Er hatte sich im Ausscheidungswettkampf der Sommelier-Union Deutschland 2009 gegen seine Kollegen durchgesetzt und sich damit qualifiziert. «Im Moment lebe ich wirklich nur für den Wein und für die WM», bekennt er.

500 Weine hat Jürgen Fendt allein in diesem Jahr schon probiert. 2000 Sorten verkoste er schon einmal in einem «Spitzenjahr». Das Training brauche er, um 60 bis 70 Prozent weltweiter Weinsorten bestimmen zu können, sagt der mehrfache Träger unter anderem des Trophée Ruinart Deutschland und zweifache WM-Finalist.

55 Kandidaten wetteifern in der chilenischen Hauptstadt Santiago zunächst im WM-Halbfinale gegeneinander. In einer einstündigen schriftlichen Prüfung müssen sie etwa 60 Fragen unter anderem zum Weinanbau, Weingesetzgebung, Kellerwirtschaft, aber auch zu Zigarren, Spirituosen, Kaffee oder Tee beantworten.

Darauf folgt eine «Blindverkostung» von drei Getränken. Die Kandidaten müssen so genau wie möglich die Sorte eines Weines oder einer Spirituose bestimmen: Von der Struktur her könne man schon sagen, ob ein Wein aus der «neuen» oder «alten Welt» stamme, aus warmem, kühlen oder Mischklima, und in welcher Bodenart er gewachsen sei, erläutert Fendt. «Hier aber eine Punktlandung mit genauen Angaben über Lage und Winzer zu schaffen, klappt nur, wenn man genau diesen Wein zufällig einmal probiert hat», fügt er hinzu.

Bei der anschließenden praktischen Service-Prüfung wird der Restaurant-Alltag nachgestellt: Die Wettkämpfer müssen dabei die Gäste, nicht selten Prominente wie etwa Botschafter oder Schauspieler, empfangen, beraten, ihnen ausschenken, nachschenken oder am besten «die Augen überall» haben. Dies alles natürlich in korrektem Englisch, Französisch oder Spanisch. «Bei der Prüfung geht es um das richtige Zeitmanagement und um das 'Feeling' für den Gast», sagt Fendt. Im Finale am Donnerstag (15. April) absolvieren die drei Bestplatzierten diese Prüfung auf einer Bühne vor einem etwa 600-köpfigen Publikum.

Die Meisterschaften bringen laut Sommelier-Union Deutschland dem Berufsstand viel Aufmerksamkeit. Insgesamt leisten sich immer mehr gastronomische Betriebe im Premiumsegment einen Sommelier. «Wenn ein Sommelier da ist und er seine Arbeit richtig macht, kann die Kundenbindung sehr viel stärker sein», erläutert Fendt, der für den Verband mittlerweile Nachwuchssommeliers für Wettkämpfe trainiert.

Er selbst sei zu seiner Weinberufung eher durch Zufall gekommen. «Ich wollte immer in die Gastronomie, weil ich mit Menschen zusammen sein wollte», sagt er. Seine Ausbilder hätten ihn immer mehr in diese Richtung gedrängt, da er ein »Händchen« dafür gehabt habe. «Wenn ein Gast eine Frage zu einem Wein hatte und ich keine Antwort wusste, habe ich mir das alles über Nacht angelesen», erinnert er sich.

Seit 2001 ist Fendt stolzer Besitzer von Weinbergen an der Mosel sowie bei Baden-Baden, die er mit seiner Familie selbst bewirtschaftet. Er wollte komplett mitreden können, vom Anbau bis zur Produktion. «15 000 Flaschen Riesling, Spätburgunder und ein bisschen Müller-Thurgau gibt es inzwischen pro Jahr aus Eigenproduktion zu trinken», berichtet er.

Dass es mit dem Trinken nicht zu viel wird, dafür müsse jeder Sommelier selbst sorgen. «Das ist ein sensibles, heikles Thema, mit dem man vernünftig umgehen muss», räumt er ein. Für jeden Sommelier müsse es deshalb immer auch eine alkoholfreie Zeit geben. «Aber sonst gibt es keinen Tag, an dem nicht Wein probiere. Das muss man leben», fügt er hinzu.

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