Verschulung der Studiengänge soll bekämpft werden: Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat am Montag in München ein neues Leitlinienpapier zur Umsetzung der Bologna-Reform an bayerischen Hochschulen unterzeichnet. Die Inhalte des Papieres waren zuvor in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der bayerischen Hochschulen, Universitäten und Studierenden ausgehandelt worden. Heubisch sprach von einer «neuen Kultur des Miteinander».
Vergrößern Verschulung der Studiengänge soll bekämpft werden | Bild: © ad-hoc-news
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Nach Ansicht der Studierendenvertreter steht der Überarbeitungsprozess der Bologna-Reform dennoch erst am Anfang: Am Montag begannen in München erneute Studentenproteste.

Das Papier empfiehlt, «Anwesenheitspflichten zu beschränken», die Anerkennung von Leistungen zu erleichtern und die «Anzahl der Prüfungen zu hinterfragen». Ziel sei es, die Absolventen nicht nur zu qualifizierter Arbeit, sondern auch zu «verantwortungsvollem Handeln» zu befähigen. Prüfungsinhalte und -methoden sollen diesem Ziel künftig gezielter folgen.

Darüber hinaus sollen die Studenten stärker in die Fortentwicklung und Gestaltung der Studiengänge eingebunden werden: Das Leitlinienpapier schlägt die Einrichtung von «Studiengangskommissionen» vor. Zur Verbesserung der sozialen Situation soll die Einrichtung von Teilzeitstudiengängen forciert werden.

Die Inhalte des Leitlinienpapiers sind allerdings für die bayerischen Universitäten und Hochschulen nicht bindend. In dem Dokument heißt es, es sollten lediglich «existierende Handlungsspielräume aufgezeigt werden». Es sei gewünscht, dass die Hochschulen Freiheit bei der konkreten Ausgestaltung der Vorgaben behielten.

Heubisch kündigte an, sich für eine Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschulen einzusetzen. Der Staat werde «an der Bildung und den Hochschulen nicht sparen». Eine Kürzung der Etats stehe nicht zur Debatte, eher rede man über eine Erhöhung der Finanzmittel.

Der Vertreter der bayerischen Landes-Asten-Konferenz, Malte Pennekamp, sagte, er sei «stolz über die erarbeiteten Leitlinien». Er betonte jedoch, es sei bisher nur an der «Feinmechanik» des Bologna-Prozesses justiert worden: Zwar seien die Studiengänge nun auf dem Weg, «studierbar» zu werden, dennoch seien weitere Anstrengungen notwendig. Probleme wie die unsichere Verfügbarkeit von Master-Studienplätzen für die Absolventen von Bachelor-Studiengängen, und die Finanzierungslage der Hochschulen machten es nötig, den Druck der Studierenden auf die Politik aufrechtzuerhalten.

Zeitgleich mit der Unterzeichnung der neuen Leitlinien begannen am Montag in München neue Studentenproteste. Auf dem Vorplatz der Ludwig-Maximilians-Universität soll bis Freitag ein von Studenten organisiertes «Bildungs-Camp» mit Vorträgen und Workshops auf ihre Forderungen hinweisen. Sie verlangen unter anderem eine soziale Chancengleichheit für alle potenziellen Studenten und eine verbindliche Demokratisierung des Hochschulwesens.

Studentenproteste im November und Dezember 2009 hatten auch den Anstoß zur Erarbeitung der neuen Leitlinien gegeben. Damals waren mehrere bayerische Universitäten über Wochen hinweg besetzt worden. Heubisch sagte, die damaligen Proteste hätten eine «neue Diskussionskultur an den Hochschulen geschaffen».

Der sogenannte «Bologna-Prozess» wurde 1999 von 30 europäischen Staaten ins Leben gerufen. Ziel war es, über verstärkte Vergleichbarkeit von Leistungsnachweisen und erhöhte Mobilität der Studierenden einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen. In diesem Zuge erfolgte unter anderem die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem. Studierende hatten wiederholt gegen eine damit einhergehende Verschulung und inhaltliche Überfrachtung der Studiengänge protestiert.

ddp