Wegen - Nachterstedt-Siedlung muss wohl aufgegeben werden: Nachterstedt (dpa) - Wegen der Gefahr weiterer Erdrutsche kann das Unglücksgebiet in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) vermutlich nie mehr bewohnt werden.
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Nachterstedt (dpa) - Wegen der Gefahr weiterer Erdrutsche kann das Unglücksgebiet in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) vermutlich nie mehr bewohnt werden.

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Menschen, die in der Nähe der Abbruchkante wohnten, in die acht evakuierten Häuser zurück könnten, sagte Gerhard Jost von der Bergbaubehörde des Landes Sachsen-Anhalt am Dienstag in Nachterstedt. Im Rathaus der Gemeinde wurde ein Kontaktbüro eröffnet, in dem die Schadenersatzansprüche der etwa 40 Menschen gesammelt werden, die wegen der unsicheren Lage ihre Häuser räumen mussten. Im Rheinland wurde unterdessen über mögliche Konsequenzen für dortigen Tagebauseen diskutiert.

Es werde wohl Monate dauern, bis das Gebiet am Concordia-See zur Ruhe gekommen sei, sagte Jost. Immer wieder müsse in den kommenden Tagen mit Abbrüchen gerechnet werden. «Es sind leichte, neue Risse aufgetreten, bis 30 Meter hinter der Bruchkante.» Konkrete Hinweise auf die Ursache des Unglücks, bei dem drei Menschen starben, gebe es nicht. Möglich ist ein Zusammenhang mit früheren Tagebau. Spekuliert wird auch darüber, dass eine unterirdische Wasserblase eine Flutwelle ausgelöst haben könnte, die die Böschung zum Einsturz brachte.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die den Tagebausee flutet, bekräftigte, dass es schnelle Hilfe für die Bevölkerung geben werde. Im Rathaus seien erste Bargeldbeträge an die Betroffenen ausgezahlt worden, sagte Mathias Siebert von der LMBV. Über die Höhe sei Stillschweigen vereinbart worden. In der Übergangszeit will das Unternehmen auch die Mietzahlungen übernehmen.

Über das Kontaktbüro sollen die in Sicherheit gebrachten Menschen, die zunächst in Ferienwohnungen untergekommen sind, schnell wieder eine langfristige Bleibe bekommen. «An vorderster Stelle steht die Wohnungsfrage», sagte Landrat Ulrich Gerstner (SPD). «Wir haben ein größeres Angebot an leeren Wohnungen.»

Um ähnliche Katastrophen zu verhindern, sollen zahlreiche ehemalige Bergbaugebiete in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg überprüft werden. In der kommenden Woche wollen sich die Leiter der Bergbaubehörden der drei Länder in Halle treffen. Die Landesregierung in Magdeburg beschloss, einen eigenen, unabhängigen Gutachter mit dem Fall in Nachterstedt zu beschäftigen.

Unterdessen wurde im Rheinland der Ruf nach Konsequenzen aus dem Erdrutsch lauter. Die Ursachen des Unglücks müssten in die Planungen für den Tagebausee Garzweiler einfließen, sagte der Bürgermeister der Stadt Erkelenz, Peter Jansen (CDU). Das hatte vorher auch schon die Stadt Düren gefordert. Der Bürgermeister der Tagebaugemeinde Inden, Ulrich Schuster, sagte der dpa, dass es schon früher Absackungen in Nachterstedt gegeben habe. Bei einem Besuch am Concordia-See vor rund zwei Jahren habe er eine Veränderung der Böschung an einer unbebauten Stelle wahrgenommen. LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber konnte sich dazu zunächst nicht äußern, wies aber darauf hin, dass es an Tagebau-Seen immer wieder zu kleineren Absackungen kommen könne.

Bei dem Unglück in Nachterstedt kamen drei Menschen im Alter von 48, 50 und 51 Jahren, die mit ihrem Haus in die Tiefe gerissen wurden, ums Leben. Auch die Hälfte eines Mehrfamilienhauses rutschte mit rund zwei Millionen Kubikmetern Erdmassen weg. Am Montag waren die Versuche zur Bergung der Opfer eingestellt worden. Der See bleibt gesperrt, weil im Falle neuer Erdrutsche Flutwellen befürchtet werden.