Politik
Vorstoß - (Morgenzusammenfassung - Weitgehend neu) Adoptionsrecht für Homo-Paare empört Union - Alle anderen Parteien im Bundestag verteidigen Vorstoß von Justizministerin Zypries --Von Manfred Rey--
25.07.09 | 07:05 UhrBerlin (ddp) Der Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), homosexuellen Paaren das volle Adoptionsrecht zu geben, ruft bei CDU und CSU heftigen Widerstand hervor.
Berlin (ddp). Der Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), homosexuellen Paaren das volle Adoptionsrecht zu geben, ruft bei CDU und CSU heftigen Widerstand hervor. Vertreter der anderen Parteien im Bundestag verteidigen dagegen den Vorschlag der Ministerin. Zypries beruft sich auf eine Studie der Universität Bamberg, derzufolge Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften genauso gut aufwachsen wie in heterosexuellen Beziehungen.
Experten schätzen, dass in Deutschland bereits mehr als 10 000 Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen. Diese Paare dürfen jedoch nicht gemeinsam ein Kind adoptieren. Sie müssen sich behelfen, indem einer der beiden das Kind allein adoptiert und der andere lediglich ein sogenanntes kleines Sorgerecht erhält.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) widersprach der von Zypries angeführten Studie. «Es gibt auch andere wissenschaftliche Erkenntnisse. Volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben widerspricht den Interessen von Kindern.» Er fügte hinzu: «Es geht bei dem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder.» CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warf Zypries vor, das Thema zu instrumentalisieren. Es mache stutzig, dass sie die Studie jetzt aus dem Hut zaubere; die Adoption sei ein «zu sensibles Thema, um damit Wahlkampf zu machen».
Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid sagte, für die Entwicklung der Kinder sei es das Beste, wenn sie mit Vater und Mutter aufwüchsen. Sein baden-württembergischer Kollege Stefan Mappus (CDU) betonte, Kinder seien «ungeeignet für Experimente».
Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis argumentierte ähnlich: «Eine solche Adoption wäre nicht zum Wohle des Kindes. Das Kind braucht Vater und Mutter als Bezugsperson und nicht Vater und Vater - gerade als Adoptivkind.» Auch der CDU-Familienexperte Marco Wanderwitz sieht es so: «Kinder sollten sich an dem gängigen Familien-Modell mit Vater, Mutter und Kind orientieren können.»
Vertreter der anderen Parteien im Bundestag warfen der Union vor, veralteten Positionen anzuhängen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, sagte, das Familienbild der Union sei «rückständig und realitätsfremd». Beim Thema Familie zähle für die Union nur «Schema F». Sie orientiere sich nicht am Wohl der Kinder, sondern an ihrem antiquierten Familienbild. Auch die FDP stellte sich hinter Zypries. Die FDP-Familienexpertin Ina Lenke sagte, bei einer Koalition mit der Union wären «dicke Bretter» zu bohren. Die Zeit sei überreif, homosexuellen Paaren mehr Rechte zu geben.
Der Linke-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann forderte die Union auf, endlich die Lebenswirklichkeit anerkennen. Diese sei «längst nicht nur männlich-weiblich, sondern queer». «Mit ihren Äußerungen machen die Unions-Parteien deutlich, welches Familienbild in der CDU/CSU dominiert. Die Ansicht, Kinder seien am besten in einer Mann-Frau Beziehung aufgehoben, sei »mittelalterlich«.
SPD-Fraktionsvize Christel Humme plädierte ebenfalls dafür, eine »einseitige Fixierung auf die Ehe« zu überwinden. Wer Kindern ein gutes Aufwachsen ermögliche, verdiene Unterstützung, keine Hürden.
(Quellen: Kauder, Dobrindt, Schmid, Mappus, Beck, Lenke, Humme in «Süddeutsche Zeitung»; Geis, Wanderwitz in »Bild'-Zeitung; (Samstagausgaben); Heilmann in Erklärung)
ddp/mar
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