Luftverkehr, Deutschland

Air Berlin steht weiter unter Druck.

20.06.2017 - 20:12:24

Trotz riesigem Schuldenberg - Air-Berlin-Chef will keine Bürgschaften mehr. Aber wie brenzlig ist die Lage wirklich? Nachdem der Chef vor den Aktionären gut Wetter machte, hält er nun auch öffentliche Hilfen nicht mehr für erforderlich - vorerst.

Berlin - Air Berlin will seine massiven Finanzprobleme nun doch ohne staatliche Bürgschaften in den Griff bekommen. Vorstandschef Thomas Winkelmann sagte dem «Tagesspiegel» (Dienstag): «Eine Absicherung von Krediten durch die öffentliche Hand ist nicht mehr nötig.»

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ächzt unter einem hohen Schuldenberg und wird vor allem durch die Finanzspritzen ihres arabischen Großaktionärs Etihad in der Luft gehalten.

Bei der Air-Berlin-Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch hatte Winkelmann noch betont, die Voranfrage auf Prüfung einer Bürgschaft an die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Berlin gehöre «zu unserer vorausschauenden Unternehmensführung. Wir loten alle Möglichkeiten aus - für alle Fälle.» Nun erklärte der Manager der Zeitung, man habe zuletzt große Fortschritte bei der Neuaufstellung gemacht. Ursprüngliches Ziel der Bürgschaftsanfragen sei es gewesen, die Kreditkosten von Air Berlin zu drücken.

Mit einem Sparkurs und der Zusammenlegung von Geschäften versucht das Unternehmen, finanziell wieder an Kraft zu gewinnen. So habe man etwa Büroflächen in der Berliner Zentrale verringert und Leasing-Konditionen für 14 Maschinen neu aushandeln können, berichtete Winkelmann. Beim Aktionärstreffen in London hatte er vorige Woche betont, trotz Verschuldung sei Air Berlin zahlungsfähig.

Zuletzt waren Verhandlungen zwischen Etihad und dem Tui-Konzern über eine gemeinsame Ferien-Fluggesellschaft der Air-Berlin-Tochter Niki mit Tuifly gescheitert. Air Berlin kämpfte zudem mit Problemen bei der Gepäckabfertigung in Berlin-Tegel, wo viele Flüge ausfielen oder sich verspäteten.

Solange der immer wieder verzögerte Start des neuen Hauptstadtflughafens BER nicht vollzogen sei, werde er in Berlin kein Drehkreuz betreiben, sagte Winkelmann. Er entschuldigte sich für die Probleme im Frühjahr. «Wir haben die Lage jetzt wieder im Griff. Aber ich weiß, das Vertrauen der Kunden neu zu gewinnen, braucht Zeit.»

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kreise: Gläubigerausschuss von Air Berlin trifft sich am Mittwoch. Das erfuhr die dpa aus dem Umfeld der Verhandlungen um den Verkauf des Unternehmens. Zuvor hatte das «Handelsblatt» darüber berichtet. Noch offen ist, ob und welche Entscheidungen in der Sitzung getroffen werden könnten. Air Berlin hatte am Freitag mit der Lufthansa konkrete Gespräche über die Übernahme von Teilen des Fluggesellschaft aufgenommen. Als weitere Interessenten gelten Easyjet und die Thomas-Cook-Tochter Condor. Berlin - Im Fall der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin wird sich der vorläufige Gläubigerausschuss an diesem Mittwoch zu seiner konstituierenden Sitzung treffen. (Politik, 22.08.2017 - 11:12) weiterlesen...

Insolvente Fluggesellschaft - Bundesregierung bei Air-Berlin-Verkauf mit unklarem Kurs. Tatsächlich tut sie es aber doch und stellte damit ihre neutrale Rolle in Frage. Angeblich will die Bundesregierung sich nicht einmischen in die Verhandlungen über den Verkauf von Air Berlin. (Wirtschaft, 21.08.2017 - 17:47) weiterlesen...

Ministerin Zypries will Lufthansa durch Air Berlin stärken. «Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt», sagte die SPD-Politikerin dem «Handelsblatt». Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte sich für eine starke Rolle der Lufthansa ausgesprochen. Neben der Lufthansa gelten die britische Billiglinie Easyjet, Tuifly sowie Condor als aussichtsreichste Kandidaten. Der Bund ist nach eigenen Angaben nicht an den Verhandlungen beteiligt. Berlin - Im Streit um den Verkauf der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin befürwortet Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries eine Stärkung der Lufthansa. (Politik, 21.08.2017 - 10:52) weiterlesen...

Insolventen Fluggesellschaft - Air Berlin drückt bei Verkauf aufs Tempo. Unklar ist, wie ernst ein Angebot des Unternehmers Wöhrl gemeint ist. Wird die Lufthansa bei den Verkaufsgesprächen für Air Berlin bevorzugt? Die Konstruktion des Gläubigerausschusses gibt Anlass zu Kritik. (Wirtschaft, 20.08.2017 - 16:05) weiterlesen...

Kein Komplettverkauf - Bericht: Mehr als zehn Interessenten für Air Berlin Berlin - Für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin gibt oder gab es offenbar deutlich mehr Interessenten als bisher bekannt. (Wirtschaft, 20.08.2017 - 10:19) weiterlesen...

Bericht zufolge mehr als zehn Interessenten für Air Berlin. Man habe mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien. Das sagte der Vorstandschef der Fluggesellschaft, Thomas Winkelmann, der «Bild am Sonntag». Die Gespräche würden in diesen Tagen weitergeführt. Ein Komplettverkauf sei unwahrscheinlich. Es werde zwei oder drei Käufer geben. Die Bereiche Langstrecken, Geschäftsflüge und Urlaubsreisen seien zu unterschiedlich. Berlin - An Air Berlin sind einem Medienbericht zufolge deutlich mehr Unternehmen interessiert als bisher bekannt. (Politik, 20.08.2017 - 08:36) weiterlesen...