Am Landesanteil werden sich die Sylter aber künftig wie auch alle anderen Küstenbewohner des nördlichsten Bundeslandes nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition in Kiel beteiligen müssen. Die Landesregierung plant eine Küstenschutzabgabe, ähnlich wie es sie im Nachbarland Niedersachsen bereits seit Jahren gibt.
Die geplante Abgabe ist Teil eines umfassenden Sparpakets, das die Regierung von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) Ende Mai beschloss. Das Umweltministerium soll demnach «die Einführung einer zweckgebundenen Küstenschutzabgabe für das Jahr 2012» vorbereiten. Geplant ist, «diejenigen, die von Küstenschutzmaßnahmen einen Vorteil haben, an den Kosten für den Bau und die Unterhaltung zu beteiligen», sagt die zuständige Ministerin Juliane Rumpf (CDU).
Konkrete Aussagen zur möglichen Höhe der geplanten Abgabe gibt es zwar nicht. Gleichwohl sorgt das Vorhaben auf Sylt aber bereits für Unmut. Die Bürgermeisterin von Sylt, Petra Reiber (parteilos), fürchtet, dass ihre Kommune im Falle weiterer Kosten zu einer Bedarfsgemeinde werde. Die Gemeinde investiere «bereits über die Kreisumlage viel Geld in den Küstenschutz», sagt Reiber.
Auch der Vorsteher des Sylter Landschaftszweckverbands, Manfred Uekermann, ist gegen eine Abgabe. Gemeinsam mit Repräsentanten der Nachbarinseln Föhr und Amrum sowie den Halligen schrieb er bereits an Carstensen. In dem Brief heißt es: «Es scheint uns im höchsten Maße ungerecht, die Einwohner auf den Inseln und Halligen finanziell gleichsam dafür zu bestrafen, dass sie durch die Pflege der Insel- und Halligküsten dafür sorgen, dass der Rest des Landes vor den Gefährdungen durch das Meer geschützt wird.»
Tatsächlich fungiert insbesondere Sylt als Wellenbrecher für das Festland und ist darüber hinaus mit mehr als 700 000 Gästen jährlich das touristische Zugpferd des nördlichsten Bundeslandes. Das Steueraufkommen von mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Schleswig-Holstein. All dies gelte es zu bedenken, sagt Bürgervorsteher Dirk Ipsen. «Man kann die Küstenlinie nicht zur Disposition stellen. Detaillierte Gespräche zwischen allen Beteiligten im Vorfeld hätte ich für sinnvoller erachtet, als nun kurzerhand eine Küstenschutzabgabe in den Raum zu stellen.»
Die Sandvorspülungen vor Sylt zählen zu den größten Küstenschutzprojekten im Land, für die in diesem Jahr insgesamt rund 60 Millionen Euro veranschlagt sind. «Schleswig-Holstein trägt dem Klimawandel auch beim Küstenschutz Rechnung: Wir müssen Vorsorge treffen und uns auf einen steigenden Meeresspiegel einstellen», sagt Ministerin Rumpf.
Im Fall der Insel Sylt haben sich Aufspülungen als effektivster Schutz erwiesen. Dabei ankern Spülschiffe sieben bis neun Kilometer vor der Küste. Dort pumpen sie Sand aus 12 bis 15 Metern Tiefe in den je nach Schiff 2000 bis 2500 Kubikmeter großen Laderaum. Das Schiff wechselt dann seine Position bis auf etwa zwei Kilometer vor der Sylter Küste und pumpt durch Rohrleitungen ein Sand-Wasser-Gemisch an den Strand. So wird bei einer Sturmflut dann nicht das eigentliche Ufer, sondern das vorgelagerte Sandpolster abgetragen.
Noch bis August werden die Vorspülungen auf Sylt andauern. Nahezu eine Million Kubikmeter Sand werden dann neun neuralgische Strandabschnitte der Insel auf einer Länge von insgesamt 7,7 Kilometern verstärken. Seit Beginn der Sandvorspülungen im Jahr 1972 wurden rund 40 Millionen Kubikmeter Sand bewegt. Die bisherigen Kosten dafür: mehr als 170 Millionen Euro.
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