ausgabe der weltgrößten Industrieschau als Shuttlebusse im Einsatz, sagte ein Messesprecher am Montag. "Es ist ein besonderes Erlebnis, da mitzufahren." Messebesucher umringten die alten Transporter, viele fotografierten die VW-Busse. Der T1 wurde von 1950 bis 1967 produziert, die Busse gelten als Symbol des Wirtschaftswunders. HANNOVER - Die Hannover Messe setzt im 70. (Boerse, 24.04.2017 - 15:51) weiterlesen...

GESAMT-ROUNDUP/HANNOVER: Industrie 4.0 ist Wachstumstreiber HANNOVER - Die Digitalisierung der Industrie bringt Deutschland nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten enorme Chancen. (Boerse, 24.04.2017 - 15:51) weiterlesen...

International Games Week in Berlin gestartet. Mit über zehn verschiedenen Events will die Dachmarke sowohl Experten und Branchenkenner, als auch Games-Enthusiasten und Familien ansprechen. Offiziell eröffnet wird die siebentägige Veranstaltungsreihe am Montagabend auf dem Opening Summit mit Vertretern von Branche und Politik. BERLIN - Mit der Games Week ist am Montag eine der wichtigsten Veranstaltungen der Computerspiele-Branche in Berlin gestartet. (Boerse, 24.04.2017 - 12:16) weiterlesen...

HANNOVER: Digitalisierung könnte Deutschland als Produktionsstandort stärken. Digitale Technologien seien kein Jobkiller, sagte VDI-Direktor Ralph Appel am Montag auf der Industrieschau Hannover Messe. Unternehmen, die digitale Technologien nutzen, seien langfristig besser aufgestellt. Laut einer vom VDI beauftragten Studie verlagern vor allem digitalisierte Betriebe ihre Produktion wieder zurück nach Deutschland. Gründe dafür seien eine höhere Flexibilität und sinkende Lohnkosten, aufgrund der erhöhten Automatisierung der Produktion. Im Jahr 2015 habe es demnach über 500 Rückverlagerungen gegeben. HANNOVER - Die Digitalisierung wird sich nach Einschätzung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) positiv auf Deutschland als Produktionsstandort auswirken. (Boerse, 24.04.2017 - 11:12) weiterlesen...