Halle/Zeitz (ddp-lsa). Zum 80. Geburtstag des ostdeutschen Pfarrers und Dissidenten Oskar Brüsewitz berichtet seine Tochter Renate Brüsewitz-Fecht auch von der dunklen Seite seiner Biografie. Der Theologe hatte sich 1976 aus Protest gegen das DDR-Regime in Zeitz öffentlich verbrannt. Brüsewitz' Tochter aus erster Ehe legt im Buch «Das Kreuz und die Flamme» des Projekte-Verlags Halle Seiten im Lebenslauf des Pfarrers offen, die bisher von allen Biografen ausgeklammert wurden, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» vorab berichtet.

Brüsewitz war Schuhmacher in Melle bei Osnabrück. Bisher seien Biografen davon ausgegangen, dass er 1954 in den Osten ging, weil seine Ehe an der untreuen Gattin scheiterte. Ein bisher unbekanntes Scheidungsurteil belege jedoch, dass Brüsewitz die Alleinschuld am Scheitern der Beziehung getragen habe. Bei Vernehmungen habe er laut Urteil «in glaubhafter Weise eingeräumt», seine Frau «häufiger misshandelt» zu haben. In Stasidokumenten sei zudem von einem Verfahren der Staatsanwaltschaft Hildesheim die Rede, wonach wegen Verdachts der Unterschlagung gegen Brüsewitz ermittelt wurde.

Die Tochter versteht dem Bericht zufolge die Übersiedlung im Licht der neue Dokumente eher als Flucht. In den Akten stieß sie auch auf medizinische Befunde aus den 50er Jahren, die ihrem Vater eine «psychopathische Persönlichkeit mit neurotischer Haltung» attestierten. Die Ärzte hätten Brüsewitz abgeraten, Theologe zu werden.

Er besuchte dann von 1964 bis 1969 die Predigerschule in Erfurt und wurde Pfarrer in Rippicha im Landkreis Zeitz. In seinem Abschiedsbrief schrieb er unter anderem: «Ich habe mich zu dieser Tat langsam durchgerungen. Nach meinem Leben habe ich es nicht verdient, zu den Auserwählten zu gehören. Meine Vergangenheit ist des Ruhmes nicht wert.» Es tobe «zwischen Licht und Finsternis ein mächtiger Krieg. Wahrheit und Lüge stehen nebeneinander.»

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