Fußball, WM

Marketing-Tag statt Fußball: Videos, Fotos und das neue Trikot für die Mission WM-Titelverteidigung stehen zunächst im Mittelpunkt der letzten Nationalmannschaftsreise 2017.

07.11.2017 - 14:48:06

Fußball-Nationalmannschaft - Vor den Klassikern: Modell-Show der Weltmeister

Berlin - Joachim Löw schlenderte lässig mit Sonnenbrille und schickem Herbstmantel ins Luxus-Boutique-Hotel «Das Stue» direkt am Berliner Zoo.

Bayern-Star Jérome Boateng kam mit gelbem Hoody und rotem Markenrucksack zum Treffpunkt in seiner Geburtsstadt. Der Leverkusener Julian Brandt hatte eine Ripped Jeans im Used-Look sowie rosa Turnschuhe gewählt. Schon vor der offiziellen Präsentation der neuen Adler-Trikots für die Fußball-WM 2018 am Abend wurde der erste Tag der Vorbereitung auf die Klassiker gegen England und Frankreich zur Modell-Show der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

«Der Sport steht mal im Hintergrund. Ab morgen ist der Fokus wieder voll darauf gerichtet», sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der ein schlichtes graues Outfit bevorzugte. Marketing- und Mode-Tag statt Fußball: Die Weltmeister um Real-Madrid-Profi Toni Kroos und die Confed-Cup-Sieger um Timo Werner sowie der erstmals berufene Marcel Halstenberg (beide BR Leipzig) verstreuten sich für Werbeaufnahmen in der Hauptstadt. Amin Younes (Ajex Amsterdam) wird wahrscheinlich wegen einer Blessur ausfallen.

DFB-Ausrüster Adidas hatte für die Live-Vorstellung der neuen weißen WM-Jerseys mit grauem Zackenmuster «The BASE» im Stadtteil Wedding ausgesucht, wo Jungen und Mädchen in Fußballkäfigen dem Ball nachjagen. Bierhoff findet das neue Leibchen gelungen: «Neues Trikot, neue Materialien, da stecken immer neue Gedanken dahinter.»

Der Manager stellte aber auch gleich die sportliche Bedeutung der letzten Länderspiel-Doppelpacks des Jahres 2017 heraus, während im Hintergrund Gepäckwagen mit der neuen DFB-Bekleidung ins Hotelfoyer geschoben wurden. «Es ist schon ernst. Es ist natürlich auch schon ein Vorbereitungsspiel auf die Weltmeisterschaft», sagte der einstige Stürmer Bierhoff, obwohl bis zum ersten Anstoß in Russland am 14. Juni des kommenden Jahres noch mehr als sieben Monate Zeit sind.

In den Partien am Freitag (21.00 Uhr/ZDF) im Londoner Wembleystadion gegen England und vier Tage später in Köln gegen Frankreich (20.45 Uhr/ARD) können und sollen sich die Spieler für ein persönliches WM-Ticket empfehlen. «Wir haben ja gesehen, dass wir einen unglaublich tollen, breiten Kreis von Spielern haben, die mitmachen können. Insofern ist jedes Spiele gerade gegen solche Gegner natürlich wichtig. Es soll ernsthaft sein», betonte Bierhoff.

Löw hat bereits auf die notwendige Mischung bei der Zusammenstellung seines Kaders für die komplizierte Mission WM-Titelverteidigung hingewiesen. «Viele Komponenten spielen eine Rolle. In den letzten drei Jahren haben wir den Konkurrenzkampf geschürt. Im nächsten Jahr möchte ich den Konkurrenzkampf nicht. Ich möchte, dass die Spieler alles für die Mannschaft tun», bemerkte der DFB-Chefcoach und verwies auf die Rolle des Gladbachers Christoph Kramer beim WM-Gewinn 2014 in Brasilien: «Er war immer unglaublich positiv. Plötzlich spielte er im Endspiel von Beginn an. Man braucht hohe Sozialkompetenz und Toleranz. Das Turnier ist lang. Man braucht auch Frusttolerenz.»

Die Rückkehr von WM-Finaltorschütze Mario Götze (Borussia Dortmund) und Ilkay Gündogan (Manchester City) nach einem Jahr Nationalmannschaftspause vergrößert Löws Auswahl noch. «Wenn sie fit sind, wenn sie 100 Prozent ihrer Leistung abrufen, sind sie für jede Mannschaft der Welt eine Bereicherung», unterstrich Bierhoff.

Dass auch für Spieler die WM-Tür noch offen steht, die Löw bisher nicht berücksichtigt hatte, verdeutlicht das Beispiel des 26 Jahre alten Linksverteidigers Halstenberg. Durch den weiteren Verletzungsausfall des Kölners Jonas Hector - außerdem fehlen auch Kapitän Manuel Neuer und dessen Bayern-Kollege Thomas Müller - muss der Bundestrainer gerade links hinten andere Möglichkeiten testen.

«Man muss immer für Alternativen sorgen. Wenn sich Spieler im Ligabetrieb aufdrängen, ist das gut», meinte Bierhoff. Und der Confed Cup habe ja gezeigt: «Wenn man Spielern eine Chance gibt, sie sich hier zeigen können und reinschnuppern, dann ist das immer positiv.»

@ dpa.de

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