Berlin (ddp). Zehn Jahre nach dem Beschluss soll die sogenannte Bologna-Reform zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes in Deutschland korrigiert werden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) einigte sich am Dienstag mit Vertretern von Studentenorganisationen, der Hochschulrektorenkonferenz, des Hochschulverbandes sowie Hochschullehrern auf zahlreiche Korrekturen in der Umsetzung des Prozesses. Konsens bestehe darin, dass niemand zu den Zeiten vor der Reform zurückkehren wolle, betonte Schavan. Oppositionsparteien, der Dachverband von Studierendenvertretungen sowie GEW und DGB kritisierten die geplanten Verbesserungen als unzureichend.
Schavan betonte, alte Studienprogramme dürften nicht nur «mit einem neuen Etikett» gekennzeichnet werden. Vielmehr müssten sie auch neue Curricula bekommen. Zudem habe man sich darauf geeinigt, dass es «mehr Flexibilität» bei der Länge des Bachelorstudiengangs geben müsse, so dass statt der bislang vorgesehen sechs auch sieben oder acht Semester möglich seien. Studenten sollten zudem selbst entscheiden, ob sie ein Master- an das Bachelorstudium anschließen wollen, sagte Schavan. Sie sei generell gegen eine Quote, wonach nur ein Teil der Bachelorabsolventen in das Aufbaustudium zugelassen werde. Weitere Verbesserungen sollen durch «bessere Betreuungsverhältnisse» an den Hochschulen erzielt werden. Eine neue Studie soll zudem Aufschluss über die Qualität des Bachelorabschlusses geben und seinen Ruf in der Öffentlichkeit verbessern.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf der Ministerin in diesem Zusammenhang «Schaufenster-Politik» vor. Vier Jahre lang habe sie die Kritik am Bologna-Prozess ignoriert und täusche nun Aktion vor. Der Grünen-Hochschulexperte Kai Gehring forderte, Bund und Länder müssten die Reform ausfinanzieren und zusätzliches Lehrpersonal bereitstellen. Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Nele Hirsch, verwies darauf, dass eine Umsetzung des Bologna-Prozesses ohne grundlegende Beteiligung der Studierenden zum Scheitern verurteilt sei. Sie kritisierte, dass der Prozess bisher innerhalb Deutschlands zu weniger Mobilität geführt habe anstatt europaweit zu mehr Mobilität beizutragen.
Der Dachverband von Studierendenvertretungen (fzs) rechnete nach dem Treffen mit Schavan nicht mit Verbesserungen in der Umsetzung der Bologna-Reform. Verbindliche Zusagen zur Umsetzung der vereinbarten Verbesserungen habe es bei dem Treffen nicht gegeben, sagte Verbandsvorstandsmitglied Anja Gadow.
Der DGB bemängelte, dass die Umsetzung der Hochschulreform bislang «schlecht» laufe. «Von einem echten Europäischen Hochschulraum ist man noch Lichtjahre entfernt», sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Wenn Bologna nicht scheitern soll, sei eine «grundlegende Kehrtwende» nötig. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verwies darauf, dass es ein ´Weiter so´ bei der Reform nicht geben dürfe.
Der sogenannte Bologna-Prozess geht auf eine Einigung der europäischen Bildungsminister 1999 im norditalienischen Bologna zurück. Ziel der Hochschulreform ist die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen nach angloamerikanischem Vorbild, mit dem bis 2010 ein einheitlicher Hochschulraum innerhalb der EU geschaffen werden soll.
(ddp)


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