«Weitere deutsche Soldaten sind jedenfalls sehr willkommen.» Es wäre aber verfrüht, die Soldaten durch Zivilisten zu ersetzen.
Holbrooke lobte das Engagement der Deutschen in Nordafghanistan. «Die Situation dort wird immer gefährlicher», sagte er. Die Deutschen seien dort unabkömmlich. «Ich bin dankbar und glücklich, dass sie da sind», sagte Holbrooke. Der Luftangriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus im September, den ein deutscher Offizier befohlen hatte und der mehr als 140 Menschen das Leben kostete, habe dagegen sehr geschadet.
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), äußerte sich skeptisch zu einer Aufstockung der deutschen Afghanistan-Truppe. Einem Vorabbericht des »Kölner Stadt-Anzeigers« (Mittwochausgabe) zufolge schreibt Uhl in einem Positionspapier, nach acht Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan sei es unangemessen, die Diskussion über mehr oder weniger Soldaten in den Vordergrund zu stellen. »Viel eher bedarf es einer Überprüfung unserer Ziele und einer effektiven Strategie zu deren Erreichung. Erst im dritten Schritt sollten wir über die hierfür notwendigen Mittel nachdenken«, zitierte das Blatt den Politiker.
Uhl forderte, die Polizeiausbildung deutlich zu verstärken. Sollte sich dabei herausstellen, dass die von Deutschland ausgebildeten Polizisten zum Werkzeug von korrupten regionalen Machthabern werden, müssten diese Strukturen «konsequent aufgebrochen» werden.
Im Übrigen müsse Deutschland bereit sein, unrealistische Ansprüche nach unten zu korrigieren, mahnte Uhl. Überambitionierte Ansätze wie die Einführung einer zentral organisierten Demokratie oder die Verhinderung des Mohnanbaus werden Uhls Einschätzung nur dazu führen, dass Deutschland sein militärisches Engagement für unabsehbare Zeit aufrechterhalten müsste.
Berlin/Köln (ddp)


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