16 Tage vor Beginn des Jubiläums-Oktoberfestes stiftete Wiesn-Urgestein Heide am Donnerstag in Planegg bei München zum 25. Mal eine Kerze, die zum Schutz des größten Volksfests der Welt beitragen soll.
Nachdem Weishäupl die Kerze angezündet hatte, erbat Wallfahrts-Kurator Pater Wilfried Balling die Fürsprache Marias für das diesjährige Oktoberfest. «Es ist ja ein besonderes Fest in diesem Jahr, ein Jubiläums-Fest», sagte er in seiner Ansprache. Der Pater erinnerte daran, dass die Wiesn in 200 Jahren Krieg und auch ein Attentat überstanden habe. Das Licht möge für ein schönes und frohes Beisammensein auf dem Jubiläumsfest leuchten, sagte der Geistliche.
Wiesn-Chefin Weishäupl, die Heide heuer zum dritten Mal begleitete, nannte die Wallfahrt eine «wunderbare Geste des Friedens und des Schutzes», für die sie dem ehemaligen Wirtesprecher nicht genug danken könne. «Wir freuen uns, dass der Willy jetzt zum 25. Mal diese Kerze zum Segen des Oktoberfests hier rausbringt», sagte sie. Sie wünsche sich, dass das Licht bis zum letzten Wiesn-Tag brenne.
Der heute 90 Jahre alte Heide war lange Jahre Chef des Bräusrosl-Zelts und Wirtesprecher. Die Wallfahrt hatte er 1986 in seinem zweiten Jahr als Wirtesprecher ins Leben gerufen, um mit Blick auf das Oktoberfest-Attentat von 1980 Schutz für das Volksfest zu erbitten. Seither stiftet er in der Wallfahrtskirche seiner Heimatgemeinde jährlich vor Oktoberfestbeginn eine Kerze.
Anlässlich des 200. Wiesn-Geburtstags war die diesjährige Wallfahrt besonders feierlich. Heide und Weishäupl fuhren erstmals in einer Pferdekutsche auf dem beschaulichen Kirchenvorplatz vor. Auch Wiesn-Seelsorger Paul Schäfersküpper war diesmal dabei. Ihnen voran trugen Ministranten ein Kreuz. In Tracht gekleidete Musikanten und Goaßlschnalzer, die rhythmisch ihre Peitschen schwangen, empfingen das Gespann.
Auf dem sonnenbeschienenen Vorplatz der Kirche hatten sich mehrere Dutzend Menschen versammelt. Viele von ihnen waren Weggefährten Willy Heides oder hatten einen engen persönlichen Bezug zum Oktoberfest. Unter ihnen war auch der Münchner Künstler Josef Wahl, der mit Heide seit 30 Jahren befreundet ist. «Er ist ein feiner Mann der alten Garde, ein echtes bayerisches Original», beschrieb er Heide, der 1936 als Lehrling auf der Wiesn angefangen hatte und dessen Sohn mit seiner Frau die Bräurosl in der dritten Generation leitet.
Auch Traudl Bernhard war zur Wallfahrt gekommen. Sie arbeitet seit 22 Jahren an der Brotzeit-Ausgabe im Augustiner-Zelt. Aus ihrer Sicht hat sich die Wiesn seitdem gewandelt. Viele Besucher seien schon morgens betrunken und die Zelte zu schnell überfüllt, sagte sie bedauernd. Die Jubiläums-Wiesn werde ihre letzte sein - aus Altersgründen höre sie auf. An der Wallfahrt hingegen nehme sie heuer zum ersten Mal teil. Daran, dass die Kerze der Wiesn tatsächlich etwas nützt, glaube sie aber nicht. «Das ist halt Tradition», sagte sie und lachte.
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